sündflusz,
m., f. ,
diluvium, cataclysmus (
s. auch sintflusz
teil 10, 1, 1218).
seitenform zu sündflut,
zufrühest md. 1440:
diluvium sintvlus Diefenbach
gl. 182
b,
im 16.
und 17.
jh. häufig, im 18.
jh. nur noch spärlich bezeugt, in obd. mundarten dagegen noch lebendig. einzelnachweise darüber bei sündflut
sp. 1169,
ebda auch über entstehung und lebensdauer des fem., sowie über das verhältnis der sind-
und sünd -
formen. 11)
vorwiegend, wie bei sündflut (
s. d. 1 a, b),
als bezeichnung der biblischen flut Noahs, seltener in der allgemeineren anwendung '
grosze flut, überschwemmung': sich ich will zuofüren die wasser der sundtflusz auff die erde, daz ich tOete alles fleisch, in dem da ist der geist des lebens unter dem himel
erste deutsche bibel 3, 61
Z-O a; acht menschenn fristet got fur not, ut genesis am echtenn, do die sintflusz die welt ertot Hans Folz
meisterl. 165
Mayer; welche unleidlich überschwencklich boszheit gott geursacht hatt die welt mit sündflusz zu versencken ... so muost es doch alles herhalten und mit sündflusz verderben bisz an den gerechten Noah selb achtet Seb. Franck
chron., zeitb. (1531) 6
a; den (
Noah) liesz er lang zcu vor predigen, wie goth die weldt wolt straffen mit dem sintfluesz Luther 9, 636
W.; darumb ich gedenk, daz uns der obrist gewalt wider strafen werde, jedoch nit durch die sündtflusz, sondern durch sterben, hunger und kriege Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) 144
a; (
etliche) folgen nach jenen geillen mistfincken, welche in dem sündflusz gott gebadet hat Abr. a
s. Clara
Judas d. ertzschelm (1686) 1, 212.
auch für die erweiterte anwendung '
allgemeine flut, wasserkatastrophe'
hat, wie bei sündflut (
s. d. 1 c),
die vorstellung der biblischen flut als ausgangspunkt zu gelten: das magst du vOelliklicher versten an der sintflssz in Fryesen, da mer dann 100 000 menschen auff ain mal versuncken Hartlieb
dialogus 297
Drescher (
in einem bericht über das gleiche ereignis: des geleich als ain ander syntflucht komen sold
ebda 10); grausam übergieszung und sündflusz in Seeland, Holand, und der Tiber zu Rom Seb. Franck
chron., zeitb. (1531) 3
b register; so dörfen wir alle umb nichten mehr sorgen, weder auff sndflusz, noch auff donner und hagel, noch auff erdbidem, noch auff pestilentz, noch auff krieg Paracelsus
op. (1616) 2, 193
b Huser; als es hernacher (
nach 25
jähriger trockenheit) anfing zu regnen, ward ein so groszer sündflusz draus, dasz dise landen allerdings verderbt wurden Äg. Albertinus
zeitkürzer (1603) 3
b.
im vergleich: damit mein buch nit wie ein flusz von zuo vil zuolauffs des regenwassers ausz seinem furt in ein landgusz und sindflusz, darüber niemant kunde, auszlauff Seb. Franck
Germ. chron. (
nov. 1538)
vorr. a a 3
b. 22)
speziell in formelhaften zeitangaben, wie sündflut 2 a: das vor dem sündflusz wib und man ... ir sünd dermasz und gstalt gemert, bisz gott alle hat umbkert
schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 149
Bächtold; diser Janus soll der Noa sein, ..., geben ihme darumb zwei angsicht zu, als der zwo welt gesehen hab, eine vor dem sündflusz, die ander darnach Simon Roth
dict. (1571) h
b; welche schwachheit, weil U. seine ahnen nicht schon gleich nach dem sündflusse zu zählen anfängt
neue schausp. (1771) 6,
stück 2,
s. 9. 33)
im übertragenen gebrauch sind bei sündflusz,
der lebensdauer des wortes entsprechend, nur die älteren möglichkeiten entwickelt, vor allem die sündflut 3 a
entsprechende übertragung auf sünde und unheil: es werd reichen zu einem sindtflus unerleidlicher übel Luther 7, 874
W.; und eygen nutz regiert und gwalt die sündflusz alles ungemachs Hans Sachs 3, 305
Keller; Luther kumbt und bringt den sündflusz aller laster und sünden Joh. Nas
antipap. (1567) 5, 191.
von tränen, wie sündflut 3 c: all die hitz der jugend ... war gleichsam in der sundflusz meiner vergossenen thränen erloschen
theatrum amoris (1626) 71.
ein vereinzelter archaisierender gebrauch jüngster zeit stellt sich mit der übertragung auf eine massenbewegung zu sündflut 3 e: derweilen ist die sintflusz (
der aufruhr) immer mehr gestiegen Gerh. Hauptmann
ges. w. 2, 71
jubiläumsausgabe (
Florian Geyer). —
dazu sündflüssig, adj., sintflutartig: mit demselben sintflüssigem wasserqual (1472)
bei Fischer
schwäb. 5, 1961;
ausgestorben.