stäbchen,
n. ,
deminutiv zu stab,
vgl. stäblein, stäbel;
zufrühest bei Oswald v. Wolkenstein
als stäbichin,
in einer Frankfurter urkunde als stebchin
und in einem weisthum von der Untermosel aus dem j. 1446
als stäiffgen
bezeugt, s. unten und Lexer
handwb. 2, 1153. stäbchen
bacillum Steinbach 2, 652; stäbchen, stäblein,
bacillus Frisch 2, 313
c. 11) stäbchen
im allgemeinen: einen mit einem stäbchen in die augen stoszen,
bacillo alicujus oculo tundere. Steinbach 2, 652; der knabe reitet auf einem stäbchen,
puer bacillo insidet. ebenda (
vgl.stab II, 4,
e); dieses stäbchen tauch' ich ein, sehn wir's überglast erscheinen wird's zum gusse zeitig seyn. Schiller 11, 308 (
glocke 83).
auch: im nacken sitzt ihm (
dem elefanten) zierlich-zarte frau, mit feinem stäbchen lenkt sie ihn genau. Göthe 41, 38 (
Faust II, 1). 22) stäbchen
nur in bezug auf die gestalt: auf dem käsemarkt, wo die käsehändler ihren verkehr hielten, hatte sie beobachtet, wie diese männer mit hohlen kässtechern aus den groszen Schweizerkäsen zum behufe des kostens ihrer qualität runde stäbchen oder zäpfchen herausstachen, davon ein endchen säuberlich vorn abbrachen, kosteten, und
das zäpfchen im übrigen wieder in das loch steckten, dasz der käse wieder ganz war. also versah sie sich mit einem gewöhnlichen nagel, strich um die käse herum und erspähte die stellen, wo eine zarte kreislinie ein solches stäbchen anzeigte. Keller 2, 235. 33)
als stütze bei pflanzen (
vgl.stab 5,
i): am sonntage wandelte er, sauber angethan, zwischen den rabatten auf und ab, putzte an den rosenbüschen oder band nelken und levkojen an feine selbstgeschnitzte stäbchen. Storm 4, 89;
im bilde: ein schwaches stäbchen ist die liebe, das deiner jugend rebe trägt, das wachsend bald der baum des lebens mit seinen ästen selbst zerschlägt. 8, 219. 44) stäbchen
für den stab, woran man geht; doch nur in typischen verwendungen. 4@aa)
das weisze stäbchen
kennzeichnet den armen, bettler, vgl. stab 5,
f, α: dann der alte bald schabab durch den unterjäger wurd, er must als ein armer ziehen mit dem weissen stäbchen ab.
kunst über alle künste (1672) 203, 30
Köhler. 4@bb)
bei processionen, vgl. stab II, 4,
a: und hatte des radis frunde iglicher ein wisz stebchin in siner hand (
bei der frohnleichnamsprocession in Frankfurt a. M. am 31.
mai 1442
in anwesenheit des königs). Jantzen
Franfurts reichscorr. 2, 46. 4@cc)
wie den pilger sein stab
kennzeichnet, s. das. 5,
e, so näht er sich auch stäbchen (
wirkliche, oder nachbildungen aus zeug?)
auf seinen mantel: ach got, wär ich ain pilgerein, ... zwai stäbichin het ich pald genät auff ainen höggen (
var.: mantl), wie ich tät. Oswald v. Wolkenstein 26, 9
Schatz. (
die 2 stäbchen
bezeichnen vielleicht nur das kreuz, das der pilger als abzeichen führt.) 55)
der richter hat ein (weiszes) stäbchen,
vgl.stab 8,
f: vort me, so sulle der hoffman von
s. Petershoff alle jair des herbstes erscheinen und kommen, und haben ein weiss geschellet stäiffgen in syner handt.
weisth. 2, 442; daneben sah man ein weiszes stäbchen, welches vormals bei gesetzlichen und gerichtlichen handlungen nicht leicht fehlen durfte. Göthe 24, 35 (
dicht. u. wahrh. 1). — das stäbchen brechen,
vgl.stab 8,
g, θ; intransitiv: die glocke ruft, das stäbchen bricht. Göthe 12, 245 (
schlusz von Faust I).
so auch: was meinst du, was durch meine adern bebte, als überm haupt des richters stäbchen schwebte? Droste-Hülshoff 2, 106. 66)
zauberstab, vgl. stab 10: nun soll mich zwar der himmel vor der unverschämtheit bewahren, sie auf eine mühselige subscribentenjagd sprengen zu wollen. allein es könnte ja doch seyn, dasz ihnen ganz von ungefähr auf einem spaziergange ein jagdbarer hirsch so nahe aufstiesze, dasz sie nur das stäbchen zu erheben brauchten. da meinte ich nun, sollten sie das wildpret anrühren und rufen: halt! sie merken unstreitig, dasz ich ihnen einen zauberstab zutraue. Bürger
briefe 3, 254; die amme holte ein weiszes stäbchen aus einem hohlen baumstamme. Eichendorff
2 2, 445. 77)
technisches. 7@aa)
in der baukunst heiszt so ein kleines glied mit halbkreisförmigem querschnitt, das also der hälfte eines gespaltenen runden stabes gleicht, am gesimse einer säule; astragale, tondin. Eggers 2, 970;
boquette, astragale, fusarole, tondin. Jacobsson 4, 243
b,
vgl.stab 11,
e. 7@bb)
bei den webern 'stäbchen zum einlesen des zampels,
zwey dünne zusammengebundene stäbchen, zwischen welche die patrone gesteckt wird, damit sich der einleser nicht irre, sondern mit diesen stäbchen linie vor linie nur vorrücken kann'. Jacobsson 4, 244
a. 7@cc) umlaufende stäbchen, stäblein
in der feuerwerkskunst, umlaufende stäbchen mit einem schlage,
s. Krünitz 167, 591. 7@dd) Napiersche stäbchen zum stabrechnen (
s. das.): (
er) schreibt einige bücher, macht Neperische stäbgen auf den kauf. Lichtenberg
nachlasz s. 17
Leitzmann. 7@ee)
jetzt sagt man stäbchen
oder stäbchenbakterien
zuweilen für bacillen, längliche bakterien. 88)
vgl. stäppchen.