poesie,
f. ,
früher auch poesei, poesey,
z. b. Weckherlin 21, 36
Gödeke. der j. Göthe 3, 113 (
vgl. phantasei, philosophei),
im 16.
jahrh. entlehnt aus franz. poésie
vom griech.-lat. poesis. 11)
die dichtkunst und das ausüben derselben (
ohne plural),
sich manchmal schon berührend mit 2: unterschied zwischen der poesi und arte oratoria. Kirchhof
wendunm. 4, 27 (6, 29)
Öst.; die (
durch gelegenheitsgedichte) den würden der poesie einen merklichen abbruch thun. Opitz
poeterei 13
neudruck; weil die poesie, wie auch die rednerkunst, in dinge und worte abgetheilet wird. 19; der poesie liebhaber. 35
u. öfter; frantzösisch steht dir an als wie das Teutsche mir, dem ich die erste bahn zur poesie gezeigt, so nicht bald ein wird gehen.
ged. (1645) 2, 19; ich auch, weil ihr (
Heinsius) mir seid im schreiben vorgegangen ..., wil meinem vatterland eröffnen rund und frei, dasz ewre poesie der meinen mutter sei. 2, 44; wan mein musa mich gewehret, wan ich will, der poesie. Weckherlin 73
Gödeke; in manchen sprachen hab ich bald die poesi mit lust geübet. 210; man hält mir nicht für gut die poesie zu üben. Logau 1, 5, 3
vers 1; die edle poesie ermuntert sinn und geist.
vers 7; Priscus liebt die poesy, treibt sie fleiszig, schreibt auch viel. 3,
zweite zug. 247; nach dem ich vor etlichen jahren mir nebenst meinem hauptstudieren auch die deutsche poesie belieben lassen. Zesen
Helikon 1, 1; der edlen poesie noch weiter (
durch die prosodie) auf die beine zu helfen. 1, 4; die poesie ist mit sonderlichem fleisze von ihnen (
Franzosen) auszgeübet. Morhof
unterricht 139; der begriff der poesie ist kein andrer, als der menschheit ihren möglichst vollständigen ausdruck zu geben. Schiller 10, 451; poesie bezeichnet .. die künstlerische erfindung den wunderbaren akt, wodurch dieselbe die natur bereichert; wie der name aussagt, eine wahre schöpfung und hervorbringung. A. W. Schlegel
vorles. 1, 261, 25
neudr.; personificiert: du (
Lohenstein) hast der poesie den purpur angezogen, und ihr bekränztes haupt mit neuem glantz bedacht. Chr. Gryphius,
Gödeke elf bücher 1, 472
a; die miszgunst kam zur poesie und sah ihr höhnisch ins gesicht. Günther 161; im tiefen walde ging die poesie die pfade heilger abgeschiedenheit. Lenau (1880) 1, 245; amt der poesie in allen tagen ists, hoher geist, dein siegesfest verschönen. A. Grün
ges. werke 1, 220; ich bin die göttin poesie. viel hundert freier seh ich hie: ich lege jedem die hand aufs herz.
F. Dahn
ged., zweite samml. 1, 376; die tochter des geists und der phantasie, die goldene, goldene poesie. 377. 22)
der dichterische ausdruck, die erzeugnisse der dichtkunst im allgemeinen und im besondern (
ein dichterwerk, ein gedicht, plur. poesien): die römische, griechische, italiänische und französische poesy. Zinkgref
bei Opitz (1624) 161; die alte provincialische poesie. Morhof
unterricht 139; wie aber solche reimerei und solche lästerer nicht wehren, also die hohe poesei kan, stets grün, nimmermehr verjähren. Weckherlin 21
Gödeke; poesie ist, rein und ächt betrachtet, weder rede noch kunst; keine rede, weil sie zu ihrer vollendung tact, gesang, körperbewegung und mimik bedarf; sie ist keine kunst, weil alles auf dem naturell beruht, welches zwar geregelt, aber nicht künstlerisch geängstiget werden darf; auch bleibt sie immer wahrhafter ausdruck eines aufgeregten erhöhten geistes, ohne ziel und zweck. Göthe 6, 118; es gibt nur drei ächte naturformen der poesie: die klar erzählende, die enthusiastisch aufgeregte und die persönlich handelnde: epik, lyrik und drama. 6, 120; die subjective oder sogenannte sentimentale poesie. 49, 59; es gibt eine poesie ohne tropen, die ein einziger tropus ist. 49, 69; die poesie hat in absicht auf gleichniszreden und uneigentlichen ausdruck sehr grosze vortheile vor allen übrigen sprachweisen, denn sie kann sich eines jeden bildes, eines jeden verhältnisses nach ihrer art und bequemlichkeit bedienen. 53, 191; eine uralte, schlichte und bürgerliche meinung ist die, alles in versen geschriebne für poesie zu halten. A. W. Schlegel
vorles. 1, 265, 15
neudruck. —
plural: waferr meine damals gedruckte poeseien freindlich empfangen würden. Weckherlin
vorr. zu den weltl. gedichten; unsers herrn leibarztes poesien zeugen von seinen groszen gaben und mahlen sein menschenliebendes herz ab. Haller 392
Hirzel; sehr jung machte sich hr. von Hagedorn mit seinen (
Englands) poesien bekannt. 399; reizende poesien. 405; patrioten, die .. preise auf gut dänische poesien setzten. J. E. Schlegel
ästhet. u. dramaturg. schriften 226, 20
neudruck; die lust an fremden poesien beweist, dasz keine uns verliehn. Rückert 6, 70. 33)
übertragen auf dinge und verhältnisse im gegensatze zum alltäglichen, nüchternen, prosaischen: der tod ist prosa, sagte meine mutter, der himmel poesie. Hippel 4, 38; der aberglaube ist die poesie des lebens. Göthe 49, 61; im augenblick, wo mir alle prosa zur poesie und alle poesie zur prosa wird.
an frau v. Stein 10.
dec. 1777; seine rosige laune ging fast über in poesie. H. Heine 9, 255. 44)
zusammensetzungen, z. b.: sein (
Guizots) geist ist auch nicht