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Ritten

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Wander
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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Ritten

Bd. 3, Sp. 1685
Ritten 1. Dass dich de ritz scende (schände). – Hamb. Chronik, 30. Dass dich das Fieber verderbe. (Vgl. Lappenberg, Glossar zu Lauremberg.) 2. Dass dich der ritt als luren schütt! 3. Dass dich der Ritten schütt'. – Eiselein, 530. In dem alten, dem 13. Jahrhundert angehörenden Fabelbuche: Der Edelstein von Boner, handelt die 48. Fabel von der Ritte. Der Ritten (jetzt in Ein- und Mehrzahl Ritten) ist das altdeutsche Wort für Fieber. Man nahm an, dass es mit ridt, reiten, rütteln zusammenhänge, was Weigand (Wb., IIa, 501) u.a. bestreiten, weil dessen alte Formen kein h in Anlauten haben, das Weigand a.a.O. für Ritten nachweist. Das Wort kommt in den Schriften jener Zeit in den verschiedensten Schreibweisen vor, die A. Stöber (vgl. Frommann, VI, 1 fg.) namentlich aus dem 16. Jahrhundert zusammengestellt und mit Belegen versehen hat. Man findet: Ritt, Ritte, Ritten, Rieden, Rito, Rötschit; Garritt, Jaritt, Janritt (s.d.), Jaritten, Jhachritten, Hertzjaritten, Järitten, Gäritten. Es scheint darunter ein im 14., 15. und 16. Jahrhundert besonders sehr verbreitetes, pestartiges Fieber gemeint zu sein, das die Leute schnell (jäh) ergriff und hinraffte; daher Jaritten, Jähritten (wie Jähzorn) genannt, nicht, wie es irrigerweise geschehen ist, als ein Fieber, das ein Jahr dauert (febris quae annum durat. Scherz-Oberlin, Glossar 724). Es hatte zwei Hauptstadien und begann gewöhnlich mit Frost, Rittenfrost. In der elsassischen Mundart heisst rîdere: zittern, und heisst der Ritt wol ursprünglich das Zittern und dann das Fieber. (Vgl. Arnold, Pfingstmontag, S. 137 u. 196.) Geiler (Narrenschiff, 128) nennt es dann auch das Kaltwee. »Ein fraw, die das kaltwee hat.« Aus der Legenda Sanctorum ad 2. Kal. Jun. erfahren wir, dass die heilige Petronilla dagegen angerufen wurde: »Man eret sie gerne fuir den ritten, wan unser herre tůt vil zeichen durch ihren willen.« Einige Belege werden zeigen, wie stark im Gebrauch die hierauf bezüglichen Redensarten in jener Zeit gewesen sind. »Do sties in (den Kaiser Leo IV.) eine rötte an das er starb.« (Twinger von Königshoven, Allgemeine und elsassische Chronik, S. 98.) »Das dich der rit schit!« (Geiler, Sünden des Mundes, 39.) »Das im got den ritten geb.« (Wannenkräm, 83.) »Und ob dich die pestrlentz anstosset in dem stat, in des ritten namen, worumb bistu gehasset.« (Geiler, XV; Staffeln, 15.) »Sie haben das fieber oder ritschit.« (Geiler, Geistl. Spinnerin, 6.) »Eine fraw, die das kaltwee hat, und den ritten, an dem tantz so bliget sie wie ein ross und meint der war sie sei huibsch.« (Geiler, Narrenschiff, S. 128.) »Das Gott dem kargen schelmen den ritten gebe.« (Pauli, Schimpf, 60b.) »Nach dem essen stiess jm ein kleiner ritten an, ein klein fieber.« (Pauli, Schimpf, 24b.) Bei Murner (Schelmenzunft, 16) findet sich die Redensart sehr häufig: »Ich zitter als mich der ritten schit.« (Vom gr. luth. Narren, Ausgabe von H. Kurz, 1848, V. 279.) »Er hat den ritten in den hut.« »Wolt Got, das sie der ritte schit.« »Das dich der einfeltig ritten schit, als kündstu nit ganz drü erzelen.« (Vom gr. luth. Narren, 511, 1813 u. 2528.) »Hyn lüss man dich den ritten han.« »Schweig, dass dich der ritten schitt.« (Murner, Schelm., 47 u. 81.) »Das in der hertziar ritenschit.« (Vom gr. luth. Narren, V. 3640.) »Das dich der hertz jar ritten schitt.« »Ich muss den hertz iarritten schweren.« (Murner, Nb., 94 in Kloster, IV, 879.) »Dass dich der Ritt schitt; du Bösswicht!« (Moscherosch, Wunderbare Gesch., I, 265.) »Ich liess die Schul haben den Rieden.« (Ayrer, II, 1.) »Und dass dich der ritt muss schütten.« (H. Sachs, II, 30, 2.) »Ey, das schütt dich der ja ritt.« (H. Sachs, XXXV, 2.) »Geht hin, dass euch der Riet schüttelt.« (H. Sachs, IV, 44, 1.) »Schütt dich der ritt, du junger Lapp.« (H. Sachs, Ausgew. Schriften von Götz, III, 77.) »Ey, das vergelt der Jar ritt dir!« (H. Sachs, II, 126.) »Dass dich der ritt wasch.« (H. Sachs, Dialoge, Ausgew. Schriften von R. Köhler, 15, 2.) »Das sie der jarritt schütt.« (Fischart, Gesch., 1590, S. 475.) »Der herzewige ritt gange sie an!« (Aus einem Brand- und Drohbriefe von Oswalt Franck an den Strassb. Bischof Albrecht von Baiern, 1494, Mspt.) »Der Garritt (s. Jarritt) gehe dich an.« (Waldis, III, 98, 60.) 4. Der iach ritten gehe dich an.Agricola I, 478. »Diss wort ist am Reynstrom fast gemeyn vnd ist meines dunkens der ritt das feber, das kalte oder frörer, das die Ertzte nennen das pestilenzische feber, das bald ende gibt vnd tödtet. Denn der iach odder schnell ritten ist ein unterscheydener ritten von dem andern, als von dem viertegigen vnd dreytegigen ritten waren lang, offt ein gantzes iar offt ein halbes, do das feber widerumb laufft. Aber das heyss- odder pestilenzische feber machet auffs lengste ynn vierzehn Tagen Tod odder lebendig. Also ist nun dieser fluch: Der iah ritten gehe dich an, schir als vil, als die pestilenz, das pestilenzische feber vnd iehe tod gehe dich an.« 5. Du narr, dass dich der ritt schit. – Pauli, Schimpff, LXXXb. 6. Du sollst den Ritten han. Das Fieber haben, bekommen, eine Redensart, welche nach H. Kurz soviel bedeutet als das vorherige: zum Henker, zum Teufel gehen. Auch bezeichnet ritten im allgemeinen etwas Schlimmes, Unglück u.s.w. 7. Einem den Ritten geben. 8. Ick hebb en dögden Ritt mit em hatt. – Eichwald, 1564. 9. Lauff Bube, dass dich der Riet schüt. – Luther's Werke, VI, 331.
5417 Zeichen · 152 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    ritten

