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stöszer

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stöszer m.

Bd. 19, Sp. 548
stöszer (stoszer)m. , zu stoszen verb. in älterer sprache ohne umlaut und so als versteinerung noch vereinzelt in der technischen sprache der gegenwart; ma. so sächs. stieszer Müller-Fraureuth 2, 570a. 11) von personen. 1@aa) entsprechend stoszen verb. I 1: ein stöszer, der ein stöszt oder pfetzt und sich flux umwendt und stellte als hab ers nit gethan Alberus (1540) k k 2a; hierher wohl auch der stirner und stoszer als gaukler, auch in der zusammensetzung stirnstoszer Matthias von Kemnat bei Schm. 22, 786. auch der durch stoszen etwas von der stelle bewegt, so erzgeb. huntstiezer bergmann, der den hunt schiebt (beitr. zur böhm. volksk. 10, 190 Hauffen) zweifelhaft, ob damit gleichbedeutend: (zwistigkeiten zwischen) dem rate und gemain ... und auch stöszern, seutern und hertern Lori bergrecht 35 (v. j. 1452) vgl. Veith 470. entsprechend stoszen verb. I 6 a 'feststampfen': in den salinen ein arbeiter, welcher das salz in die kufen stöszt Muspratt chemie 6, 662, s. auch salzstöszer th. 8 sp. 1723 und Schm. 22, 791, dazu öster. weisth. 1, 89; als besondere salinenbeamte geschworne stoszer in einer bairischen replik wider Salzburg Schm. a. a. o. 1@bb) entsprechend stoszen verb. l 6 d; insbesondere berufsmäszig, so ein (untergeordneter) arbeiter in der apotheke, der arzneistoffe im mörser zerkleinert: der mensch ... wäre in manchen unsrer bessern apotheken kaum zum stöszer brauchbar erfunden worden G. H. v. Schubert erzählungen 1, 251 (Jean Paul 27, 169 Hempel; Gotthelf schr. 9, 110); tadelnswerth, eine wichtige arbeit in der apotheke stöszern zu überlassen Liebig handbuch (1843) 155; auch der gewürzstoszer, brasilstoszer (von brasilholz und von schnupftabak [bair. brasil]) neben einfachem stöszer Kramer dict. 2 (1702), 987c; Ludwig (1716) 1883: in den unterbauten der häuser stehen mit aufgekrämpten armen die stöszer vor groszen eisernen mörsern und stampfen schwefel und pfeffer und hundert gewürze, ein lärm, ein geruch, wie bei den theriakstöszlern auf dem Rialto in Venedig Gutzkow w. 7, 168; hierher auch (bairisch) salzstoszer, der zum verkauf des salzes im kleinen berechtigt ist (daneben auch wenige andere artikel führen darf) Schm. 22, 791, vgl. als eine erklärungsmöglichkeit stosz, m. (sp. 475 unter II 3), doch vielleicht auch mit rücksicht auf das zerstoszen des steinsalzförmigen scheibstoszes oder scheibsalzes (th. 8 sp. 2396) für die zwecke des kleinverkaufs. 1@cc) entsprechend stoszen II 11 a von einem, der stoszend geht, so von einer altersschwachen person hê is'n stöter Doornkaat Koolman 3, 330b, auch 't is so'n olden stöter ebenda, oder 'der umstöszt'? vgl. auch westpreusz. er stöszt sich so herum 'er ist zum arbeiten zu alt u. ä.' mitteilung aus Westpreuszen. 1@dd) aus 2 a schöpft die hennebergische schelte stöszer für einen hitzigen, kurz angebundenen menschen Spiesz (1881) 245 unter zugrundelegung des bildes vom störrigen ochsen oder widder, vgl. seht da! ruft ein schwarm junger stöszer, die der ganzen welt den sturm ankündigten, seht da, noch viele alte mit ganzen hörnern (man musz sie sich also nicht ablaufen)! vernunft, thoren, rufe euch zurück, beispiel blende euch nicht; es giebt schwache und starke hörner, und harte und weiche steine portraits (Lpz. 1779) 159. 22) von thieren. 