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schünden

mhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 7 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schünden verb.

Bd. 15, Sp. 2001
schünden, verb. antreiben. 11) schünden ist ein gemeingermanisches verbum, das sich in allen altgermanischen dialecten auszer dem goth. findet, dagegen in den neueren germanischen sprachen meistens ausgestorben ist: altn. skynda eilen,n. skynde antreiben, beschleunigen, ags. scyndan eilen, antreiben Bosworth - Toller 847b; alts. in farskundian antreiben, aufhetzen (Hel. 5313 Cott.), mnd. schunden (zum bösen) anreizen, suggerere, instigare, schunden vel ovel raden Schiller - Lübben 4, 151b; ahd. scuntan, -en, scunden, incitare, allicere, sollicitare, suggerere, pellere, cogere, jubere Graff 6, 523, mhd. schünden, schunden, schunten Lexer handwb. 2, 817 f. über das german. hinaus läszt sich das wort mit sicherheit nicht verfolgen. Grimms versuch (gramm. 2, 35), es von schinden herzuleiten, ist der bedeutung zu sehr entgegen. bei Fick3 3, 338 ist es zu der wurzel skud-, in schütten (s. daselbst) und sanskr. çcyut träufeln, abflieszen, gestellt, doch paszt auch diese bedeutung nicht recht, weshalb es in der 4. aufl. unter skeutô (1, 142. 556) nicht wieder aufgeführt ist; am besten paszt der an ersterer stelle gegebene hinweis auf ags. scûdan, engl. scud, schnell laufen (vgl. Skeat 535, dessen vergleichungen mit dem nordischen sämmtlich abzuweisen sind). — wol mit recht hat man den mehrfach (seit dem 8. jahrh.) begegnenden flusz- und ortsnamen Scuntra, jetzt Schondra, nebenflusz der Saale, und Schunter, nebenflusz der Oker, zu schünden gestellt Förstemann altd. namenb. 22, 1317 f. vgl. schundern. 22) im ahd. und mhd. ist das wort sehr verbreitet und hat zahlreiche ableitungen entwickelt, so ahd. scuntari, suasor, assentator, vorscunderi; scuntida, scundeda, exhortatio, suadela, instinctus, gascuntida suggestio, scuntunga incentiva Graff 6, 524; mhd. schündære, schüntære antreiber, reizer; schündunge, schüntunge; schundic in unschundic, schündegen suggerere, schuntsalunge reizung (dagegen fällt schünde fort, s. schund) Lexer hwb. 2, 817 f. nachtr. 362. vgl. auch Scherz-Oberlin 1451. einige belege mögen den gebrauch veranschaulichen: hilf mir mit dînen gnâdon, so scunt ih andera ze dînemo uuega. Williram 5, 3; sô kêret er (der teufel) dannoch allen sînen flîʒ dar an, und schündet und ræt, wie diu muoter daʒ kint verderben müge. Berthold v. Regensburg 2, 56, 39; unser vrowe sente Merie dine versmate niht alleine die schundunge des tuvelis so er sie schundete zu den sünden. Leyser pred. 101, 31; der tievel scunt in alsus. kaiserchr. 1256 Schröder; wes herze hete sô herte sinne, den zuo unsers herren minne diu gesiht niht enzunte noch ze guotem willen schunte? Lampr. v. Regensburg Franc. leben 4115; des schündet dich dîn valscher list. Seifr. Helbling 4, 232; er (der zorn) schündet tze mörtleicher rach. Suchenwirt 40, 221. 33) in der nhd. schriftsprache ist das wort bald ausgestorben. die litteratur bietet noch wenige belege im 16. jahrh.: so steht Galmy 328 schündten, aber nur als druckfehler für schänden, wie die ausgabe von 1540 hat: umb deines bösen fürnemens willen (hast du) das ganze hertzogthumb Britannien understanden zu schenden. 128a. dagegen gehört hierher: Mercuri, verzüg! dan eilend und solich geschünd (übereilt) recht ... theten nie gut. Schade sat. u. pasqu. 3, 41, 32. — von den wörterbüchern hat es nur Schottel 1410 aus der lebenden sprache: schünden, clanculum incitare; hat mir den kerl auf den hals geschundet. Frisch 2, 233c und Wachter 1475 kennen es nur aus alten sprachdenkmälern, Campe aus der nd. mundart. 44) dagegen haben die mundarten das wort zum theil bis in die gegenwart erhalten, und zwar von hochd. die schwäbische, s. Schmid 483 (ausschunden auswählen). Schm. 2, 431. Vilmar 373; die tirolische als schünt'n Hintner 216; die thür. als schünden, an-, verschünden, -schingen Hertel sprachsch. 222, besonders aber in weitem umfange die nd. als schünden oder (gewöhnlich) schünnen häufiger in compositen (an-, to-, up-, verschünnen u. a.), als im simplex, s. Richey 246. Strodtmann 375b. brem. wb. 4, 713. 6, 293. Schütze 4, 81 f. Dähnert 416b. Danneil 189b. Stürenburg 236a. ten Doornkaat Koolman 3,161a (schünen). Frommann 3, 280, 53 (Jever). Schambach 187; westfäl. als (op-, fer-) schüngen Woeste 234a.
4260 Zeichen · 101 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schündenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    schünden stn. vîentlîcheʒ schünden Pass. 202,81. Suchenw. 41,1178.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schündenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    schünden , swv. , antreiben, anspornen, nur vereinzelt zur Erfüllung einer Pflicht, tô bôte sch. (Engels Unterweis. 1 V.…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schündenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    schünden , verb. antreiben. 1 1) schünden ist ein gemeingermanisches verbum, das sich in allen altgermanischen dialecten…

  4. modern
    Dialekt
    schündenV.

    Westfälisches Wb.

    schünden V. 1. hetzen, reizen [WMünsterl Stf Gel Dor Enr]; aufstacheln ( Stf Rh). Den Rüen up enen schünnen ( Stf Rh). U…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schuenden

7 Bildungen · 0 Erstglied · 4 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schuenden 2 Komponenten

schu+enden

schuenden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schuenden als Zweitglied (4 von 4)

anbeschünden

MNWB

anbeschünden , swv. , einflüstern, aufreizen , anstacheln.

anschünden

DWB

anschünden , illicere, sollicitare, ein gutes, altes, aber nun erloschenes wort, B. Waldis hat es noch einmal: da seet er krieg, die herrn a…

beschünden

MNWB

beschünden , swv. , anstiften, aufreizen, aufstacheln.

vorschünden

MNWB

vorsch·uenden

vorschünden , -schünnen , swv. , ( Part. prät. vorschündet -schünt ) , aufreizen, aufhetzen, verführen; refl. sik v. lâten sich verhetzen la…

Ableitungen von schuenden (3 von 3)

beschünden

MNWB

beschünden , swv. , anstiften, aufreizen, aufstacheln.

geschünden

Lexer

ge-schünden swv. BMZ tr. reizen, antreiben. daʒ kunde ouch wol geschünden daʒ küssen und ir süeʒer lîp Krone 11712 ; mit gen. wozu antreiben…

verschünden

DWB

verschünden , verb. , alts. farscundian im sinne von aufhetzen: haBdun sia gramo barn thia scola farscundid,that sia ne bescriBun iouuiht gr…