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plegen

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MNWB
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Eintrag · Mittelniederdeutsches Wb.

¹plēgen stv.

Bd. 2-2, Sp. 1568
1plēgen (plegin, pleyghen), °pleggen (Veghe 37; Geffcken Bilderkat. Beilagen 128), °plēhen (Bamberg. 9), °geplēgen (Engels Unterweis 1, 62, I V. 2127), °pleyen (Meyer Schulgesch. 330), stv. (1. Sg. Ind. Präs. plēge, 2. Sg. Ind. Präs. plechst °plēges [Könemann 247: Wurzgarten, V. 4339], 3. Sg. Ind. Präs. plecht [plegt] °plēcht [pleecht (Nd. Jb. 6, 79; Veghe ? Wyng. 342), pleicht (Wassenberch 29 u. ö.)] °plēget [westl. Belege] °plēch [pleech (Veghe ? Lect. 529)] °pleyt [Könemann 216: Wurzgarten, V. 3208] °plicht [westl. Belege] °plich [Chr. d. d. St. 21, 183], 2. Pl. Ind. Präs. °plēget [Nd. Jb. 69/70, 27], 3. Pl. Ind. Präs. plēgen plēget °plēcht [pleecht (Ostfries. Ub. 2, 155)] °plît [plijt (Nd. Jb. 86, 55), plyt (SL: Hanov. Mscr.)]; 3. Sg. Konj. Präs. plēge; Sg. Imper. Präs. plēge; 1. Sg. Ind. Prät. plach, 3. Sg. Ind. Prät. plach °plac [plack (Zs. Lüb. Gesch. 2, 319; Lüb. Urt. 4, 283)], 3. Pl. Ind. Prät. plêgen plāgen °plōgen [SL: Leben d. h. Franz.]; Part. Prät. [ge]plēgen [ge]plōgen [ge]plāgen; — im Prät. auch mit sw. Formen: 3. Sg. Ind. Prät. plachte °placht [Chr. d. d. St. 35, 1, 26] °plecht [Veghe ? Wyng. 278 u. ö.], 3. Pl. Ind. Prät. plechten °plochten [Oldenb. Ub. 5, 426]; Part. Prät. geplēget): 1. (allg.:) tun, handeln, sich betätigen, ausführen, verrichten, „pleghen edder handelen, temptare” (SL: Hamb. dt.-lat. Gl.). 1.1. eine Tätigkeit ausführen; arbeiten, eine Arbeit ausführen, absol. B. dôtgrāver hĩran gep.-et 4 dāgen (Emder Jb. 5, 5, 130); — ein Handwerk o. ä. betreiben, c. G. r. wullenwerkes p., des mêres p. zur See fahren, Seefahrt betreiben (Könemann 247: Wurzgarten, V. 4339); — eine Fertigkeit praktizieren, ausüben, c. G. r. juncvrouwe wēte gî jennege wēge dat mîn brôder sprēkendes p.-e sê sprak altõhant jâ ik dô ēm de sprāke bekant (Geeraedts 173: Val. u. Nam., V. 1957); des stēkespēles p. am Turnier teilnehmen (Paris und Vienna 18); — ein Amt wahrnehmen, eine Stellung bekleiden, (von Gott:) des ȫversten trô- []nes p. (Apokal. 11, V. 298). 1.2. sich einem Tun, einer Beschäftigung, einem Befinden hingeben, das eigene Leben auf best. Weise gestalten, c. G. r. ik môt noch slâpendes p. (Geeraedts 133: Val. u. Nam., V. 519), alsülker vröuden p. (Schachb. 155, V. 4562), unkü̂schê(i)t p., dat drinkent des wî willen p. dat mö̂te uns got der hêre sēgen (Narrenschyp 54); ȫvermâte p. sich zu viel, zu sehr einer Sache hingeben (Utr. Arzneib. ed. Lindgren 52), des schult tô sô lange p. dat tû sunt wērdest sich so verhalten (ebd.), „Valetudini operam dare, Der gesundtheit plegen” (Chytr.), des bādes nēgen dāge p. neun Tage nacheinander ein Bad nehmen (Utr. Arzneib. ed. Lindgren 59); sich mit etw. befassen, dat vlê(i)sch ... mach des hōves nicht geplēgen den de gê(i)st wil jümmer hēgen (Engels Unterweis. 