stuhlfeste,
f. ,
in verschiedenen bedeutungen von stuhl
und feste '
festsetzung, vertrag',
vgl.handfeste. 11)
heiratsabrede, eheverlöbnis vor dem pfarrer, auch die feier des eheverlöbnisses; zu stuhl 2 '
brautstuhl'
; nicht vor dem 15.
jh. bezeugt, jedoch wohl älter; mundartlich im obd. noch bewahrt, bes. schwäb., bair.; in anlehnung an fest,
n., oft stuhlfest,
teilweise mit übergang in das neutr.; so auch mundartlich, vgl. Fischer schwäb. 5, 1909,
neben erhaltenem f.; zur sacherklärung s. Haltaus 1761: (
sie) mügen auf die stuelfest, hochzeit und den negsten tag nach der hochzeit zue dem tanz ... wol laden, wen sie wöllen (
v. j. 1481)
in zs. d. hist. ver. f. Schwaben 39, 231,
vgl. ebda 19, 233; weisz und formb zwo personen zusamen zu geben, so man sponsalia oder stuelvest nennet
in cgm 4611
bl. 27 (17.
jh.)
nach Schmeller-Fr. 2, 753; alle angende eegemecht oder an stat derselben ire eltern ..., die mügen zu iren stulfesten laden ... vil oder wenig. wann nun die eeversprechung beschehen, so mügen (
sie) ... des selben tags der stulfestin zu dem nachtmal ... 32 personen laden
Augsburg. hochzeitsordn. v. 1550
bei Haltaus 1761; auff ainen heiratstag, hAefftlwein, stlfest, oder wie der genent wirdt
bair. landtsordnung (1553) 99
b; (
Lucifer) hat zu solchem end unendlich vil fressereyen auffbracht, nemblich die handschläg oder stuelfesten und ehliche versprechnusz fressereyen A. Albertinus
Lucifers königreich 183, 25
Liliencron; in den stuolfesten oder handstreichen ist die scham hoch bedacht, damit unbekannt personen nit von stund an zusammengefügt würden Chr. Bruno
de officio mariti (1566) 30
b; und verstet sich ... nit auf die hochzeiten, stuelvest, leikauf in wichtigen keufen, kirchtäg und comissionen (17.
jh.)
österr. weist. 1, 140, 37; die versprechen oder stulfesten (
sind) sponsalia de futuro und nit matrimonia de presenti
Freisinger bischöfl. mandat v. 1615
bei Schmeller-Fr. 2, 753; das stuhlfest und das hochzeitsmahl (
v. j. 1679)
chron. v. Lauchheim bei Fischer
schwäb. 5, 1909; ich will euch fuchsen, wenn ihr mir bey der stuhlföst in meine klauen kommt A. v. Bucher
s. w. (1835) 6, 431; das (
einem mädchen blumen schicken) thut man ja sonst nicht eher, als bis es aufs stuhlfest losgeht H. Schmid
gesch. aus Bayern (1861) 213;
in fester verbalverbindung: stuhlfest(e) halten sponsalia facere, efficere, praebere Schönsleder
prompt. (1674) G gg 7
b; stuhlfest halten heiszt bei den bauern soviel als das eheverlöbnisz halten Nicolai
reise durch Deutschland (1785) 6
beil. 103; als bis ich bemerkt fand, stuhlfest halten heisze bey den landleuten in Baiern so viel als das eheverlöbnisz halten Reichard
Matthäus u. Veit Konr. Schwarz (1786) 79; dasz es gleich richtig gemacht wird und wir gleich die stuhlfest halten H. Schmid
ges. schr. 15, 145;
mehr dinglich, der bei dem eheverlöbnis gehaltene schmaus: von der ee wegen beschehen manigerlay gaben, wann etwo so pfligt man zuo geben mit den eepflichten ain wartzaichen als wein oder leibkauf stuolfest oder anders
der neu layenspiegel (1518) 34
a; si (
die braut) schenket herwider dem preutkam auch etwan ain wer: das war domals ir ... heiratguet, morgengab, kreuz, gemähelring, schenk, plumph und stuelfest Aventin 4, 112, 4; heyratgut, morgengab, kräutz, gemahlring, schaide, plumpff und stulfest Fronsperger
kriegsb. (1573) 2, 203
a. 22)
eine einlage in die zunftbüchse, auch als conventionalstrafe; zu stuhl 1
im sinne botmäszige versammlung des handwerks auf dem stuhl,
so Schmid
schwäb. wb. 517: swaer ein man ist, der kramer sin wil, der mak daz wol sin ane schaden, daz in niemen noeten sol noch enmak kainer stlveste wan als er von im selben gerne tun wil (
v. j. 1276)
stadtbuch von Augsburg 43
Meyer; beliebet er (
der fremde geselle) aber me hie, so sol er geben 2
d. stuolvest (
v. j. 1479) G. Schmoller
Straszburger tucher- u. weberzunft (1879) 94; wenn di bichsenmaister umgang und die stulfesti samlent und weler die stulfesti nicht richt den tag ..., der ist kumen um ain pfund wachs
bei Schmid
a. a. o.,
vgl. stuhlgeld. 33)
zu stuhl 1 b
γ '
gericht' (
vgl. sp. 327)
jede übernahme eines gutes oder gewerbes vor gericht Schmeller-Fr. 2, 753. —