synkretismus,
m.,
neulat. syncretismus (
seit dem 16.
jh.)
aus griech. συγκρητισμός,
das in der bedeutung '
vereinigung der sonst zwieträchtigen Kreter gegen auswärtige feinde'
Plutarch überliefert: καὶ τοῦτ' ἦν ὁ καλούμενος ὑπ' αὐτῶν (
d. h. von den Kretern selbst)
συγκρητισμός in: περὶ φιλαδελφίας cap. 19 (
moral. 3, 249
Pohlenz-Sieveking); Erasmus v. Rotterdam
hat den griechischen terminus aus Plutarch in seine vielgelesenen adagia aufgenommen und ihn so der neuzeit vermittelt, s. Tschackert in:
realenzykl. f. d. protest. theol. 19, 240
ff. die moderne anwendung als '
religionsmischerei'
knüpft wohl meist, gelehrt-etymologisierend, jedoch fälschlich an συγκεράννυμι,
σύγκρασις '
vermischung',
σύγκρατος '
gemischt',
oder an lat. cresco, cretus
an. —
bei Murray 9, 2, 378
ist syncretismus
für 1615,
engl. syncretism
für 1618
zuerst gebucht, im deutschen als fremdwort in deutschen texten seit den vierziger jahren des 17.
jh. anläszlich des synkretistenstreites üblich geworden. '
vermischung von lehrmeinungen verschiedener art und herkunft, namentlich von religiösen dogmen und philosophischen ansichten',
häufig in tadelndem sinne für eine '
widerspruchsvolle vermengung gegensätzlicher lehren': synkretismus ist bei den Kretensern ... üblich gewesen, nemlich wenn sie einen fremden feind bekommen, haben sie die innerlichen streitigkeiten an eine seite gesetzt ... was hat nun dieser synkretismus für eine gemeinschaft mit der intention der friedliebenden, die da wünschen, dasz die christen sich miteinander begehen mögen, wie christen gebührt? Georg Calixtus (1648)
bei Henke
Georg Calixtus u. zeine zeit (1856) 2, 2, 154
anm.; (1649)
ebda 155
anm.; wann kluge welt-leuth den syncretismum höher treiben wollen, und sich bedüncken lassen ... dasz er sol zufalls die religionen eins machen, und unter einen hut bringen Dannhawer
catech.-milch (1657) 8, 165;
vgl. 8, 511; eine religionsmengerey, ein verdamlicher und zu grossem unglück ausgebrüteter syncretismus
d. theolog. facultät ... sendschreiben (
Rinteln 1666) a 3
a; zum synkretismus hat ... der ritter nie neigung gezeigt Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 2, 461; synkretism oder synkritizism ist eins Novalis
schr. 3, 307
Minor; weder die einfälle Tertullians noch der einer neuplatonischen zeitbildung hingegebene synkretismus des Clemens oder Origines hatten das vermocht W. Dilthey
einl. in d. geisteswiss. (1883) 1, 334; synkretismus oder religionsmischerei Usener
götternamen (1896) 331; der synkretismus, der uns als charakterlose verläugnung des väterlichen glaubens leicht widerlich anmutet, ist eine wichtige durchgangsstufe der religionsgeschichte
ebda 2340; bei naturphilosophen (
der renaissance) ... bildete sich ... ein synkretismus neuplatonischer und peripatetischer elemente O. Willmann
gesch. d. idealismus 3 (1907) 91.
in der sprachwissenschaft: (
man) redet auch da von synkretismus, wo ursprünglich nach sinn und form verschiedene kasus in einer einzigen schreibform zusammengefallen sind Eduard Sievers in:
idg. forsch. 45 (1927) 119. —