stühlchen,
n. ,
deminutiv von stuhl,
sedecula stülichen Faber
thesaurus (1587) 735
a; stoelken Chyträus (1585) 396;
parva sedes Kilian (1605) 532
b;
in md. und nd. maa. weit verbreitet, oberd. dafür stühlein (
s. u.),
bemerkenswert hessisch stühlerchen,
plural mit dem suffix -chen,
vgl. Grimm
d. gr. 3, 680
anm.; Wilmanns
d. gr.2 2, 322
anm. 2: und kam zu den sternen, die waren ihm (
dem mädchen) gut und saszen alle jeder auf stühlerchen
kind.- u. hausm. (1812) 1, 111. 11)
ein kleiner zimmerstuhl; un placet, ein klein sthlchen, ein sessel,
sedicula Duez
nomenclat. (1652) 84; der (
ein junger mensch) aber erst auf einen wink der wirthin auf ein kleines stlgen neben mir sich setzte Hermes
Sophiens reise 1, 193; die zuschauer saszen unter freiem himmel, teils auf kleinen stühlchen ... H. Heine
w. 3, 261
E.; besonders der kleine stuhl der kinder: stühlchen,
ein kinderstuhl Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1912; stOelken
ein kinderstuhl Dähnert
pomm.-rügisch (1781) 463
b; štȳelšən
kinderstuhl Leihener
Cronenberger wb. (1908) 118
a: wenn es (
das kind) auf seinem stühlchen sasz, so machte es eine so ernsthafte mine als wie ein arzt J. J. Schwabe
belustigungen 4, 131; es pocht der königsohn als kind an kindespforten, ist auch an gottes thron dein schutz und hort geworden. er setzt dein stühlchen treu zu seines thrones füszen; ... Cl. Brentano
ges. schrift. (1852) 1, 510; inmitten jedes kreises sasz auf einem stühlchen ebenfalls ein unterrichtender schüler oder eine schülerin G. Keller
ges. w. 1, 90. 22)
in redensartlichen verbindungen wird nicht selten das deminutivum bevorzugt; so namentlich auf ein stühlchen setzen, jemandem ein stühlchen setzen
u. ähnl.; im sinne '
an die arbeit setzen, zur arbeit anhalten': die mutter Venus hat sie (
Naema) auff ein stülichen gesetzt im frawenzimmer Mathesius
Sarepta (1571) 10
a;
meist umgekehrt '
zur ruhe kommen lassen, ein angenehmes leben verschaffen': die tochter sol man nicht lassen auff ein stülichen sitzen und die finger spitzen, sondern sie zur arbeit halten Petri
d. Teutsch. weish. (1604) 2 r iv
r; freylich hat der son gottes seine groszmutter auch nit auff stülichen gesetzt und die ertzfrawen sind nicht auff rosen gangen Mathesius 2, 78
Lösche; auf kein stühlgen (
ruhestuhl) setzen die herrschaften das gesinde nicht
bei Müller-Fraur. 2, 583
b; eine magd aufs stühlgen zu setzen, ist eine lächerliche sache
eine magd musz sich keiner arbeit schämen ib. 2, 583
b;
ähnlich '
bequem machen': (
die ehefrau) prediget nicht uber die stund, man bringe ir dann ein stlchen Fischart
Garg. 110
ndr. ironisch: hingegen ist niemand den stadtwäschern gut, denen man überall ein stühlgen setzen musz Val. Herberger
erclärung des haus- u. zuchtbuchs Jesus Syrach (1739) 344
a. 33)
in besonderen verwendungen eignet dem deminutivum ein specialisierender charakter. 3@aa)
ein niedriger sitz für missetäter, eine schandbank, freier dann auch ein schandpfahl, pranger Schrader
deutsch-franz. wb. 2, 1333
a; Gangler
luxembg. 433;
wb. der luxemb. mundart 425
b; ön haod ob öm sdilshe gesäs
am pranger gestanden Christa
Trierer mund. 203
b;
in diesen bereich weisen redensarten wie: eenem een stöhlken setten
rendre mauvais office Richey
idiot. Hambg. (1755) 292;
einen in schaden u. verdrusz bringen Dähnert
pomm.-rüg. 463
b; eΧ wl d en šdilXən bəsedsən
ich will dir ein stühlchen besetzen, ich werde für deine bestrafung zu sorgen wissen Fr. Hofmann
niederhess. 235
a;
ähnlich gemeint: dasz wir uns an Zayrens leid, an Werners guter seel ergötzen, und nicht dem mann, der unser herz erfreut, für seine müh, aus dankbarkeit ein stülchen in der hölle setzen
F. W. Gotter
gedichte (1787) 1, 419.
der ammenstuhl, vgl. 'ammenstühlgen,
ein kleiner, niedriger und weich gepolsterter stuhl, worauf die ammen in den wochenstuben zu sitzen pflegen, wenn sie die kinder säugen' Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 61; (
die mütter) heysen sie (
die kinder) das stlchen zum dütten (
saugen) bringen Fischart
Gargantua 98
ndr.; (
von der säugamme) nicht immer auf den stlchen fletschen und faullentzen Ettner von Eiteritz
des getreuen Eckarths unvorsichtige hebamme (1715) 726.
nachtstuhl, vgl. scheiszstülchen Fischart
Gargantua 202
ndr.: noht brach bei im eisen, dasz kont er mit scheiszen beweisen, er verzett (
läszt fallen) es, eh ers zum stlchen bracht Fischart
Garg. 200
ndr.; wenn sie gut riechen, so hebt sie auf in eurem poetischen potpourrit, und wenn das gegentheil, so tragt sie in eures mädchens stühlchen Bürger
briefe 1, 364
Strodtmann; fürs erste erregte schon die grosze schwierigkeit, ein praktikables und zugleich zierliches modell zu einem gewissen stühlchen zu erfinden E. T. A. Hoffmann
s. w. 11, 105
Grisebach; vorwiegend vom nachtstuhl der kinder gebraucht Krünitz 177, 198;
mundartl. stöölke
chaise percée, nachtstühlchen für kleine kinder Stürenburg
ostfries. 266
a. 3@bb)
technisch: auf schiffen ein stab, der auf der sohlung der bramstenge steht, der trommelstock Bobrik 698
a;
im bergbau: ursprünglich hatte man (
bei der wagenförderung) hölzerne strassbäume als schienen, daraus entwickelten sich ... T-schienen in stühlchen Karmarsch-Heeren
techn. wb.3 1, 403;
die beiden hölzernen spitzen am kumt, die mit einem messingüberzug versehen sind F. Hofmann
niederhess. 235
a;
bestandteil des pfluges: vorn beim pfluge befindet sich die kraupen von eisen, unten legt sich an die axt und oben am kopf stülchen an Seb. Grüner
sitten und gebräuche der Egerländer (1901) 71.