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schwindlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwindlich adj.

Bd. 15, Sp. 2677
schwindlich, adj. 11) schwindel empfindend oder erregend. mhd. noch nicht belegt, zuerst in glossaren des beginnenden 16. jh.: vertiginosus ainer dem schwindlet .. schwindlig Dief. gl. 614c. man wird nach dieser form ein mhd. swindel-ec, -ic, nicht swindel-lîch zu grunde zu legen haben. doch zeigen die litteraturbelege, die erst mit dem 18. jahrh. beginnen, fast durchweg die schreibung mit ch. nur Kant und Wieland schreiben schwindlig, ebenso auch die einzigen wörterbücher, die das wort verzeichnen: Frisch, Adelung und Campe. ableitung mit lich anzunehmen, verbietet besonders das durchgehende fehlen des e der mittelsilbe, das schon im 16. jh. stets ausgeworfen ist. wenn daher Adelung und Campe schwindelig voranstellen, so ist diese form wol nur der alphabetischen folge wegen angesetzt (belegt bei Fichte, siehe unten). die schreibung schwindlich beruht demnach auf falscher abtrennung, und war um so leichter möglich, als schwindlich weit überwiegend in unflectierter form vorkommt, wo der unterschied auszerhalb des oberd. rein graphisch ist. neben schwindlich steht mit anderm suffix schwindlicht (und bair. schwindlisch), s. das.; auch das part. schwindelnd wird in den meisten verwendungen des adjectivs gebraucht. in mundarten finden sich zahlreiche synonyme ausdrücke; Adelung führt an nd. swimelig, bedwelmt, dwilsk, däsig (bez. dösig, düsig), dussen, bedussen, oberd. wirbelig, schwäb. tobelig. 1@aa) vom menschen, der schwindel (im körperlichen sinne) empfindet, oder als dauernde eigenschaft, der zu schwindel neigt: schwindlig, vertiginosus Frisch 2, 250c; am 28 november kehrten wir zur sixtinischen capelle zurück, lieszen die galerie aufschlieszen, wo man den plafond näher sehen kann; man drängt sich zwar, da sie sehr eng ist, mit einiger beschwerlichkeit und mit anscheinender gefahr, an den eisernen stäben weg, deszwegen auch die schwindlichen zurück bleiben. Göthe 27, 235; sprichwörtlich: wer schwindelig ist, musz kein schieferdecker werden. Wander 4, 480. prädicativ: wie dreht sie (liebe) mich im kreis herum, dasz alle meine kräft' und sinne mich verlassen! komm, Amarant! ich stürze schwindlich um! Göckingk lieder zweier lieb. 82. 1@bb) häufig unpersönlich gewendet, sodasz schwindlich causativen sinn erhält: es wird mir schwindlig, vertiginem sentio, omnia mihi in gyrum vertuntur. Frisch 2, 250c; ein allgemeines zittern überfiel mich, mir ward schwindlig und dunkel vor den augen, und ich wäre .. zu boden getaumelt, wenn mich Kallippe nicht in ihren armen aufgehalten .. hätte. Wieland 27, 92; o mir ist schwindlich! Göthe 10, 183 (Stella 5); mir wird's so schwindlich vor allen sinnen. 16, 54; ich schwankte weiter (mit dem kahne), 'haben sie ruh es wird mir schwindlich'. Bettina briefe 2, 77; es steigen nämlich daselbst die felsen fast senkrecht in die höhe. weiter oben ist's wie abgeschnitten, und der heilige Nepomuk, ob er gleich von stein ist, meint man doch es müsse ihm schwindlich werden, und es wird's einem für ihn, wenn man hinaufschaut. Hebbel 3, 72; als ausdruck von gemütsbewegungen: dreiszigtausend gulden! liebe leut', wie er dös sagt, is mer völlig schwindlich word'n, denkt's so viel geld und ich nöt ein groschen im sack. Anzengruber3 5, 142; mir ward auch schwindlich, und ein heimlich grauen schlich eiskalt sich durch mark und bein. Houwald 2, 19 (fluch u. segen 1, 3). 