2@aa) so von hörnerbewehrten; entsprechend stoszen verb. I 1 c, mhd. stoszere cornupeta Diefenbach gloss. 152b. übertragen auch stoszer, eine andere bezeichnung für den hydraulischen widder (s. u.) Hoyer-Kreuter 1, 738. auch drehkranke schafe, die im drehen stoszen, stöszer Campe. entsprechend stoszen verb. I 1 a α als volksthümlich-mythische vorstellung einen stöszer haben (scherzhaft) von einem, der zu viel getrunken hat (sächs. an stieszer han Müller-Fraureuth 2, 57a). ein geheimniszvolles thier, das den trunkenen von der stelle und bald hier, bald dorthin stöszt (doch möglich auch mit rücksicht auf die im körper aufstoszenden alkoholgase). 2@bb) wohl mit rücksicht auf den thierischen geschlechtsact stöszer, der springhengst, auch der bulle Krünitz 174, 646, admissarius Frisch 2, 341b. 2@cc) entsprechend stoszen verb. II 2, wie unten das allgemeine stoszvogel s. u., vgl. Suolahti 364, insbesondere name des sperbers, astur nisus, accipiter nisus L. stieszer in Sachsen zs. f. d. phil. 21, 207, stöszer in Steiermark Unger - Khull 144; 245; 581; auch 'falco subbuteo L.' Naumann vögel 1, 296; aber gleich scharfklauichten, krummgeschnabelten falken, welche von dem gebirg herstürmend auf fliegende vögel schieszen, sie flattern voll angst aus den wolken herab auf die felder, doch die verfolgenden stöszer ereilen sie würgend Vosz Odyssee 22, 305. als name des habichts 'astur palumbarius L.' (in Sachsen, z. f. d. phil. 21, 207; Schlesien, mitteil. der schles. gesellsch. f. volkskunde 19, 86), so schon stoszer im Straszburger vogelb. (Suolahti 361); stöszer falco milvus L. Naumann vögel 1, 333 (s. auch unten stoszgeier); einer der kühnsten stöszer ... der gehäubte habichtsadler (aquila fasciata) Brehm 1, 134 Pechuel-Lösche. im einzelnen nach ihrer lieblingsbeute unterschieden als entenstöszer aquila anataria Corvinus fons latin. (1641) 54, Frisch 2, 341b; hasenstoszer Kramer dict. 2 (1702), 988a; taubenstöszer u. s. w. ohne genauere zoologische unterscheidung in den belegen: der lieblingsvogel Jupiters jagt auf hasen und junge rehe, und andre muthige stöszer haschen sich vögel zur nahrung Bode Montaigne 3, 577; des abends spät dann kommen sie (die tauben) wieder, fremde habn sie mitgebracht, o da kehren sie bei mir ein, ob sie könnten sicher, ob sie könnten sicher vor dem stöszer sein Mittler volkslieder 602, 3; vergleichsweise: der haushahn ... wagt keinen flug über die niedere bleichwand, denn er ist zu verzagt, auf seine fittige sich zu verlassen, wie der emporschwebende stöszer Musäus volksmärchen 4, 104 (Raupach dram. w. kom. gatt. 4, 212). sprichwörtlich zum ausdruck des gegentheiligen, so bei Lessing: Apollo könne kein weibsbild leiden. schon der geruch davon wäre ihm zuwider, er fliehe davor, wie der stöszer vor den tauben 1, 312 M. der vergleich auch sonst auf menschliche zustände, äuszerungen u. s. w. bezogen: nunmehr holte ich das erste mal aus freier brust athem, nachdem ich drei stunden, wie eine taube, die den stöszer sieht, mich nicht geregt hatte Gellert w. 4, 82; wie stöszer, vom sturme getrieben, taumelten meine worte, und mir ging die empfindung ganz verloren, was zu verschweigen und was zu bekennen sei Stehr drei nächte 300; manchen seufzer vor dem crucifixe (sieht man) wie die taube vor dem stöszer fliehn Schiller 1, 192. bildlich übertragen auf einen überlegenen gegner: die Türken werden auch ihren stoszer finden, sol die welt lenger stehen Luther 19, 360 Weim.; ein mägdgen, das flicke, behängt sich mit freyern, da hat nun ein liebster nicht lange zu leyern, sonst flieget ein stöszer in eben das haus und nimmet dem andern das vogelnest aus Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 432. 