seliglich,
adj. ,
häufiger adv., weiterbildung zu selig,
felix, beatus, gleicher bedeutung, ahd. sâliglîh,
beatus, adv. sâliglîhho, sâliclîhho, sâligclîcho,
beate, feliciter. Graff 6, 181,
mhd. sæleclich, sæliclich,
seltener sâliclich, sêliclich,
adv. sæleclîche, sæleclîchen
und so fort. Lexer
mhd. handwb. 2, 582,
nhd. fast ausschlieszlich als adv., ostfränk. - bair. im 16.
jahrh. mit diphthongierter endsilbe als seligleich
bezeugt H. Sachs 14, 139, 27
Keller - Götze (
die stelle s. unter 2,
a, β),
eine form die auf diesem sprachgebiet schon vorher bestanden haben musz, sonst im 16.
jh. noch in vollerer form seliglichen: gott spar ew. k.
f. g. seliglichen. Luther
briefe 1, 238,
daneben säligklich,
beate, feliciter, fauste Maaler 340
d,
und in heutiger schreibung meist bei Luther (
belege unten), ebenso dann seliglich,
beate Stieler 1993. Steinbach 2, 576. Frisch 2, 254
a. 11)
nach selig II, 1. 1@aa)
nach a, heilsam, förderlich, günstig, beglückend. 1@a@aα)
allgemein (
vgl.α,
β): liebe ist ein alsô sælec dinc, ein alsô sæleclîch gerinc, daʒ niemen âne ir lêre noch tugende hât noch êre. Gottfried von Straszburg
Trist. 188; daʒ wart ein sæleclich geschicht Jâsône bî der wîle (
dasz er gepanzert war, im kampf mit dem drachen). Konrad von Würzburg
troj. krieg 9876.
adverbial: disen stain hat setzen lassen Marcellus, ain verwalter des heiltumbs, dem got Mercurio und dem glück, das alle ding säligklich herwiderbringt. Aventin 1, 695, 14
Lexer (
hier ist allerdings auch eine auffassung im sinne von 2,
a, α möglich); hie sol mit untergehen auch das gebet für die eltern und oberherrn, das jnen gott verstand und weisheit verleihe friedlich und seliglich uns fürzustehen und zu regiren. Luther 6, 312
a; nu ist iuwer arbeit sæleclîchen an geleit: iu hât erworben iuwer hant ein schœne wîp unde ein lant. Hartmann von Aue
Iwein 2780; ist, dasz iuch got hie ernert, sô habet ir iuwer arbeit vil sæleclîchen an geleit. Wirnt von Gravenberg
Wigalois 7227. 1@a@bβ)
in bezug auf das ewige heil der seele: das üns nach imo (
Christus) und siner wunneclicher antsicht und nach siner seliclicher mitewist mioʒe alleʒana ameron.
quelle des 12.
jh. in Wackernagels
altd. leseb.2 301, 32.
adverbial: welche aber jre not fülen und sehen, das sie aus eignen krefften nicht vermügen, noch jnen rahten und helffen können, haben wir hinzu gelocket, denn dieselben brauchen des sacraments seliglich. Luther 3, 164
b; das wir auch hinfurt, als newgeborne menschen, in einem newen leben wandeln, wie S. Petrus und Paulus vermanen, damit man an unserm leben spüren könne, das wir die tauffe nützlich und seliglich empfangen haben. 6, 297
a; hilff, das alle priester das hochwirdig sacrament wirdiglich und seliglich zu der gantzen christenheit besserung handeln und brauchen. hilff, das wir .. das heylige sacrament mit gnaden seliglich empfahen. 7, 226, 9
Weim. ausgabe. 1@bb)
nach b, allgemeiner als ehrendes beiwort für personen, dann auch für ihre gesinnungen und handlungen. 1@b@aα)
nach α,
auszerreligiös, herrlich: si drûweden der mêre, wie man der sæleclîchen maget ir drûwe hette widersaget, alle êlicher dinge.