1@cc) schwindlich, schwindelerregend, besonders von höhen, abgründen u. dergl.: über der alpen gebirg trug dich der schwindliche steg. Schiller 11, 72 (var.: schwindlichte, wie sonst stets bei Schiller); er steht an der felswand schwindlichem rand. Chamisso 1, 113 Koch (der alte müller); so auch adverbial in der verbindung schwindlich tief: wir kommen an eine kluft, breit, schwindlich tief. Hebbel (1891) 1, 42 (Judith 3); oft, zwischen schwindlig tiefen schlünden, macht er, den gemsen gleich, die klippen sich zum steg. Wieland Oberon 7, 98. 1@dd) freier, taumelhaft, unbesonnen, phantastisch, vom denken u. ähnl., 'mit dem moralischen schwindel behaftet. ein schwindeliger mensch, welcher unbesonnen handelt, besonders wenn er unbesonnenen, abentheuerlichen projecten nachhängt' (so jetzt kaum gebräuchlich, vgl. indes schwindlicht 3, a), ein schwindeliges project. Adelung: gibt es aber nicht etwa auch einen sich über die grenzen des menschlichen vermögens erhebenden schwindligen tugendwahn? Kant 6, 356; nehmen wir nun alle diese umstände zusammen, welche sich vereinigten, der romanhaften erziehung unsers jungen ritters ihre volle kraft zu geben, so werden wir nicht unbegreiflich finden, dasz er nur noch wenige schritte zu machen hatte, um auf so abenteuerliche grillen zu gerathen, als seit den zeiten seines landsmannes, des ritters von Mancha, jemahls in ein schwindliges gehirn gekommen seyn mögen. Wieland 11, 17 (don Sylvio 1, 3); glauben sie, dasz ein suverän, der fünf und zwanzig millionen schwindlige köpfe hat, seine verbindlichkeit .. seltner vergessen werde, als einer der nur einen tollkopf hat? 29, 339; so schief und schwindlig dachte man nicht, als Xenofon und Plutarch noch ihre schüler hatten. suppl. 3, 163. — schwindliche einsicht bei Fichte siehe schwinden II, 4, g. 22) ein andres schwindlich, das eine gleichbedeutende weiterbildung vom adj. schwind(e) mit dem suffix -lich ist, begegnet nur in der ersten hälfte des 16. jahrh., hier aber nicht selten. 2@aa) selten als adjectiv, stark, anmaszend: die van der gemeinden ... lachten den heren vast swintliche reden vur: si woulden die asscisen af haven ind der nit me gegeven haven, mit vil anderen dreuworden. d. städtechron. 14, 847, 22 (cronica von Coellen vom j. 1499). 2@bb) häufiger als adverb, geschwind, eilig, rücksichtslos: swintlich mit der ile. handeln. Frankf. urkunde von 1500 bei Dief.-Wülcker 850; her hat vaste swintlich gehandelt. ebenda (vom j. 1502); und da er auf das feldt kam, er ging als schwindtlich, jn het eyn rosz nit wol ereilen mögen. Aimon r 2b; und da der ammiral sah, das jm als schwindtlich nachgeeilt ward, er gab dem pferd die sporn. C 2b. — schlimm: und nachdem uns allhier gen Speyer deszhalben je länger je gewisser unnd schwerlicher bottschafft unnd bericht ... zukommen, dasz alles, wie oberzehlt, dermassen unnd etwas schwindlich ge stalt. reichstagsabschied von Speyer 1526, § 12 (s. 168).
6315 Zeichen · 98 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schwindlichadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    schwindlich , adj. 1 1) schwindel empfindend oder erregend. mhd. noch nicht belegt, zuerst in glossaren des beginnenden …

  2. modern
    Dialekt
    schwindlichadj.

    Lothringisches Wb.

    schwindlich [šwindli Ha. ; šwendleχ D. Si. ; šwindlèdi Ri. ] adj. schwindlich: es isch em schw. vor de n'Auwe word Ri. H…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwindlich

2 Bildungen · 0 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von schwindlich

schwind + -lich

schwindlich leitet sich vom Lemma schwind ab mit Suffix -lich.

Ableitungen von schwindlich (2 von 2)

geschwindlich

DWB

geschwindlich , adv. rasch, schnell: und hencke in denn geswindelich. Hans v. Bühel Dioclet. 6868, snelle 6849 ; und randt als geschwindlich…

verschwindlich

DWB

verschwindlich , adj. vergänglich: was ist ein mensch, welcher verschwindlich und bald ist nicht mehr. lob und danck a b c (1664) 26 .