schindfessel,
m. ,
entstellt aus schildfessel (
vgl. daselbst),
mhd. schintveʒʒel Lexer
handwb. 2, 741,
mnd. schintvessel Schiller-Lübben 4, 98
b,
vgl. auch Schm. 2, 429
f. Germ. 2, 345. 11)
schildträger, knappe. satelles .. schintfeszel, -viszel Dief.
gloss. 513
c; eyn schynt vössel, schinfessel
nov. gl. 327
b;
satrapa .. schintfessel
vel scheffener
gl. 514
a;
scutifer .. schintfessel 522
b, schintvestel
nov. gl. 333
a;
milites de cuspide sive lancearii quos vulgariter appellamus schintfessel
vel fuoszknecht.
quelle bei Schm. 2, 430,
vgl. Schiller-Lübben
a. a. o.; und (
Wenzel) hadde to sik getogen ander ammechtlude ... de dar na nicht geboren weren, dede stalknechte, schintfessele und kokenknechte gewesen hadden.
s. ebenda; Heintzi Knüttel ein schintvessel. Schreiber 2, 166 (
Freiburger urk. des 14.
jahrh.); da 2 graven wurden enthauptet, und ire ritter und knecht mit inen 32 wurden erhangen ... und was schindfessel da waren, den schlug man ausz jeder hand zwen finger ab.
chr. Aug. (1531)
bei Scherz-Oberlin 1409; item so seind vil schindfessel zu Reutlingen in unser statt gewesen, die suchten ir herren.
ebenda; 'macht kain schützen oder schindfessel han?' der tüfel sprach: 'mins laids und ungemach! renner und och schindfessel tuond sich gar lützel bessren'.
des teufels netz 8278
ff. 22)
troszbube, mit verächtlichem nebensinne: alsô sengent auch die schintfeʒʒel und die puoben die vaiʒten dünst, die durch ir niderhemd fliehend. Megenberg 77, 16; so thue ich dir doch deʒ ere das ich mich nicht ze puoben und schintfesseln lege. Steinhöwel
decam. 376, 28
Keller (4, 10;
or.: nè con ragazzi nè con tignosi);
oft als schimpfwort: du ungeschaffner schyntvessel! Cl. Hätzlerin 2, 72, 270; du schintfessel, frauenschender, teufelsknecht.
fastnsp. 254, 18. 33)
im nhd. wird der eigentliche sinn nicht mehr empfunden, daher geht es meist in die bedeutung von schinder
über, bedrücker, aussauger, räuber, geiziger, wucherer u. ä. flagellatores annonae schindfessel, korn juden, kornwürm. Corvini
fons lat. 1, 41 (
in späteren ausgaben dafür schinder).
ähnlich schon bei Megenberg: pei dem tier (
meerdrache) verstên ich .. die verræter und die ungetrewen schintveʒʒel .. wan si .. freʒʒent die armen läut. 235, 10; darumb will ich .. das volk lassen schreien uber die schindfessel und hofeschranzen bis in himel. Luther
br. 4, 194; das ander (
auszer den kriegern) sein alles haillos leut, faul fräszling, arg schindfessel. Aventin
chron. 1, 110, 2; grosz geltnarren und schindfessel. 792, 22; (
die acht äste des dritten stammes) darausz der edele stam der h. geystlichkeit ist entsprossen. und dise bestehn allemeist ausz geitzigen schindfesseln unnd greulichen bluthunden (
am rande: blutsaugern). Fischart
bienenk. 213
b; alles heylose leut, faul, freszlich, arge schindtfässel. Fronsperger
kriegsb. 3, 202
a; ain frommer man, der gern recht thet ... und jme ain konig geb, das er zu narung kem und jms ain schintfessel wider nem. Keller
alte g. schw. 37; die armen pauren fronen müssen das die starcken schindtfessel feyern. H. Sachs 2, 1, 86
b; zuvor man jhn ein wuchrer hiesz ... sauget den leuten ausz das marck und wer ein loser schindfeszl arck. Ayrer 2257, 25
Keller.