stöszer (stoszer)m. ,
zu stoszen
verb. in älterer sprache ohne umlaut und so als versteinerung noch vereinzelt in der technischen sprache der gegenwart; ma. so sächs. stieszer Müller-Fraureuth 2, 570
a. 11)
von personen. 1@aa)
entsprechend stoszen
verb. I 1: ein stöszer, der ein stöszt oder pfetzt und sich flux umwendt und stellte als hab ers nit gethan Alberus (1540) k k 2
a;
hierher wohl auch der stirner und stoszer
als gaukler, auch in der zusammensetzung stirnstoszer Matthias von Kemnat
bei Schm.
22, 786.
auch der durch stoszen
etwas von der stelle bewegt, so erzgeb. huntstiezer
bergmann, der den hunt schiebt (
beitr. zur böhm. volksk. 10, 190
Hauffen)
zweifelhaft, ob damit gleichbedeutend: (
zwistigkeiten zwischen) dem rate und gemain ... und auch stöszern, seutern und hertern Lori
bergrecht 35 (
v. j. 1452)
vgl. Veith 470.
entsprechend stoszen
verb. I 6
a '
feststampfen'
: in den salinen ein arbeiter, welcher das salz in die kufen stöszt Muspratt
chemie 6, 662,
s. auch salzstöszer
th. 8
sp. 1723
und Schm.
22, 791,
dazu öster. weisth. 1, 89;
als besondere salinenbeamte geschworne stoszer
in einer bairischen replik wider Salzburg Schm.
a. a. o. 1@bb)
entsprechend stoszen
verb. l 6
d; insbesondere berufsmäszig, so ein (
untergeordneter)
arbeiter in der apotheke, der arzneistoffe im mörser zerkleinert: der mensch ... wäre in manchen unsrer bessern apotheken kaum zum stöszer brauchbar erfunden worden G. H. v. Schubert
erzählungen 1, 251 (Jean Paul 27, 169
Hempel; Gotthelf
schr. 9, 110);
tadelnswerth, eine wichtige arbeit
in der apotheke stöszern zu überlassen Liebig
handbuch (1843) 155;
auch der gewürzstoszer, brasilstoszer (
von brasilholz und von schnupftabak [
bair. brasil])
neben einfachem stöszer Kramer
dict. 2 (1702), 987
c; Ludwig (1716) 1883: in den unterbauten der häuser stehen mit aufgekrämpten armen die stöszer vor groszen eisernen mörsern und stampfen schwefel und pfeffer und hundert gewürze, ein lärm, ein geruch, wie bei den theriakstöszlern auf dem Rialto in Venedig Gutzkow
w. 7, 168;
hierher auch (
bairisch) salzstoszer,
der zum verkauf des salzes im kleinen berechtigt ist (
daneben auch wenige andere artikel führen darf) Schm.
22, 791,
vgl. als eine erklärungsmöglichkeit stosz,
m. (
sp. 475
unter II 3),
doch vielleicht auch mit rücksicht auf das zerstoszen
des steinsalzförmigen scheibstoszes
oder scheibsalzes (
th. 8
sp. 2396)
für die zwecke des kleinverkaufs. 1@cc)
entsprechend stoszen II 11
a von einem, der stoszend
geht, so von einer altersschwachen person hê is'n stöter Doornkaat Koolman 3, 330
b,
auch 't is so'n olden stöter
ebenda, oder '
der umstöszt'
? vgl. auch westpreusz. er stöszt sich so herum '
er ist zum arbeiten zu alt u. ä.'
mitteilung aus Westpreuszen. 1@dd)
aus 2
a schöpft die hennebergische schelte stöszer
für einen hitzigen, kurz angebundenen menschen Spiesz (1881) 245
unter zugrundelegung des bildes vom störrigen ochsen oder widder, vgl. seht da! ruft ein schwarm junger stöszer, die der ganzen welt den sturm ankündigten, seht da, noch viele alte mit ganzen hörnern (man musz sie sich also nicht ablaufen)! vernunft, thoren, rufe euch zurück, beispiel blende euch nicht; es giebt schwache und starke hörner, und harte und weiche steine
portraits (
Lpz. 1779) 159. 22)
von thieren. 2@aa)
so von hörnerbewehrten; entsprechend stoszen
verb. I 1
c, mhd. stoszere
cornupeta Diefenbach
gloss. 152
b.
übertragen auch stoszer,
eine andere bezeichnung für den hydraulischen widder (
s. u.) Hoyer-Kreuter 1, 738.
auch drehkranke schafe, die im drehen stoszen, stöszer Campe.
entsprechend stoszen
verb. I 1
a α als volksthümlich-mythische vorstellung einen stöszer haben (
scherzhaft)
von einem, der zu viel getrunken hat (
sächs. an stieszer han Müller-Fraureuth 2, 57
a).
ein geheimniszvolles thier, das den trunkenen von der stelle und bald hier, bald dorthin stöszt (
doch möglich auch mit rücksicht auf die im körper aufstoszenden
alkoholgase). 2@bb)
wohl mit rücksicht auf den thierischen geschlechtsact stöszer,
der springhengst, auch der bulle Krünitz 174, 646,
admissarius Frisch 2, 341
b. 2@cc)
entsprechend stoszen
verb. II 2,
wie unten das allgemeine stoszvogel
s. u., vgl. Suolahti 364,
insbesondere name des sperbers, astur nisus, accipiter nisus L. stieszer
in Sachsen zs. f. d. phil. 21, 207, stöszer
in Steiermark Unger - Khull 144; 245; 581;
auch '
falco subbuteo L.' Naumann
vögel 1, 296; aber gleich scharfklauichten, krummgeschnabelten falken, welche von dem gebirg herstürmend auf fliegende vögel schieszen, sie flattern voll angst aus den wolken herab auf die felder, doch die verfolgenden stöszer ereilen sie würgend Vosz
Odyssee 22, 305.
