stunze,
f. ,
stunz, stunzen, m., gefäsz bestimmter form und grösze. zu stunz,
adj., '
stumpf',
also nach der form benannt, s. M. Heyne
hausalt. 2, 306,
auch stumpf H (
sp. 437);
ein mittellat. stunsa (
z. b. Diefenbach
nov. gl. 351
b; v.
d. Schueren
Teuth. 403
s. v. tonne
Verdam)
ist aus dem deutschen entlehnt. —
seit dem 15.
jh. bezeugt, heute noch mundartlich in weitem bereich des nd. und md. mit ausnahme des ostens, s. 1;
auch als dem. stünzchen, stünsken
weit verbreitet. darüber hinaus im 16.
jh. für das schwäb. bezeugt, s. Fischer 5, 1922. —
in gleicher bedeutung stütze, stutz (
s. d.),
mundartlich zuweilen die formen mit und ohne -n-
nebeneinander, vgl. z. b. Crecelius 825; Vilmar 406. 11)
meistens '
hölzernes gefäsz mittlerer grösze'
für zwecke der haus- und stallwirtschaft; für die maa. als milch- und wassergefäsz bezeugt, z. b. aufbewahrungsgefäsz für wasser, mit deckel und meist auf füszen stehend, s. Bauer-Collitz 101
a; Hertel
Thür. 239; '
melkeimer',
s. Vilmar 406; Bruns
volksw. d. prov. Sachsen 67
a; '
schöpfgefäsz mit einem stiel oder griff',
s. Schambach
Götting. 216
b; Schulze
nordthür. 45
b;
dem entsprechend in den schriftlichen quellen: stuntze, und is also eyn touer (
zuber)
stunsa vel tina nd. voc. a. d. 15.
jh. bei Diefenbach
nov. gl. 351
b;
vgl. auch Schiller-Lübben 4, 451; stuntze
cupa, labrum, vannus Stieler (1691) 2133;
culinae sunt holtz und kohlen, kessel und töpff, kellen und löffel, schüssel und teller, stuntzen und stender, rost und zange A. Beier
vom handwerckszeuge (1691) 153; ein wagen, der do tregt tische, kasten ... kuffen, fasse, legeln, stuntzen, schuffeln, molden, ... der gibt zwene pfennige
zollbrief a. d. j. 1538
bei E. G. Förstemann
gesetzessammlungen d. st. Nordhausen (1843) 1; (
bei feuersgefahr) soll ein jeglicher bürger ... mitt schuffen, leitern, hacken, stuntzen und andern dazu gehörende laufen
urk. v. j. 1487
bei Walch
verm. beitr. z. deutsch. recht (1772) 2, 120; item, wer eine malzdarr hat, wenn er malz derret, soll er stetiglich einen zuber oder stuntzen waszers dabey haben
ebda 2, 121; dasz sie verlauffener zeit einen blutigen stuntz oder kübel gewaschen Kirchhof
wendunmuth 3, 232
Österley; da das der wirt ... hörete, nam er die gelthen oder stüntzen alle beyde und ... gosz er die uber sie Luther 60, 79
Erl.; es sollen etzliche vogelsteller ... mit einem zuber oder stuntz zum wasser lauffen Aitinger
jagdbüchl. (1681) 269;
gelegentlich noch in junger zeit: ich bekomme ordentlich lust nach einer stuntze, es musz sich vortrefflich darinn sitzen lassen A. v. Drachenfels (1818)
bei Platen
briefw. 2, 21
Scheffler-Bornstein; hab ich gutes futter, macht die liebe mutter recht viel gute butter aus der weiszen milch: stripp, stroll; hurtig ist der stuntzen voll J. G. Hermes
wiegenlieder (1801) 89;
häufig in erläuternden compositis: badestunze
qu. a. d. 15.
jh. bei Vilmar
kurhess. 406; eine butterstuntze mit 3 beinen
urk. v. j. 1731
bei Diefenbach-Wülcker 869; melckstüntzen Luther
hs. var. für melkfasz
Hiob 21, 24,
s. C. Franke
schriftspr. Luthers 2, 31. 22)
seltener, nur in älteren schwäb. quellen, als bezeichnung eines edleren geschirrs, etwa '
schenkkanne, pokal': ein stunze
modiolus Trochus
voc. (1517) s 2
b; stintzen
carchesium Maaler (1561) 389
b; stuntze
capula Kirsch
cornucop. (1732) 175
a; es wurden nemlich auf einem kostbar bedeckten tisch das h. öhl ... nebst zwei weiszen brodt und zwei silbernen stünzen mit wein ... gestellet J.
F. Speeth
Constanzer chron. (1733) 269; ein halbmessig zinnerne stinzen
Königsegg. akten v. j. 1662
bei Fischer 5, 1922; zin geschier: quartig kanten 4, quartig stüntzen 1, mäszig stüntzen 3, stüntzen mit golgen (
ausguszröhren) 3, ... viertailig stüntzlin 1
inventar v. j. 1577
Alemannia 3, 288; und ist ditz die anzal der stietzen ..., die ain jeder herr burgermeister ... gegen prelaten, graven ... in vererung des weins ... halten ... soll, wie hernach folgt: ainem prelaten 8 stünzen
urk. v. j. 1555
in oberrhein. stadtrechte II, 2, 2, 461. 33)
als bezeichnung von menschen; verächtlich von frauenzimmern, wohl aus der bedeutung 1
übertragen, wie auch gelegentlich die synonyma stande,
teil 10, 2, 736
und stotz,
teil 10, 3, 584: stuntz,
m., Saul
hess. id. 15;
besonders für eine kuhstallmagd, s. Kleemann
nordthür. 22
c; Hertel
Thür. 239;
für eine tanzstundendame Eilenberger
pennälerspr. 66
b;
als demin. in der studentensprache für ein die gesellschaft der studenten meidendes mädchen: bald heisset sie landviole, bald stüntzken oder coventsstänke, bald fräulein grobspon
der lustige philosophus (1715) 253,
s. zeitschr. f. d. wortf. 4, 314;
vgl. auch gestunz '
altes frauenzimmer' Martin-Lienhart 2, 606.
anders, stunz,
adj., '
stumpf'
direkt entsprechend: '
kleine, dicke person' Hofmann
niederhess. 235
b;
so auch stunzel.