strohkranz,
m. ,
aus stroh geflochtener kranz; sertum stramineum Stieler
stammb. (1691) 1042. 11)
als zeichen des tadels, der schande und entehrung, vgl.: der strokrantz ist ein zaichen desz auszlachens, desz verspottens, des verachtens Meichel
creutzschuel (1630) 11. 1@aa)
besonders für zügellose dirnen, aber auch für mädchen, die ihre jungfrauschaft vor der ehe verloren haben; den strohkrantz tragen
portar la ghirlanda di paglia (
pena ò affronto della sposa che và à ricever benedittione sacerdotale, havendo già conosciuto lo sposo) Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1015
b; öffentliche huren (
müssen) als eine straffe auf dem rücken ... grosse und mit flederwischen ausgesteckte strohkräntze auf dem kopfe tragen, wenn sie des landes verwiesen werden
Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1733; ehedem muszten geschwächte weibespersonen am tage ihrer hochzeit an statt des brautkranzes zum zeichen der verlohrnen ehre mit einem strohkranze erscheinen Adelung 4 (1780) 833;
s. auch strohbraut, strohbräutigam, strohhochzeit, strohjungfer: und stnd freilich mancher vermeinten scheinjungfraw ein strohkrantz besser an, als schnr und borten Artomedes
pred. (1604) 34; unsere herren von gerichten pflegen den unzchtigen metzen einen strohkrantz auffzusetzen, und lassen jhnen also zum thor hinaus paucken Herberger
hertzpostilla (1613) 1, 628; vorm kyrieleison z'opfer gau, ist bei der bursch nichts neüs, mit strohkränz vor die kirchen stau, ist schon ein alte speisz
Ostracher liederhs. 35
Rattay; o, es steht tausendmal schöner, mädchen, wenn ihr für eure gespielinnen braut- und lorbeerkränze schlingt, als wenn ihr ihnen strohkränze und halseisen dreht und krümmt Jean Paul
w. 11/14, 345
Hempel; doch als neun monde gingen stets müder durch den sand, den strohkranz sie ihr hingen ans haus ob ihrer schand' Brentano
ges. schr. (1852) 2, 371; ein mädchen, das spöttische gaukelspiele ... strohkränze usw. als die strafe seiner sünde ... voraussieht, musz fühlen, dasz ihm zu viel geschieht Pestalozzi
s. schr. (1819) 7, 376; das wort gottes hätte ihnen übel geschmeckt ohne mindestens ein liebespärchen mit strohkränzen vor dem altar und ohne verlesen geschärfter sittenmandate G. Keller
ges. w. (1889) 5, 183; nun stand es so mit ihr, dasz die rede umging, man müsse ihr einen strohkranz aufs haupt setzen und sie mit dieser zier am sonntag durch die kirche führen Rosegger
schr. (1895) I 2, 193. 1@bb)
seltener in der anwendung auf andere personen; als schandzeichen für verräter, narren u. dgl.: aber den Nicolaus ... Sture ... liesz er diese schmach anthun, dasz man ihn ... mit strohernen stiefeln, auch mit einem strohkrantz auf dem haupte, durch die stadt fhrte und als einen landverrAether ... ausschrie E. Francisci
traursaal (1681) 4, 14; es ist noch nicht lang, dasz einer, so sich vor einen poeten und reichsritter ausgegeben, allhier in Wien in einen gewissen caffehausz mit einem strohcranz gecrOenet worden, und sich selbsten als einen narren agiret Neiner
tändlemarckt (1734) 224; wenn ich sie am ende nicht noch alle ... wie räudige hunde ins wasser warf, um die menschheit von ihnen zu reinigen, so sollen sie mir die augen ausstechen, mir einen strohkranz aufsetzen und ich will im lande herumziehen Klinger
theater (1786) 4, 208.
gelegentlich auch als zeichen der impotenz (
vgl.strohmann 4): gar nichts anderes bleibe ihr zu vermuten übrig, als dasz der kranz, den er trage, ganz einfach der strohkranz der unfähigkeit sei Th. Mann
ges. w. (1955) 4, 543.
als erziehungsmittel: strohcrantz
ist ein von stroh rund-ausgewölbter und mit allerhand bunten fleckgen und schellen behengter crantz, den die kleinen jungfern in den nehr- oder anderen lernschulen zur straffe und schimpff auffsetzen müssen, wenn sie in ihrem thun faul und nachläszig gewesen Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 1915; er vertheilt an die fleiszigen schüler werthvolle bücher, an die trägen strohkränze, die ihnen in Leipzig bei einem öffentlichen actus ... feierlich überreicht zu werden pflegten Gutzkow
d. paumgärtner v. Hohenschwangau (1880) 1, 33.
als scherzhafte neckerei: sie setzte ihm (
dem ungeschickten jäger) heimlich einen strohkranz auf, sie band ihm einen gänseflügel vor den flintenlauf Storm
s. w. (1900) 1, 182;
bildlich für '
tadel, vorwurf': das musz man lassen wie es ist, wenigstens ich möchte mir nicht den strohkranz eines Ballhorn daran verdienen (1873) G. Keller
br. u. tageb. 3, 57
Ermat. 22)
ohne abschätzigen nebensinn als scherzhaft-frivoles hochzeitsgeschenk (
anknüpfend an 1 a),
vgl.'bey einer jeden feyerlichen hochzeit pfleget der neuvermählten jungen frau den andern hochzeitstag ein strohkranz überreicht zu werden, welches von dem strohkranzredner (
s. u.) mit einer scherzhaften strohkranzrede (
s. u.) geschiehet' Adelung 4 (1780) 834: von hertzen liebe braut, hier bring ich ihn gebracht, ... nimm diesen strohkrantz an, den dir dein bruder bringet, und deiner jungferschafft damit zu grabe singet Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 446; nein, des andern tages fingen sie allererst an ihre grösseste gefälligkeit gegen die braut zu bezeigen, dazu gab ihnen die alberne gewohnheit des strohkrantzes anlasz Gottsched
vern. tadlerinnen (1725) 1, 239. —
hierzu die zss. strohkranzrede, f.: strohkrantzrede, bey der A. und B. hochzeit in Dreszden 1730 (
titel) Henrici
ged. 3 (1732) 446; strohkrantzreden sind bey adelichen und vornehmen beylagern annoch in gebrauch Zedler
univ.-lex. 40 (1744) 1021; noch hatte der gute herr v. W. zwey reden auf dem herzen. die begleitungsrede ins schlafgemach und die strohkranzrede Hippel
lebensläufe (1778) 3, 2, 539; hielte mit vergnügen dem guten klassischen paare die traurede und darauf die strohkranzrede Jean Paul
w. 45/47, 286
Hempel. —