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tact

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tact m.

Bd. 21, Sp. 92
takt, tact, m. im 16. jahrh. (s. 3, b, α) entlehnt aus dem gleichbedeutenden franz. tact, vom lat. tactus. 11) die berührung, der thätige gefühls- und tastsinn: tact, beruorung. Roth dict. Q 1a; das gesicht ist der edelste sinn, die andern vier belehren uns nur durch die organe des tacts, wir hören, wir fühlen, riechen und betasten alles durch berührung. Göthe 49, 119. 22) darnach das innerliche feine gefühl für das rechte und schickliche, ein feines und richtiges urtheil: wenn man es auf den ausschlag der im dunkeln des gemüths liegenden bestimmungsgründe des urtheils in masse ankommen läszt, welches man den logischen tact nennen könnte. Kant 10, 136; sein ästhetischer takt. Matthisson schriften 2, 22; feiner takt für schicklichkeit und anstand. Seume spaz. 130; für solche verhältnisse ist den weibern ein besonderer tact angeboren. Göthe 17, 328. 33) das nach bestimmten verhältnissen abgemessene zeitmasz einer rhythmischen bewegung. 3@aa) des stundenschlages: der ander engel (der Straszburger uhr) hat ein scepter, damit er den tact zur glocken schlägt. Ernstinger raisbuch 258; das ander einen scepter tregt, mit dems den tact zur glocken schlegt. Fischart Gödeke elf bücher 1, 174b. 3@bb) des verses: der versfusz oder des verses gleichgemessener schritt, der auch takt in der sprache des musikers heiszt. Voss zeitmessung 144; der takt, welchen die poesie in ihrem ursprunge mit der musik gemein hat. A. W. Schlegel vorles. 1, 117, 24 neudruck; der takt oder das metrum war durch die natürliche länge und kürze der zusammengestellten silben festgesetzt. Moritz prosodie 81; der jambische, trochaische takt. Voss a. a. o. 106. 182; die sechs takte des hexameters. 175; er (der Alexandriner) trabt daher mit schwärem schritt, ein gleicher tact bestimmt ihm jeden tritt. Drollinger 297. 3@cc) des gesanges und der musik. 3@c@aα) die rhythmische bewegung und das zur leitung derselben gegebene zeichen: tact, schlag, mensur, darnach man bhend oder langsam singt. Roth dict. Q 1a; tact heist in der music die richtige bewegung mit der hand oder arm, nach welcher sich die musici richten müssen. Belemnon baurenlex. 185. es heiszt den tact (womit) schlagen, pochen, führen, geben; nach dem takte singen, spielen (Aler 1869b), takt halten, im takte bleiben, aus dem takte kommen u. s. w.: (musik,) darzu der aff den tact sehr artlich mit höflichen geberden führete. eselk. 184; den tact geben, batre la mesure Rädlein 863b, mit der hand den tact geben. Kürzinger unterricht zum singen (1793) 9; der den tact führet, syntonarius, modulator Aler 1869b; es wäre ein trefflicher genusz gewessen, wenn nicht der vermaledeite kapellmeister den tackt mit einer rolle noten wider das gitter so unverschämt geklappt hätte. Göthe tageb. 1, 253 Weim.; wo ... die halbnackten, trotzigen gestalten während des singens mit dem groszen eisernen hammer den takt schlagen auf dem dröhnenden ambosz. H. Heine 9, 58; leise schlug er mit sandalen und beschwertem fusze den tact, bis der letzte ton verklang. Scheffel Ekk. 58; halblaut summt' er ein liedchen und pochte den takt mit der lanze. P. Heyse ges. werke 2, 230; die mit einander singen, müssen ... tact halten. Lehmann 165, 21; die ganze schöne musik gerieth auf einmal aus dem takt. Moritz A. Reiser 94, 15 neudruck; ich fühlte wohl, dasz du .. aus dem takt kamst. der j. Göthe 3, 667 (werke 10, 175); bildlich: der harmonische takt meines sensoriums. Schiller 4, 35; dich ergreift nicht der strom dieser harmonischen welt? nicht der begeisternde takt, den alle wesen dir schlagen? 11, 41. 3@c@bβ) ein einzelner takt und die zwischen zwei taktstrichen stehenden noten desselben: ihr müszt einmal ein stücke setzen, das lauter ganze tackte hat (noten, die einen ganzen takt bezeichnen); schafft die geschwänzten noten ab. Stoppe fab. 2, 44; tackt zehlen Parnasz 286; es begegnet mir wohl, dasz ich .. aus irgend einem musikstücke einige takte unwillkührlich durch die zähne brumme. Seume spaziergang 36. 3@dd) der takt des tanzes (nach dem takte der musik oder auch ohne denselben): der takt und die cadenz in tänzen. Leibnitz 1, 421; nach dem takt des gesanges .. ward ein nachahmender reigen getanzt, worauf zu einem andern tanze die umstehenden den takt schnippten oder klatschten. Voss zeitmessung 172; dort tanzt ein bunter ring mit umgeschlungnen händen in dem zertretnen gras bei einer dorf-schalmei, und lehrt sie nicht die kunst sich nach dem tacte wenden, so legt die fröhlichkeit doch ihnen flügel bei. Haller die alpen 117; wer in der innern freudigkeit tanzt, wird nicht den takt verlieren. Arnim Hollins liebeleben 50 Minor; nicht mehr tret' im takt ihr schwebender fusz den reigen. Platen 2, 184. 3@ee) der takt der schritte (nach dem takte eines musikalischen marsches oder trommelschlages, oder sonst gleichmäszig): bei klingendem spiel nach dem takt der trommel spazieren gehn. Schiller 2, 40 (räuber, schausp. 1, 2); der stolze tact meiner tritte. Thümmel reise 8 (1803), 247; der tact des schrittes wird jeden augenblick unterbrochen. Göthe 17, 34. 3@ff) der takt der hammer-, schwert-, axt-, ruderschläge u. s. w.: ruderer, drescher u. s. w. sich gern in einen gewissen takt setzen. A. W. Schlegel vorles. 1, 244, 37 neudruck; im takte pocht der hämmer schlag. Schiller 11, 250; sie schlugen mit ihrem eisen den tact in Römerglieder. Freytag ges. werke 1, 305; in dumpfem tact krachten die einschlagenden (axt-)hiebe. Scheffel Ekkeh. 127; die ruder sind klein und der tact viel geschwinder. Göthe tageb. 2, 184 Weim.; mit traurigem takte rudert der schiffer in meinem kahn. H. Heine buch der lieder 99 neudruck. 44) überhaupt ein (wie im takte sich bewegendes) gleichförmiges und harmonisches fortschreiten und leben: auch das mühevolle einförmige leben des handwerksmannes hat seine einschnitte und perioden, wodurch ein gewisser takt und harmonie hineingebracht wird. Moritz A. Reiser 50, 33 neudr.; in dem gleichförmigen sanften takte des landlebens verlor sich allmählich der geist der unruhe und des raubes. Schiller 9, 249.
6080 Zeichen · 117 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    tactM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    tact , M. nhd. Takt, rhythmische Abfolge von Tönen ÜG.: lat. tactus Q.: Nic. Gryse Spegel Rr 1r (1593) I.: Lw. lat. tact…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tact

