stühlein,
n. ,
deminutivform zu stuhl,
vor allem oberdeutsch, von anfang an überweigend in der form stüelin, stülin (1308) Nicolaus v. Basel 176
Schmidt; Eulensp. 24
ndr.; stiely Murner
schelmenzunft 29
ndr.; stüeli Hunziker
Aargau. 263; stühlein Rückert 3, 139; Hebel 2, 182; stüle Paracelsus
chir. (1618) 268
Huser; Maaler 393
d;
für 1739
bei Fischer
schwäb. 1907
a;
seltener als stülelein Stieler 2176; Kramer 2 (1702) 1024; stüelele Martin-Lienhart
elsäss. 2, 593; Schöpf
tir. 724; stuələl Schmeller-Fr.
bair. 2, 752; stihlele, stijel Follmann
lothr. 509; stilel Autenrieth
pfälz. 137; stüelle Schröer
Gottschee 220; stilla Ayrer 5, 3110
Keller; stüllein Hans Sachs 1, 437
Keller; stühllein
bei Fischer
schwäb. 5, 190.
seit dem 14.
jh. belegt, während stühlchen
erst im 16.
jh. auftaucht. 11)
ein kleiner zimmerstuhl; stülein, kleiner stul
sedra picciola Hulsius
dict. teutsch-ital. (1618) 2, 364
a;
oft wohl nur ein kleiner holzschemel ohne lehne, so bes. mundartlich, s. Martin-Lienhart 2, 593
a; Schöpf 724; Autenrieth 137:
die magdt meinet, es ein warm wasser wäre, ein styelin nam und sich mit den füszen in das ynschlit stelte Montanus
schwankbücher 43
lit. ver.; abhuckte sie (
die alte frau) den korb auf einem stühlein Rückert
w. 3, 139;
bildlich und redensartlich in gewissen verbalverbindungen mit verschiedenem sinne: der tod zuckt das stüllein (
in der überschrift) H. Sachs 1, 437, 1
Keller; es ist im der campast (
compasz) verruckt (
s. teil 5, 1684), sieht man ihm an sein gang; ihm hat einer das stilla zuckt Ayrer 5, 3110, 31
Keller; lasz ihn versuchen, wenn er nausz kumm, ob man ihn (
den faulen Jann) setz auff ein stülein
ebda 5, 2862, 20; stühllein machen
zusammengekauert im bett liegen Fischer
schwäb. 5, 1908
b; aufm stühlerl sitzen (
meist ironisch)
sogleich bereit sein v. Delling
beitr. z. e. bair. idiot. (1820) 2, 179; Schmeller-Fr. 2, 752; Schöpf
tirol. 724;
vereinzelt auch im allgemeineren sinne von '
plätzchen': sie (
das fräulein) sprach: sie wolt mich nit verlon, ich solt in irem herzen alzeit ein stuelein hann
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jhs. 26, 21
Kopp. 22)
in besonderer anwendung. sitz für den handwerker: und setzen die artzney auff ihren grundt, wie ein schuster sich auff sein stüle Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 268
Huser; als melkstühlchen Stalder 2, 413.
als sitz für die hinzurichtenden verbrecher oder als schandbank, vgl. die nachweise bei Birlinger 414
b u. Fischer
schwäb. 5, 1907: was sich nicht wol gelimpfen (
fügen) mag, das richt man auff ain stüeli O. v. Wolkenstein 113, 52
Schatz; so soltestu wol sitzen nider eyn mal an eyn ortly dar, do schelmen, buoben, lichte war sitzen und unwerde gest: eyn stiely bringen, wer das best, wen du nit geladen bist, oder dir monaye brist Murner
schelmenzunft 29, 14
ndr.; der heimlich durch will gau, muesz auf ein stüehli stau, den hängt man an den negsten zau, und kan kein
f.[urz] mehr lau K. Rattay
Ostracher liederhs. 31, 2; Georg Aichelin, ein burger und schneider allhier, nachdem er vor zehn jaren vorher das andermahl sich mit dem ehebruch der krummen Eiselin übersehen, auf das stüle gesetzt
urkunde v. j. 1701
in Alemannia 13, 272; a. 1739 sollten fünf mezgerbursche als nachtschwärmer auf das stüle (
schandbank) gestellt werden, sie wurden aber zu stringen (
schellwerken, fronen in ketten) verurteilt
urk. bei Birlinger
schwäb. 414
b; und einer (
von den richtern) überreichte ihm (
dem scharfrichter) sein schwert mit dem befehl, dieser person, die auf dem stühlein sasz, den kopf abzuhauen J. P. Hebel
w. 2, 182, 7
Behaghel. 33)
ein kinder- oder nachtstühlchen, vgl. kinderstülelein
seggietta da fanociullo Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1024
a: da ward sie (
die frau) gewar des under dem stülin lag (
sc. den kot)
Eulenspiegel 24
ndr.; sie ruckt das stülin auff die sag, da sah sie, was darunder lag und sprach: 'das hat dem kind gefehlt, der grosze dreck hat es gequelt' Fischart 2, 100
Hauffen; 44)
eine kleine bank Follmann
lothring. 509
b;
insbesondere als fuszbänkchen, scabellum stüle Maaler 393
d;
pedule, scabellum, id quod sub pedibus praestat utilitatem ein scabell oder stülin, das man under die füsz stellt Calepinus
undec. (1568) 1042
b; Hunziker
Aarg. 236; Fischer
schwäb. 5, 1907. 55)
ein kirchenstuhl: und zuo stunt, do er in (
Christus) enpfing, do ging er in sin beslossen stüelin und viel uffe sine kniu Nicolaus v. Basel
leben u. schriften 176
Schmidt. 66)
botanisch: stüeli
die frucht vom buxus sempervirens Hunziker
Aarg. 263;