1, 62, I V. 2127); — einer Anschauung Handlungsmaxime oder Art folgen, c. G./A. r. wîshê(i)t p. sich klug verhalten, benehmen (Narrenschyp 34 u. ö.), sinne p. vernünftig handeln (Schlömer 73, V. 1659), selden der vēle dēgen dê düsser stücke p. die sich auf solche Arten verhalten (Borchling RB 1, 212), hê plecht al sîner ōlden lêre (RV 181, V. 5152), altes nēmen unde gēven nicht is grôt schande wê des plicht (Leyen Doctr. ed. Ljunggren 226), wor men rechtichê(i)t nicht en plicht sēker dâr en is got nicht (ebd. 207); — einem Umstand unterworfen sein, damit leben, angstes p. Angst haben, Angst bekommen, grôter armôde p. sehr arm sein, ên dörper dörperhê(i)de plecht (G. v. M. ed. Seelmann 39); — al dat schö̂ner vēderen plecht alle (Vögel) die schöne Federn zur Schau tragen (G. v. M. ed. Seelmann 65). 1.3. sich um etw. bemühen, kümmern, sich für etw. einsetzen, c. G./A. r. „Pleghen alse he kan des nicht pleghen nonvacare” (Voc. Strals. ed. Damme); — etw. ausführen, vorantreiben, (mit unpersönl. Subj.:) wat dat vēle bö̂ses plecht Böses fördern, ermöglichen (Schachb. 25, V. 558), wê den dê rôves p.-et (Könemann 321: Reimbibel IV, V. 82), etw. mit Vorsatz betreiben, ausüben, dewîle hê tô sölker undât rât und dât geplāgen heft (Livl. Güter-Uk. 2, 448), dat kîvent und unwillen sô J. B. und C. H. ... geö̂vet und gep.-et hadden (J. Brandis 47). 1.4. eine Angelegenheit besprechen, beraten, abschließen; handelinge p. Beratungen, Verhandlungen führen, wô alle geplēgene handelinge lutter bodrôch und valshê(i)t is (Brem. Jb. 17, 171), de twêdracht ... is geslōten unde plōgen der Streit ist bereinigt (Strals. Lib. mem. 6, 123); — rēkenschap p. die Abrechnung, Begleichung vornehmen (RA Stockholm 2); doch willen de hêren in der borch uns antwērden unde wandel p. van []hêrn J. E.s wēgene uppe alsôdâne schülde dâr wî ȫme ümme tôtõsprēkende hebben Besserung leisten (Chr. d. d. St. 16, 60); — (häufig in der Vbdg.:) râdes/rât p. c. D. p. Rat geben, sich mit jemdm. beraten, oft unse amptman richte unde ōrdê(i)ler in jēnigerleye stücken ... twîfelhaftich wörden sô schȫlen sê deshalven râdes p. bî unsen rêderen (Bamberg. 9). 1.5. auf jemdn./etw. einwirken, in best. Weise behandeln, (in der Vbdg.:) tô rechte p. in die rechte Ordnung bringen, „Ick blef ßo stande vil na enen dach | | Er ick mine dancken to rechte plach | | Vmme desse vorgeschreuen stuck” (Danske Rimkrønike 3, 117); — mit jemdm. engen Kontakt halten, freundschaftlichen Umgang haben, c. A. p. „De de schone juncvrauwen plegen will | | Unde suverke perde riden will, | | De behoffet woll sulver unde golt in der taschen, | | Win unde krud in der vlasschen” (Nd. Jb. 31, 47). 1.6. eine Angelegenheit der rechtl. Behandlung zuweisen, rechtl. verhandeln, men wille rechtlĩkes bewîses nâch gelēgenhê(i)t der sāke mit uns p. (Münst. Täufer 1, 425); (bes. in der Vbdg.:) rechtes p. der rechtl. Behandlung eines Sachverhaltes stattgeben, vor Gericht gehen, sich richterlicher Gewalt unterwerfen, binnen düsser stat schal ên îslĩk man rechtes p. ümme schult dê ēme gegēven wert vȫr gerichte sich als Beklagter gerichtl., im Rechtsverfahren verantworten (Hamb. StR ed. Reincke 