als name des habichts '
astur palumbarius L.' (
in Sachsen, z. f. d. phil. 21, 207;
Schlesien, mitteil. der schles. gesellsch. f. volkskunde 19, 86),
so schon stoszer
im Straszburger vogelb. (Suolahti 361); stöszer
falco milvus L. Naumann
vögel 1, 333 (
s. auch unten stoszgeier); einer der kühnsten stöszer ... der gehäubte habichtsadler (
aquila fasciata) Brehm 1, 134
Pechuel-Lösche. im einzelnen nach ihrer lieblingsbeute unterschieden als entenstöszer
aquila anataria Corvinus
fons latin. (1641) 54, Frisch 2, 341
b; hasenstoszer Kramer
dict. 2 (1702), 988
a; taubenstöszer
u. s. w. ohne genauere zoologische unterscheidung in den belegen: der lieblingsvogel Jupiters jagt auf hasen und junge rehe, und andre muthige stöszer haschen sich vögel zur nahrung Bode
Montaigne 3, 577; des abends spät dann kommen sie (
die tauben) wieder, fremde habn sie mitgebracht, o da kehren sie bei mir ein, ob sie könnten sicher, ob sie könnten sicher vor dem stöszer sein Mittler
volkslieder 602, 3;
vergleichsweise: der haushahn ... wagt keinen flug über die niedere bleichwand, denn er ist zu verzagt, auf seine fittige sich zu verlassen, wie der emporschwebende stöszer Musäus
volksmärchen 4, 104 (Raupach
dram. w. kom. gatt. 4, 212).
sprichwörtlich zum ausdruck des gegentheiligen, so bei Lessing: Apollo könne kein weibsbild leiden. schon der geruch davon wäre ihm zuwider, er fliehe davor, wie der stöszer vor den tauben 1, 312
M. der vergleich auch sonst auf menschliche zustände, äuszerungen u. s. w. bezogen: nunmehr holte ich das erste mal aus freier brust athem, nachdem ich drei stunden, wie eine taube, die den stöszer sieht, mich nicht geregt hatte Gellert
w. 4, 82; wie stöszer, vom sturme getrieben, taumelten meine worte, und mir ging die empfindung ganz verloren, was zu verschweigen und was zu bekennen sei Stehr
drei nächte 300; manchen seufzer vor dem crucifixe (
sieht man) wie die taube vor dem stöszer fliehn Schiller 1, 192.
bildlich übertragen auf einen überlegenen gegner: die Türken werden auch ihren stoszer finden, sol die welt lenger stehen Luther 19, 360
Weim.; ein mägdgen, das flicke, behängt sich mit freyern, da hat nun ein liebster nicht lange zu leyern, sonst flieget ein stöszer in eben das haus und nimmet dem andern das vogelnest aus Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 432. 33)
als geräth. 3@aa)
werkzeugartig zum zerstampfen, zerkleinern (
entsprechend stoszen
verb. I 6),
s. auch oben stöszel
m.: stöszer
vel visell
pistillum Diefenbach
gloss. 438
b (
gemma gemmarum v. j. 1507). stöszer
trusor (stoszer
im Straszburger voc. von 1515)
gloss. 600
a; der stempel oder stöszer
pistillum Alberus (1540) 10
a;
bisweilen noch ohne umlaut stoszer
stibulum Diefenbach
gloss. 552
b; stoszer
tritor 598
a; ein stoszer
pistillum Orsaeus (1623) 184;
ndd. stoter
tudes, gloss. 601
a; thuo sie (
die seife) in einen warmen mörser und gewärmpten stöszer Ryff
confectbuch (1548) 303
a (brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 2, 63; Ratzel
völkerkunde 2, 418);
auch in der zusammensetzung krautstöszer (
th. 5
sp. 2124).
besonders in der apotheke: fasset in eil drinnen (
in dem apothekerladen) ein klein mörserlein sampt dem stöszer Kirchhof
wendunmuth 2, 450; eine lange reye apothekergesindlein mit klingelsteinen, mörsern, stöszern Moscherosch
gesichte (1650) 1, 169;
deshalb auch in der zusammensetzung klingelstöszer (Martin - Lienhart 2, 618
a),
die mörserkeule für den klingelstein,
einen apothekermörser, der beim stoszen
erklingt (
th. 5
sp. 1179).
bildlich: vierzehn tage lang sprachen die pariser blätter ... von meiner ankunft. sie brauchten mich natürlich blos als farbmaterial und zerrieben mich servil mit dem stöszer, oder kochten mich liberal sanft auf, aber man sprach doch von mir Börne
schr. 8, 75. 3@bb)
zum feststampfen, so beim deichbau: stöszer
eine starke keule an langem stiel zum feststampfen der lettenmassen Krünitz 174, 647;
im bergbau der stöszer,
ein rundes holz, die asche im teste (
einer eisernen schüssel)
fest zu stoszen Campe;
im geschütz die ladung: feldstück auf ihren schäften mit aller zubehör, als ladschaufeln, stöszern, londten und winden de Bry
archelei (1614) 47; (
schiffsbau)
ein groszer hammer zum festtreiben von bandeisen, ringen u. s. w. Hoyer - Kreuter 1, 739; stöszer
als stampfgeräth in der formerei (
ebenda). 3@cc)
wohl in anlehnung an 2
b in ndd. fischersprache stöter
schwimmende stange mit einem fähnchen zur bezeichnung der stellen, wo netze versenkt liegen Schumann 38.