stöpke,
m. (
im umkreis der niederen mythologie)
name eines kobolds, der seinen ausgang aus niederdeutschem gebiet nimmt; ursprünglich entsprechend stöppel 2 (
hochd. stöpfel) '
kleiner kurzer kerl',
so noch als kosende schelte du stebje!
in Berlin (
mündlich von Max Verworn),
vielleicht aber schon wieder verblaszt aus der mythischen figur. Jac. Grimm
dachte myth. 956
zweifelnd an die herleitung vom deminut. Stephanchen,
eine vermuthung, die, besonders vom patronat des heil. Stephan über die pferde aus geurtheilt, den übergang Stöpkes
in die natur des wilden jägers (
so im Solling)
erklären würde; bemerkenswerth ist auch, dasz der heil. Stephan
als patron des bisthums Halberstadt damit zugleich auch das wahrscheinliche ausgangsgebiet des Stöpke
glaubens beherrscht; an den als attribut steine tragenden heiligen erinnert auch der alterthümliche fetischismus jenes müllers aus Immenrode, der Steppchen
in gestalt von sieben feuersteinen in einem leinenen sack trug (
zeitschr. d. ver. f. volksk. 12, 66).
doch die lautlichen schwierigkeiten (Stephan
entspricht ndd. Steffen)
lassen nicht mehr als eine begriffliche beeinflussung vermuthen. nieders. götting.-grubenh. Stöpke
und Stepke,
nordthür. Steppchen (
zeitschr. d. ver. f. volksk. 12, 66),
so auch in der gaunersprache stepche, stepchen (
myth.4 2, 838),
obersächs. Stepgen, Stöpgen,
in der Maingegend Stebchen, Stäbchen (
ebenda).
neuen sinn füllt in das verblassende wort badisch Steuble
ebenda (
ursprünglich wohl die sternschnuppe, wie auch nach südhannoverschem glauben beim fall einer sternschnuppe Stöpke
durch den schornstein zu einer hexe ins haus fährt Schambach-Müller
nieders. sag. 182
anm.; deshalb auch sein anderer name glûswanz, füerdrâke,
weil er mit feurigem schweif durch die luft kommt und seinen freunden geschenke durch den schornstein zubringt 163).
sonst besteht aber für unser wort kein sprachlicher zusammenhang mit staub (
s. auch th. 10, 2
sp. 1069
unter I 1).
schön aber paszt zur obigen zusammenstellung von Stöpke
mit stöpfel (
m.)
die thüringische nebenform seines namens Stöpfel (
myth.4 2, 838),
und man wird von hier aus mit einiger wahrscheinlichkeit aus der sippe 1stopfen,
verb., etwa in dem begriff '
einem etwas in den sack stopfen,
ihn bereichern'
weitere vertiefung für seinen koboldcharakter suchen dürfen; doch auch der gedanke an den stöpsel
einer flasche (
wie die herabfallende sternschnuppe für den beschauer einem stöpsel
gleich in den schornstein eines hauses zu fahren scheint)
mag daneben mit recht erwogen werden. nordthür. heiszt es von einem, der unerklärlich reich wird: dem hats Steppchen gebracht R. Reichhardt in der
zeitschr. d. ver. f. volksk. 12, 66;
ein theil seines kostüms erscheint ebenda in der neckerei der kinder: Steppchen mit deinem roten käppchen, was macht denn deine gans? —
er nimmt dann auch züge aus anderen naturdämonischen kreisen an; so heiszt es in Denkershausen bei Northeim: dat hat Stöpke langet,
wenn ein wirbelwind das heu in die höhe nimmt; in Knutbühren bei Göttingen geht Stöpke
durch die felder, wenn starkes schneetreiben ist, und wird zuletzt überhaupt zu einer bezeichnung des teufels, so in der übersetzung eines norwegischen märchens vom geprellten teufel: 'in der weihnachtsnacht kommt stets der gottseibeiuns leibhaftig hier ins haus.' das hätte keine noth, meinte der reisende; ... es dauerte aber nur kurze zeit, so erbebten die mauern und Stöpke kam angeflogen
κρυπταδια 1, 298.
ansatz dazu liegt schon in der nordthüring. redensart den hat Steppchen auf den kopf geschlagen
von einem, der sich erhängt hat R. Reichhardt
a. a. o. in Wibbecke im Solling ist Stöpke
der oberste hexenmeister; er hat immer mehrere frauen im dorf, welche ihm unterthan sind.