89), c. D. p. sich gegenüber jemdm. vor Gericht rechtfertigen, Genüge tun, sô scholde hê ȫme rechtes p. vȫr gerichte (Rint. Stat. C, 91); Recht über jemdn. sprechen, richten, ên manrichter is schüldich ênem jēdern dewîle hê richter is rechtes upt anvȫrderigent tô p. (Rig. StR ed. Oelrichs 157), c. Präp. ȫver + A. p. sô schȫle wî dãrnâ binnen vêr wēkenen rechtes p. ȫver de ûse nâ swerîneschen rechte unde de râtman tô Lü̂beke ȫver de ēre nâ lü̂beschen rechte (Meckl. Ub. 15, 485); entsprechend der Normen eines Rechtssystems handeln, (als Rechterteilender:) hê sal dâr lê(e)nrechtes sînen manne unde sînen kinderen af p. nach den Bestimmungen des Lehnrechtes handeln, richten (Ssp. 1, I 56), (als Rechtempfangender:) de wîle ne darf hê īme nicht dênen noch lê(e)nrechtes p. (Ssp. 2, 1, 4 § 5); (häufig auch in der Vbdg.:) êre und recht(es) p. c. D. p. jemdm. rechtl. Genüge tun, it enwêre dat ... uns van den vȫrgnanten hêren êre und rechtes geplōgen wêre Buße und Rechenschaft getan (Ub. Magdebg. 2, 523); ēn gelîkes und rechts p. Billigkeit und Recht gewähren, Folgschaft leisten, sich unterordnen (Riedel III 3, 97); antwērdes p. Rechenschaft ablegen, einen Nachweis führen (Ub. Hildesh. 2, 352). []2. zum Vorteil, Nutzen von jemdm./etw. handeln, sich sorgend um jemdn./etw. bemühen. 2.1. die Versorgung, Ausstattung mit etw. sichern, c. G./A. r. schal hê p. in dēme kelre kōlen unde lichtes wo vēle dat mens behö̂vet (Lüb. Ub. 4, 128), wîn was unde oblâten êwich tô p.e tô der vȫrsprōkenen vicârie (Meckl. Ub. 13, 424); (häufig in der Vbdg.:) der nôttroft p. den Unterhalt sichern, wen hê sô vil heft irkrēgen dat hê sîner nôttroft mach p. (Leyen Doctr. ed. Ljunggren 192). 2.2. jemdn. fürsorglich, freundlich behandeln, c. D. p. de herre lêt īre dô p. mit michelen êren (Sächs. Wchr. 141), c. G. r. dat sê unde dat ganse ampt ēn dankeden ērer êre unde rēdelichê(i)t der sê ēn plōgen hadden (Lüb. Ub. 6, 594). 2.3. jemdm. eine Leistung gewähren, c. G./A. r. + D. p. dâr men uns audientie p. wolde (Hanserec. III 8, 183), sô scholde de perner de kerken upslûten unde den parrelü̂den goddes dênstes p. den Gottesdienst abhalten (Chr. d. d. St. 16, 41). 2.4. jemdn./etw. versorgen, c. D. p./r. dê heft mî êrlĩken plōgen (Katharinenleg. 144, V. 1398), c. G./A. r. ôk schal dejenne dê dat hûs heft Tîleken vü̂rwerkes p. tô sînem behōve mit Brennholz versorgen (Brschw. Beisp. ed. Mack 9), gelüchte unde andere nôtorft dem goddeshûse ... p. (Chr. d. d. St. 16, 16), dēme kinde p. des ēme nôt is (Ub. Brschwg. 5, 479); ausstatten, zur Verfügung stellen, E. unde S. scholden p. dēme ganzen hēre köye swîne schâp unde botteren (Brem. Chr. 126), (für den gerichtl. Zweikampf:) di richtere sal ôk p. ênes schildes unde ênes swērdes dēme den man dâ schüldeget of he 's bedarf (Ssp. 1, I 63 § 3); jemdm. etw. darreichen, zukommen lassen, drey gerichte ... als men kranken p.-et (Hedberg 125: Epistola), dê (twê mark geldes) schal Johan van dem Lô ēre brôder mānen unde ēr van senden unde p. dat jâr ȫver wes men dãrvan tü̂gen kan (Ub. Ebstorf 345); (übertr.:) den knecht dê wedderspônich is ... dem mot men wol der slēge p. (SL: Eccles.). 