stuhlbruder,
m. ,
einer, der mit andern den gleichen stuhl inne hat, vgl. stuhlgenosse; '
amtsgenosse, college, geistlicher bruder'
usw.; zu verschiedenen bedeutungen von stuhl;
häufiger spätmhd., älternhd.; später nur in terminologisch erstarrter verwendung; über stolbruder
s. u. 2
und teil 10, 3, 194. 11)
zu stuhl 2 '
ratsmitglied': her Gert Witte, unser borgermeister und her Hennink Rumoer, unses rades stoelbroder (
v. j. 1402)
livländ. urk.-buch nr. 1614;
zu stuhl 1 b
β '
mitrichter, mitschöffe': es haben mich meine stuhlbrüder gelehret und ich spreche es auch mit ihnen zu recht (18.
jh.)
weisth. 3, 581;
zu stuhl 1 c '
college': ich waisz hie wol, daz etlich gelerten, auch philosophi, dem Platoni solche ere nit günnen, ich muosse aber solche gesellen nennen ... wie Seneca sie zenckisch und neidische stuolbrüder haiszet Steph. Vigilius
de reb. memor. (1541) 9
a;
überhaupt '
amtsgenosse'
in den verschiedenen amtlichen collegien profaner organisationen, z. b. in den zünften: einer selbständigen korporation mit gewählten vorstehern, älterleuten, stuhlbrüdern ... und anderen beamten
hwb. d. staatswiss.2 7, 1014;
vgl. mnl. stoelbroeder Verwijs-Verdam 7, 2165;
nl. stoelbroeder
mitglied der deichbehörde van Dale
nl. wb. 2, 1717
a. 22)
seit dem 13.
jh. als feste bezeichnung einer art armer laienbrüder, die (
z. b. an domkirchen)
corporativ zusammengeschlossen waren, im genusse geistlicher stiftungen standen, fürbitte taten und z. t. auch niedere kirchendienste verrichteten; ihr verhältnis zu den panisten ist nicht recht deutlich, vgl. zs. d. hist. ver. f. Schwaben 35, 79
u. M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen 2, 185.
gelegentlich auftretendem stolbruder,
das auf lat. stola
den teil der priesterkleidung zurückgeführt wird (
vgl. Wackernagel
umdeutsch. 51),
aber eher junge anlehnung ist, steht in lat. urkk. die bezeichnung fratres sedium (
v. j. 1374)
mon. Boica 35, 169
gegenüber, dem in den frühesten zeugnissen stulbruder (
zu stuhl 7 a)
entspricht: Bertholdus et Heinricus, fratres de Striperch, resignant fratribus in Babenberg, qui stulbruder dicuntur, jus quoddam voitphenninge vulgariter nominatum (
v. j. 1275)
bei H. v. Lang
regesta 3 (1825) 465; pauperibus devotis, qui vulgariter dicuntur stulbrüder (
v. j. 1383)
bei Schmid
schwäb. wb. 519; dentur due lib. pro griseis tunicis que dentur pauperibus, qui dicunter stulbruder (14.
jh.)
mon. Boica 35, 157,
wo hinterher die canonici
genannt werden, mit denen die stuhlbrüder,
gegen Haltaus 1760,
nicht identisch sind; sie unterstehen dem stuhlbruderprobst: item, das die stulbruder niemant zu stulbruder uffzunemen ... haben, ... dan wene ein bischoff zu Spire oder ein stulbruderprobst installirn (
v. j. 1465)
bei Haltaus
a. a. o., wo weitere belege; in diser wuchen ist zum thuom ain stuolbruoder ... gestorben
städtechron. 23, 329; deszgleichen sol kainer (
zu den zünften) welen, der ain spitalpfrondner ist zum hailigen gaist ..., auch der kainer, die ir speisz darusz haben und nemen, auch kain stulbruder der stuele zu unser lieben frauen (
v. j. 1480)
in zs. d. hist. ver. f. Schwaben 39, 219; geschahe bald darnach, dasz der rat den alten brüdern in st. Antonius pfriend, die man ires stetigen betens halben die stulbrüder genennet E. Werlich
chron. (1595)
nach Birlinger
schwäb.-augsb. 414
b;
als mesznergehilfen verwendet: den stulbrüdern vors läuten ins amt 12 kr.
schusterakten ebda; vgl. stolbrueder
custodes templi voc. v. 1618
bei Schmeller-Fr. 2, 752. 33)
begrifflich ausgeweitet; überhaupt '
laienbruder, tertiarier': ein guot reiche man ..., der hett sich aller dinge zu gotz dienst geben und ein leben füret als der stülpruder gewonheit ist nach des heiligen Francischen orden Stainhöwel
decamerone 185
Keller; wie begharden, also '
laienconventicler': anno 1212 jar ... waren vil begeynen und stolbrüder vnder andern leuten im Elsasz Seb. Franck
Germ. chron. (
nov. 1538) 283
a,
wo wohl brüder vom freien geiste gemeint sind; hierher vielleicht auch: auch tet er ab ain orden, hieszen stuolbrüder, im jar 1316
städtechron. 4, 306;
anders, profaner bediensteter: er hat aber dennoch die pflege in versehung mit einem frommen edelmann seinem hauspfleger ..., desgleichen mit etlichen gereisigen knechten, stuhlbrüdern, wachter und thurner
nach e. urk. v. 1493
in baier. landtagshandl. 8, 197. —