stehauf,
m. 11)
bezeichnung eines spielzeugs, '
ein ding, welches wieder aufstehet, auf seinen fusz oder sein unteres mit blei versehenes ende zu stehen kömmt, wenn man es auf die seite legt oder auf den kopf stellt. besonders legt man diesen namen dergleichen kleinen stücken holundermark etc. bei, welchen man die gestalt eines männchens gegeben oder ein gesicht angemahlt hat, und welche man auch wol stehmännchen, wippermännchen
nennt' Campe;
ähnlich Heinsius
wb. der d. spr. (1818) 4, 765
b (
auch kobold); 'stehauf
m., stehaufmännchen,
n. ein länglich rundes stückchen weichen holzes oder fliedermarkes, mit einem gesicht bemalt und mit etwas blei, einem nagel oder pechkügelchen oben versehen. wenn es die kinder aufrichten, so stellt es sich immer wieder wie ein purzelmännchen auf den kopf ... nd. wippermänneken,
schwäb. stehauferle' Hoffmann v. Fallersleben
in Wagners
archiv 1, 276;
so auch mundartlich, berl. stehuf Hans Meyer
d. richtige Berliner6 118
b;
in Posen der sti-uff Bernd 294
f. (
erklärung wie bei Campe); '
auch die (
aus böhm. bädern oft mitgebrachten)
gläser, die sich von selbst aufrichten, heiszen stehauf' Albrecht
Leipz. mundart 216
b.
im plural: solche kerls, wie mein schwiegersohn, fallen immer wie die stehaufs und die katzen auf die beine, man mag sie auch herum werfen, wie man will Tieck 15, 65 (
Pet. Lebr. 2, 8). —
so übertragen: 'ach', sagte der bärnhäuter, ... 'es ist mir nur eine verfluchte arbeit, so einem kleinen stehauf, wie du bist, auf der welt zu dienen ...' — 'ei was', sagte der allraun, und kam unter dem rocke der alten hervor, 'ich bin nicht eben zu klein, aber du bist zu grosz' Arnim 1, 56.
dafür auch: 1@aa)
deminutivbildungen, bes. stehaufchen, n., so in Augsburg, korkmännlein Birlinger 410
b (
schwäb. auch stehauferle,
s. oben);
thür., s. Hertel
sprachsch. 234
a;
in Leipzig auch entstellt zu '
stehäffchen, stehaufchen, stehuff, das,
spielzeug; hollunderröhrchen, an einem ende mit blei beschwert, so dasz es sich von selbst aufrichtet',
auch stehmännchen
und anderswo puttermännchen, kögelmännchen
genannt Albrecht 216
b.
auch in der schriftsprache: und dieses ist freylich nur ein vorzug solcher kleiner, niedlicher, witziger und freyer werkchen, wo die materien überall am rechten orte stehen, eben so wie die stehaufchen, diese zum zeitvertreib der kinder erfundenen nützlichen werkzeuge Lessing 4, 271
Lachmann-Muncker; ich sende sie (
die präsente) doch erst von Muskau aus, nämlich eine schlange, die sehr schöne ringe macht, und ein stehaufchen Pückler
briefw. u. tageb. 7, 169. 1@bb)
die weitere zusammensetzung stehaufmann, übertragen: diese figuranten und stehaufmänner, deren jeder staat bedarf, bleiben es nicht immer, sie bekommen nur zu oft eigenes leben und eignen willen, und rebelliren dann gegen die, welche ihre schöpfer waren (
vorher: welch ein süszes gefühl, so manche vogelscheuche in amt und würden zu sehen!) Alexis
ruhe ist d. erste bürgerpfl. (1852) 1, 241 (15.
cap.). —
häufiger stehaufmännchen: plastische nachbildungen der kobolde sind die hölzernen nuszknacker und die aus hollundermark geschnitzten stehaufmännchen Ad. Wuttke
volksabergl. (1860) 411; der baron hatte einen schwankenden gang, stülpte auch wohl manchmal um, stand aber gleich wieder wie ein stehaufmännchen auf den füszen E. Th. A. Hoffmann 9, 210
Grisebach; unverdiente kinderkränkung wirkt nicht etwa blos äuszerlich auf den stolz und duckt gleichsam ein stehaufmännchen in seine schachtel Gutzkow
ges. werke (1872) 1, 97; hundertmal da und dort abgewiesen, gleichen sie den stehaufmännchen, die, stelle man sie auch hundertmal auf den kopf, immer wieder auf ihr dickes ende fallen 3, 13 (
bezw. 11, 212
in d. ausg. v. 1846; '
die wellenbraut').
oberlaus. stehufmandel Anton 13, 7. 22)
als pflanzenname, salepwurzel, orchis morio Pritzel-Jessen (
in Siebenbürgen). —
so gewöhnlicher die wortgruppe steh-auf-und-wandle, bezeichnung von heilkräftigen pflanzen in anlehnung an Matth. 9, 5
f., und zwar: 2@aa)
kreuzenzian, gentiana cruciata Campe (
auch heilallen-schaden)
und Nemnich
im wörterb., dagegen im text zu gentiana verna, frühlingsenzian, himmelstengel, danach Pritzel-Jessen; 'steh-auf-und-wandle,
name des kreuzenzians, wegen seiner heilkraft' Heinsius 4, 765
b. 2@bb)
meistens ehrenpreis, veronica officinalis Pritzel-Jessen. '
diese pflanze galt für so heilkräftig, dasz sie gichtbrüchige von ihren leiden befreie, daher ihr name aus dem evang. Matth. 9, 5—6.
der ältere name ist wol, im sinn übereinstimmend, grundheil' Hoffmann v. Fallersleben,
vgl. in Wagners
arch. 1, 276.
dafür nd. (
hamb.-holst.) sta(h) up un ga(h) weg,
ehrenpreis, veronica Richey 285; '
welchem kraute eine schnellheilende kraft zugeschrieben wird, in geschwülsten im räucherkraut' Schütze 4, 179;
s. auch nd. korrespondenzbl. 2, 50
f. als sta up un ga darvan
bei Walbaum
idiot. Lubecense (
Lpz. 1747),
s. Pritzel-Jessen.