2.5. Speisen und Getränke vorsetzen, „Pleghen Re. spisen anrichten” (Voc. Strals. ed. Damme); c. G./D./A. p. jemdn. mit Speisen und Getränken versorgen, bewirten, dâr bat hê p. wol der gesten (Geeraedts 120: Val. u. Nam., V. 3), dat ēren vründen wērde wol geplōgen (Rint. Stat. A, 63), geste p. (Tönnies Fenne 2, 143), de rât ... entvengen den ridder ... unde plêgen sîner mit wîne unde mit krûde (Brem. Chr. 71). 2.6. jemdm. zur Hand gehen, aufwarten, jemdn. bedienen, c. D. p. „Pleghen alse ik wil em pleghen ministrare porrigere amministrare” (Voc. Strals. ed. Damme), dat sê ȫr êne []lange tît hantrê(i)kunc gedân und ȫr mit wischen und waschen und sünst wol geplōgen (Brschw. Test. Neustadt 196; 1561). 2.7. jemdn./etw. betreuen, hegen, sich um jemdn./etw. kümmern, c. G./D./A. p./r. dewîle nêmant sîn ê(i)gen vlê(i)sch gehātet heft sondern hê it ernēret und sîner p.-et (Nic. Gryse Laienbibel 1, K 4), der sêle p. geistl. Betreuung zukommen lassen, Seelmessen lesen lassen, of hê īn genâdich wêre unde īres kôpes p.-e ob er (der Gott Merkur) für ihren Kaufhandel eine Schutzfunktion übernähme (Sächs. Wchr. 80); — (Kinder) aufziehen, erziehen, dat sü̂ wolde sînes sȫnes p. unde tucht lêren (Sächs. Wchr. 141), ik hân dî als ênes kindes de mûter plecht wente hēr geplōgen sô gûtlĩk ûf van kinde getōgen (Nd. Jb. 8, 46); — (Tiere) hüten, den swînen p. (Josep ed. Schütz 188, V. 4848); — jemdn. bei Krankheit pflegen, sîner p. sô lange dat hê genēse ēder sterve (Ub. Hildesh. 4, 375), ên knecht sô dâr krank würde ... van de krôchvader und -môder gep.-et muchte wērden (Zs. Hamb. Gesch. 6, 528: Hamburg nach 1620); — refl. c. D. p. sich etw. zum Vorteil gereichen lassen, wô wil ik mî dâr wedder p. wie will ich es mir gut gehen lassen (Schlue Isaac 78), c. G. r. ik ... wil mî gûder dāge p. ich will mir eine schöne Zeit machen (Verl. Sohn 23, V. 566), nû wil ik mî des besten p. nun will ich das Beste daraus machen (Fastnachtsp. 11). 2.8. einen ethischen rechtlichen oder sozialen Leistungsanspruch erfüllen, c. G./A. r. + D. p. ērem hêren dênstes p. (Rig. StR ed. Oelrichs 91); — absol. Leistungen in einem Nutzungs-, Lehnsverhältnis erbringen, derdehalven morgen (Ackerland) ... is itsundes brak unde H. W. seyget it unde wil dãrvan p. (Ub. Hameln 2, 440), (passiv.:) zu Leistungen oder Abgaben in einem Nutzungs-, Lehnsverhältnis verpflichtet sein, twê hôven landes unde ê(i)nen hof ... dãrvon sê wêren bischup W. in ê(i)den geplēgen (Nd. Reimchr. ed. Mante 42, V. 1020); — die üblichen Leistungen innerhalb einer Gemeinschaft erbringen, c. G. r. (zur Angabe der Leistung:) welk börger ... plecht hîr inne (in der Stadt) schōtes unde rechtes (Ub. Brschwg. 1, 116), wāken unde bûrkȫres p. alsô andere börgere die Bürgerpflicht(en) leisten (Ub. Hameln 1, 122), (zur Angabe des Nutznießers:) der gelde p. den üblichen durch Mitgliedschaft in einer Gilde erwachsenen Verpflichtungen nachkommen (Rint. Stat. A, 68); — °ên banner p. Heerfolge leisten, di Vrêsen endörven nê(i)nes hêren banner vȫrder p. den keyser tô hülpe dan ôstwērt tô der Wêsere (Ostfries. Rqu. ed. Richthofen 17, Anm. 12); — vgl. 2plēgen. 