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stühlen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stühlen vb.

Bd. 20, Sp. 350
stühlen, stuhlen, vb. , mhd. stüelen, ableitung von stuhl; 11) 'stühle, sitze bereiten, mit stühlen versehen, besetzen': uffen einen witen plan gestüelet wart do sunder wan nach küneclicher pflihte, wan da zuo gerihte der künic sitzen wolte Reinfr. v. Braunschweig 6604; mit mengem rilichem gulter was: gestlet uff dem palas Rudolf v. Ems Willehalm 13306; vgl. 6063; es ist zue der krœnung in dem munster zue Trier gestüelet worden in dem chor (v. j. 1470) bei J. Chmel monumenta Habsburgica 1, 48; dar wart gestolt erliche den edeln vrouwen riche Berthold v. Holle Crane 2031 Bartsch; hilf, daz uns dort obnan ho gestuolet werde schone, da du, frouwe, die crone neben dinem kinde treist Haupt u. Hoffmann altdtsche blätter 1, 83, 180; der (saal) was gestüelet über al Virginal 558, 5 Zupitza; gesidelt und gestullet, getzirt was das gesezze Peter Suchenwirt 25, 124 Primisser. in jüngerer zeit noch im sprichwort ungeladenen (ungebetenen) gästen ist nicht gestuhlet Kirchhofer schweiz. spr. (1824) 252; erweitert 'eine lagerstatt bereiten': verkaufe mir stroh, damit wir stuhlen auszer dem twing! J. v. Müller s. w. (1816) 22, 27; in specialisiertem gebrauch: stülen ein kirchen templum subselliis instruere, exornare Dentzler clavis (1716) 2, 280b; Aler (1727) 2, 1859a; in neueren lexicis nur noch als landschaftlich und veraltet aufgeführt, vgl. z. b. Fulda versuch 529, und das comp. bestuhlen, bestuhlung bei Sanders erg. 538b. 22) 'einen stuhl, einen platz einnehmen': sy dauchet ir schön hin wider und sazzent zu ainander nider in ain kemenaten, da sy gestulet hatten als man da sitzen solte Laszberg liedersaal 2, 645, 308; des morgens sasz der bischof von Colne deme konige zu der rechten hand unde as mit ime. der bischof von Trire hatte dar gein gestulet sächs. weltchron. 286, 15 Weiland (13. jh.); weiter zu stuhl 1 b bzw. 2 'eine sitzung abhalten'; so vom rat, vom gericht u. ä.: wann ... man zuo groszen räthen uf dem rathhauss stuolet, so gibt man ... stüblingsschréiber ... und bittel ainen quart wein stadtrecht von Überlingen (16. jh.) bei Fischer schwäb. wb. 5, 1909; morndes am mentag ist uber solichen erschrockenlichen hanndel, deszglichen wenig gehört, im richthuse underem hymel (sc. im hofe des rathauses) gestuolt und erkant worden Basler chron. 6, 337, 22; hierher wohl auch 'stühlen, einen flüchtigen mörder oder anderen übeltäter vor gericht fordern und über ihn blutgericht halten' (c. 1750-60) J. J. Spreng idiot. Raurac., in Alemannia 15, 222a; auch reflexiv sich stühlen: wann das wörtlein setz dich druckt ausz ain künigreich, wann thronus oder sedes haiszt ain stuol, daher kumpt sede, künig stül dich, sey ain künig, sitz auf dem künigstuol Luther 1, 691, 35 W.; vgl. zich stoelen zich neerzetten op eenen stoel de Bo westvlaamsch idiotikon 957b; freier 'sich niederlassen, niederlegen': unfletige sew, so sich in pfützen und unflat gewület und gestület haben werden Joh. Pomarius grosze postille (1590) 1, 180a. 33) 'auf einen stuhl setzen, erheben'; schon mhd.: gegeben an sant Peters dag, als er gestuolet wart Nicolaus v. Basel leben u. schriften 332 Schmidt; speciell das part. prät. gestuhlt, gestühlt, s. teil 4, 1, 4264, in der bedeutung 'mit einem chorstuhl versehen' z. b. von den stiftsdamen: da fragt sie (die äbtissin) der fürst und sprach, wie viel (sie) gestielter und chorfrawen het Pauli schimpf u. ernst 55 Österley; im Benedictiner frauenstifft Maasmünster für adeliche damen, darunter diejenigen, so noch nicht gestühlet sind, heraus heurahten dörfen M. Goldast d. heil.m. reichs satzungen (1609) 11, 1; vgl. das gegenteil entstuhlen entthronen bei Sanders erg. 538b. anders: die gestulten engel uff den got siczt throni voc. d. 15. jh. bei Diefenbach 599a. 44) 'zu stuhl gehen, stuhlgang haben': wan ein menschen alle zit duncket, er wöll stulen und wan er do hin kommet, so ist im so we, dasz er nit gestulen kan, sol man siden das krut P. de Crescentiis vom ackerbaw (1531) 105b; junckfraw Porte eylete und nam yhr nicht der weile, da sie stulen gieng, das sie einen wisch gemacht hette Agricola sprichwörter (1534) g 4b; darnach soltu ihm (dem kranken pferd) uff thuon den hindern und es reiten über berg und tal, wann es dann wol stuolet, so würt es geneszen erziehung, gebrauch, lernung, artznei aller thier (Straszburg 1530) 14b; weitere belege bei Schmeller-Fr. 2, 752. hieraus wohl im mitteldeutschen entwickelt die redensart den arsch stühlen den hintern ungebührlich oder einem zum hohn hervorstrecken (sc. wie beim stuhlgang) Vilmar kurhess. 405; Spiesz henneberg. idiot. 247; Hertel Thüring. 239; Regel Ruhlaer ma. 274. 55) einzelne sonderbedeutungen technischen charakters; schweizer. 'stuhlen, ein gemeindegut nach der zahl der kühe (d. i. nach der zahl der melkstühle, s. stuhl 5 sp. 338) schätzen, die es während einer bestimmten jahreszeit ernähren kann oder auch dasselbe nach diesem maszstabe besteuern' Stalder 2, 413. im nordwestlichen nd. sprachgebiete 'sich zum stuhl formen, den stuhl bilden' (vgl.stuhl 10 e sp. 345) vom entwickeln, ausreifen gewisser pflanzen, vgl. nl. Dijkstra friesch wb. 3, 211b; de Bo westvlaamsch idiot. 957b; ter Laan Groning. wb. 983; van Dale groot woordenb. 2, 1717a.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stühlenv., trs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ Stühlen , v. trs . mit Stühlen versehen, besetzen. Fulda. D. Stühlen .

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Cotta, M. (2026). „stuehlen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stuehlen/dwb
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Cotta, Marcel. „stuehlen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stuehlen/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „stuehlen". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stuehlen/dwb.
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