Elisabeth 1241;
von sitte und geberde: sîn gebærde diu was sæleclîch: die hende habet er für sich vil harte gezogenliche. Wirnt von Gravenberg
Wigalois 1551; ich bit iuch, hêriu vrowe guot, aber durch iwern süeʒen muot, und durch iwer sæleclîche sit. Ulrich von Lichtenstein 391, 22.
adverbial: der jungelinc der ist ein sæliger man: wie sæleclîche stêt im an alleʒ daʒ, daʒ er begât! Gottfried von Straszburg
Trist. 704; der wunsch der was an in geleit von aller hande dinge, daʒ einem jungelinge schône unde sæleclîchen stât. Konrad von Würzburg
troj. krieg 1681. 1@b@bβ)
nach β,
fromm: er nam in (
den vanen) frô, er lobte
got. ouch tâten sô al die wâren sâlichlich, in gote sie des fröuten sich.
Ludwigs kreuzfahrt 7500.
vom thun: diz folc endet ouch anders niet, si druogen fientlichen muot der maget edel unde guot umme ir sêleclichen dât.
Elisabeth 1135.
adverbial: wie si nâch sîme (
gottes) gebode ir selbes lîb vernihte unde alle ir sache rihte zu gode sêleclîche. 1967. 22)
nach selig II, 2. 2@aa)
nach a, in älterem auszerreligiösem gebrauch. 2@a@aα)
nach α,
unverletzt, ungeschädigt, adverbial: god spare juwe ersamicheit salichlike gesunt.
quelle von 1421
bei Schiller-Lübben 4, 16
a. 2@a@bβ)
nach β,
beglückt, persönlich, in alterthümlicher sprache: es scheint wohl, sprach die königinne, dasz ich nicht seliglich bin. Tieck 13, 177 (= 'iʒ schinit wole'. sprach die kuningîn, 'daʒ ich nicht sêlich nebîn ..'
Rother 2002).
vom leben: si wâren alle mit im tôt an êren und an guote, an allem dem muote, der guoten liuten solte geben sælde und sæleclîcheʒ leben. Gottfried von Straszburg
Trist. 1700.
adverbial: nu hevet sik an de croneke. les se selichliken.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 183
a; euer durchleuchtigkeit gehab sich wol und seliglich.
schreiben des Cajetan an Friedrich zu Sachsen deutsch bei Luther 1, 126
a; nymm mein arbeyt vor guot und leb seligklich.
Aimon vorr.; sy (
die Araber) leben seligklich und fridsam in grossem überflusz. Franck
weltbuch 187
b; ich bin des heres gotund habe in erwettot daʒ ich in welle gebendâ si sæliclîchen leben.
exod. 134, 28
Diemer; daʒ vrô mîn muot von herzen sî, des müeʒe diu vil werde sæleclîche leben, diu mich von maniger sorge vrî gemachet hât und ouch vil lîhten trôst gegeben.
minnes. 1, 290
a Hagen; ich kume sæleclîche her. Fleck
Flore 5478; mit guote lebt er sæleclîch. Helbling 1, 39; du oberster gott der weiszheyt (
Apollo), lehr mich, wie ich in dieser zeyt auff erden werdt mechtig und reych, darinn zu leben seligleych. H. Sachs 14, 139, 27
Keller-Götze. 2@bb)
in religiösem sinne, in der gemeinschaft mit gott sicher und beglückt, adverbial, seliglich leben: mensch, wiltu leben seliglich und bey gott bleyben ewiglich, soltu halten die zehn gebot, die uns gebeut unser
got. Luther
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 17
a; seliglich sterben,
far' una morte beata, un transito santo, felice e cristiano. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 765
c: darnǎch starb der kung säligklichen.
historienbibeln 570
Merzdorf; in gleichem sinne: item anno 1582 den 26 jenners ist mein lieber vatter Thomas Platerus .. seliglich verscheiden. Platter 118
Boos; hilff (
gott), das wir warten mit gedult, bisz unser stündlein kompt herbei, auch unser glaub stäts wacker sei, deim wort zu trawen festiglich, bis wir entschlaffen seliglich! Eber
bei Wackernagel
kirchenl. 4, 4
b.
ähnlich, aber in anlehnung an active bedeutung: gott helff euch und uns allen seliglich hinach (
beim tode), obs wol on trawren nicht zugehen kan und sol. Luther 8, 173
b.