reislein,
n. ramulus, virgula, mhd. rîsel,
diminutiv zu rîs,
oder mit suffixhäufung rîselîn;
neben dem nhd. reislein
gilt nur mundartlich noch reisel, raischle (
cimbr. wb. reisle)
zweiglein Zingerle
lus. wb. 46
b;
fläm. rijsel, riizel.
die bedeutungsentwickelung ist der von reis
gemäsz. 11)
in der grundbedeutung '
kleiner, schwanker zweig oder strauch'.
dimin. reiszlein,
ramulus, ramusculus Stieler 1593. ein solicher mensch wird recht gelicht einem mann, der flôch ein löwen, der in jagt, und kam zuo einem tieffen brunnen und liesz sich darjn und huob sich mit sinen henden an zwei cleine riszlin, so by end des galgbrunnen gewachsen waren.
buch der beispiele 20, 11; gott macht ausm reiszlein einen groszen baum. Lehmann 68; und wâ er sî, an welcher stat, ûʒ dem hage an daʒ pfat werf er von loube ein rîsel. Heinr. v. Freiberg
Tristan 4315; der man floch und zu einem brunnen kam, darein stieg er auf einen runt walzenden stein, hielt sich an zwei reislein. H. Sachs
meisterl. 130
Gödeke; der herr war alt und lasz; das reislein war ein baum, darunter oftmals sasz der greis in tiefem traum. Uhland
ged. 299.
sprichwörtlich: vil reiszlin zusamenbunden, machen einn starcken besem. Franck
sprichw. 1, 159
a. 22)
das reislein
in verschiedenen verwendungen. 2@aa)
als pfropfreis, setzling. ein edles reislein auf einen kranken baum pflanzen. 2@bb)
als zuchtruthe: sô sult ir im (
dem kinde) ein smitzelîn tuon an blôʒe hût; ir sult eʒ aber an blôʒeʒ houbet niht slahen mit der hant, wan ir möchtet eʒ wol ze einem tôren machen: niwan ein kleineʒ rîselîn: daʒ fürhtet eʒ unde wirt wol gezogen. Br. Berthold 1, 35, 7. 2@cc)
das reislein
als flechtmittel: vimen, eyn ryszlin da man kerb von machet Dief. 619
b. 33)
übertragen auf personen und sachen, wie reis: ich zwar hab nu etliche jahr her die bibel jährlich zweimal ausgelesen; und wenn sie ein groszer mächtiger baum wäre, und alle wort wären ästlin und zweige, so hab ich doch an allen ästlin und reislin angeklopfet und gerne wissen wollen, was daran wäre und was sie vermöchten, und allezeit noch ein paar äpfel oder birnlein herunter geklopft. Luther
tischr. 1, 43; (
gott) kömmt oft und sieht aus reiner treu, was seines gartens zustand sei, was seine reislein machen. P. Gerhard
ged. 12
Gödeke.