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Tact , des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Tactus, in der Musik und Tanzkunst. 1. Die gehörige und bestimmte Daue…

  3. Spezial
    tact

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    tact [tạct] m.sg. 1 ‹mus› Takt m. 2 Fingerspitzengefühl n. , Feingefühl n ., Anstandsgefühl n . ◆ mancianza de tact Takt…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tact

14 Bildungen · 12 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

tact‑ als Erstglied (12 von 12)

tactagelich

KöblerMhd

tac·tagelich

tactagelich , Adv., Pron. nhd. „tagtäglich“ Q.: Ot (1301-1319) (FB tactagelich) E.: s. tac W.: nhd. tagtäglich, Adj., tagtäglich, DW 21, 86

tactêren

MNWB

tact·eren

*° tactêren , swv. : einen Rhythmus vorgeben , mit dem strîthāmer nâ dem bachanten klavêrschlāge t. unde bölkende singen (Nic. Gryse Laienbi…

Tactfêst

Adelung

tact·fest

Tactfêst , -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, den Tact oder das Tonmaß gehörig zu beobachten, und darin gegründet. Daher die Tac…

Tactführer

Adelung

tact·fuehrer

Der Tactführer , des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher bey großen Musiken den Tact führet, d. i. das Tonmaß durch Aufhebung und Nie…

Tactil

Herder

tac·til

Tactil , lat.-deutsch, fühlbar; Taction , Berührung; tactus , Tastsinn, das Tasten.

tactulus

LmL

tactulus -i m. Taste (für eine Halbtonstufe?) — key (for the degree of a semitone?) [s.XV] LmL Georg. Ans. 2, 120: Georgius: ... Organum ite…

tactus

LmL

tac·tus

tactus -us m. 1. Spielformel (für das Orgelspiel) 2. Taste 3. Bezeichnung für eine Zeitmaßeinheit — 1. improvisational pattern (for performa…

tactus compositus

LmL

tactus·compositus

tactus compositus (mixtus) aus gleichen Notenwerten bestehende Spielformel - rhythmisch differenzierte Spielformel — improvisational pattern…

tactus virgulatus

LmL

tactus virgulatus Spielformel mit Minimen — improvisational pattern with minims [s.XV] LmL Tact. Opusculum 28: per virgulacionem duarum nota…

tactēren

KöblerMnd

tact·ēren

tactēren , sw. V. nhd. „taktieren“, einen Rhythmus vorgeben Q.: Nic. Gryse Laienbibel 1 Dd 4r (1604) E.: s. tact W.: s. nhd. taktieren, sw. …

tact als Zweitglied (2 von 2)

gestact

KöblerMhd

*ge·s·tact

*gestact , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. vol- E.: s. ge, stecken W.: s. nhd. gesteckt, (Part. Prät.=)Adj., gesteckt, bestimmt, festgesetzt, DW …

volgestact

KöblerMhd

volge·s·tact

volgestact , sw. V., (Part. Prät.=)Adj. nhd. vollgesteckt Hw.: s. volstecken W.: nhd. vollgesteckt, (Part. Prät.=)Adj., vollgesteckt, DW- L.…