33) als geräth. 3@aa) werkzeugartig zum zerstampfen, zerkleinern (entsprechend stoszen verb. I 6), s. auch oben stöszel m.: stöszer vel visell pistillum Diefenbach gloss. 438b (gemma gemmarum v. j. 1507). stöszer trusor (stoszer im Straszburger voc. von 1515) gloss. 600a; der stempel oder stöszer pistillum Alberus (1540) 10a; bisweilen noch ohne umlaut stoszer stibulum Diefenbach gloss. 552b; stoszer tritor 598a; ein stoszer pistillum Orsaeus (1623) 184; ndd. stoter tudes, gloss. 601a; thuo sie (die seife) in einen warmen mörser und gewärmpten stöszer Ryff confectbuch (1548) 303a (brüder Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 63; Ratzel völkerkunde 2, 418); auch in der zusammensetzung krautstöszer (th. 5 sp. 2124). besonders in der apotheke: fasset in eil drinnen (in dem apothekerladen) ein klein mörserlein sampt dem stöszer Kirchhof wendunmuth 2, 450; eine lange reye apothekergesindlein mit klingelsteinen, mörsern, stöszern Moscherosch gesichte (1650) 1, 169; deshalb auch in der zusammensetzung klingelstöszer (Martin - Lienhart 2, 618a), die mörserkeule für den klingelstein, einen apothekermörser, der beim stoszen erklingt (th. 5 sp. 1179). bildlich: vierzehn tage lang sprachen die pariser blätter ... von meiner ankunft. sie brauchten mich natürlich blos als farbmaterial und zerrieben mich servil mit dem stöszer, oder kochten mich liberal sanft auf, aber man sprach doch von mir Börne schr. 8, 75. 3@bb) zum feststampfen, so beim deichbau: stöszer eine starke keule an langem stiel zum feststampfen der lettenmassen Krünitz 174, 647; im bergbau der stöszer, ein rundes holz, die asche im teste (einer eisernen schüssel) fest zu stoszen Campe; im geschütz die ladung: feldstück auf ihren schäften mit aller zubehör, als ladschaufeln, stöszern, londten und winden de Bry archelei (1614) 47; (schiffsbau) ein groszer hammer zum festtreiben von bandeisen, ringen u. s. w. Hoyer - Kreuter 1, 739; stöszer als stampfgeräth in der formerei (ebenda). 3@cc) wohl in anlehnung an 2 b in ndd. fischersprache stöter schwimmende stange mit einem fähnchen zur bezeichnung der stellen, wo netze versenkt liegen Schumann 38.
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    stöszerm.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stoeszer

5 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von stoeszer

stosz + -er

stoeszer leitet sich vom Lemma stosz ab mit Suffix -er, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von stoeszer 2 Komponenten

stos+zer

stoeszer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stoeszer‑ als Erstglied (5 von 5)

stöszerich

DWB

stosz·erich

stöszerich , m. , wie oben stöszer 2 c, im sächsischen Müller-Fraureuth 2, 570 , wohl unter dem einflusz von entsprechenden vogelnamen wie e…

stöszerin

DWB

stosz·erin

stöszerin , f. , zu stöszer m. 1 Schwan (1783) 2, 727 b ; Campe.

stöszerlein

DWB

stoeszer·lein

stöszerlein , n. , wohl in dem sinne wie unter stoszgebet, stoszseufzer, doch vgl. auch stoszen verb. I 1 c β ( sp. 491); die beweglichste m…

stöszervogel

DWB

stoeszer·vogel

stöszervogel , m. , nicht eine zoologische zusammenfassung oben der gruppe stöszer 2 c ( dafür unten stoszvogel), sondern volksthümliche ben…