    Althochdeutsches Wörterbuch

    ritten Gl 1,397,55 s. rihten.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rîttenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    rîtten swv. s. rîten.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    rittenst. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    ritten , st. V. Vw.: s. rīten

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ritten

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    * Der Ritten , des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eine im Oberdeutschen übliche Benennung des kalte…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ritten

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Ritten , Hochplateau in Tirol, nordöstlich von Bozen, zwischen Sarntal und Eisack gelegen, gehört zur Bozener Porphyrpla…

  6. modern
    Dialekt
    Ritten

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    † Ritten , Ritt m. ein Fieber pestartiger Natur, zuweilen mit Blutwerfen verbunden, eine ehemals herrschende Krankheit. …

  7. Sprichwörter
    Ritten

    Wander (Sprichwörter)

    Ritten 1. Dass dich de ritz scende (schände). – Hamb. Chronik, 30. Dass dich das Fieber verderbe. (Vgl. Lappenberg, Glos…

  8. Spezial
    Ritten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Rit|ten nom. propr. m. ‹topon› Renun.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ritten

15 Bildungen · 3 Erstglied · 10 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von ritten 2 Komponenten

rit+ten

ritten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ritten‑ als Erstglied (3 von 3)

Rittenballens

ElsWB

ritten·ballens

Ritte n balle n s Mutzig K. , Ritterballe n s Hf. , Rittballis Dü. n. ein Ballspiel unter reitenden Paaren.

ritten als Zweitglied (10 von 10)

klāritten

KöblerMnd

*klāritten , sw. V. nhd. trompeten, Clarino spielen Hw.: s. klārittære E.: s. klārit

beritten

DWB

beritten , 1 1) vom pferd, condocefactus, part. von domare bereiten, also zugeritten: der hat ein ros, das ist so genge beritten, als das hi…

bewritten

MNWB

° bewritten , eig. einritzen (Zeichen), swv. , Dithm. Hochzeitszeremonie, segnen (über die zu Bett gebrachten Neuvermählten wird ein Schwert…

fortgeschritten

RDWB1

fortgeschritten прогрессивный im ~en Alter euphem. - в годах, в возрасте эвфем.

inwritten

KöblerAe

inwritten , Sb. Vw.: s. inwrīten

umstritten

Pfeifer_etym

streiten Vb. ‘sich mit Worten auseinandersetzen, kämpfen’. Das starke Verb ahd. strītan ‘sich im Meinungsstreit auseinandersetzen, einen Rec…

unb(e)ritten

Idiotikon

unb(e)ritten Band 6, Spalte 1693 unb(e)ritten 6,1693

unberitten

DWB

unbe·ritten

unberitten , part.-adj. , gegentheil von beritten in pass. und act. bedeutung. mnl. onbereden wb. 5, 249; Verdam 396 b ; nl. onbereden wb. 1…

unbestritten

DWB

unbestrit·ten

unbestritten , part.-adj. adv. , nicht bestritten; mhd. unbestriten; mnd. unbestridet; nl. onbestreden; schwed. obestridd. mit der sinnliche…

unumstritten

RDWB1

unumstritten (kein Bezug zu "спорить") безупречный, комар носа не подточит идиом. , разг. , без сучка без задоринки идиом. , разг. Ihre Init…

Ableitungen von ritten (2 von 2)

beritten

DWB

beritten , 1 1) vom pferd, condocefactus, part. von domare bereiten, also zugeritten: der hat ein ros, das ist so genge beritten, als das hi…

geritten

DWB

geritten , part. 1 1) zu mhd. rîten, beritten, reitend, mit einem ross versehen, als subst. der reiter, ritter, s. reiten 1, c th. 8, 773, g…