2.9. eine materielle Schuld, Verpflichtung gegen jemdn. haben, c. D. p. dat hê ēme nicht []mêr p.-e van der selschop wēgen daß er ihm nicht mehr schuldig, zu nichts mehr verpflichtet sei (Lüb. StR ed. Hach 558); — vgl. 2plēgen. 2.10. mit unpersönl. Subj. + D. p. zum Vorteil gereichen, sich geziemen, dô alsô dî plecht (Speisen) antõrichtende vȫr hêren unde vȫr vörsten (Brschw. Jb. 37, 40). 3. c. Inf. (seltener c. G. r. durch relativischen Anschluß) eine Gewohnheit, Art haben, gewohnt sein, üblich sein, „Pleghen alse he plecht dat to dunde solere solescere” (Voc. Strals. ed. Damme), „solere, conswessere” (SL: Hamb. dt.-lat. Gl.), „Solere, as-, in-” (De Man 236). 3.1. (zur Kennzeichnung eines fortwährenden oder wiederholt eintretenden Zustandes). — 3.1.1. (durativ:) einen Zustand, eine Eigenschaft aufweisen, (zur Kennzeichnung der Kontinuität:) N. de stat plach dâr tô stânde befand sich immer, von jeher dort (Mandeville 83), de stat plach L. tô hê(i)tene (ebd. 88); (zur Kennzeichnung eines vergangenen Zustandes:) gewöhnlich, immer so gewesen sein, dâr de drö̂ge grāve io plach tô sînde (J. Brandis 35), sôdâne vrîhê(i)t alse hê plach tô hebbende unde hadde imme hûse unde hāgen (Lüb. Oberstb. 360), (als Titel eines Schauspiels:) t'is vorkêrt dat plach sîn nichts ist mehr wie es war (Nd. Jb. 6, 5); — (häufig in der Vbdg.:) tô wēsen(de)/sîn p. üblicherweise erscheinen, die gewöhnliche Art, Erscheinung zeigen, ēre antlât is denne anders geverwet wen it stêdes plecht tô wēsende (Goth. Arzneib. 126), dat dat stalbergesche eggestâl ... is sêre vorergert unde sô gût nicht alse it wēsen scholde unde alse it vȫrmals plach tô wēsende (Lüb. Ub. 9, 230), dâr sê ê(i)nvōldich p. tô wēsende mö̂ten sê nû dubbelt gēven (Hanserec. III 2, 373); — (zur Kennzeichnung des Bekanntheitsgrades einer Eigenschaft:) sik tô hebbende p. sich auf eine best. bekannte Art verhalten, alse ên dul minsche ... sik plecht tô hebbende dê van sînen sinnen nicht wê(i)t (Pyl Pomm. Rechtsgesch. 2, 75). — 3.1.2. (iterativ:) wiederholt, regelmäßig einem Zustand, einer Eigenschaft unterworfen sein; (zu einer Krankheit) neigen, wê grôte starke hitte tô hebbende plecht (Prompt. med. ed. Seidensticker 132), beswȫgen wê des plecht (ebd. 297). 3.2. (zur Kennzeichnung einer fortwährenden Handlungsweise oder wiederholten Tätigkeit). — 3.2.1. (durativ:) etw. fortwährend, immer tun, c. G. r. unse kȫninc plecht des macht dies immer so (Bruns Gedichte 351 = Alexander 42), up mîn pērt unde harnsch plach ik mî tô vorlâten (Lüb. Tot. 73, V. 1259); (zur Kennzeichnung der Gewohntheit, Vertrautheit eines Verhaltens:) dat schap dâr []de kēmeners ēr tü̂ch p. in tô hebben (Stieda- Mettig 586), êne wāterslangen dê in dem wāter plecht tô wōnende (Stockh. Arzneib. 136); (zur Kennzeichnung der unbestimmten Dauer einer Handlung:) dê êrdāges ... schrîver ... plachte tô sîn der seinerzeit Schreiber war (Beninga ed. Hahn 1, 431). — 3.2.2. (iterativ:) etw. wiederholt, regelmäßig tun, (zur Kennzeichnung der Häufigkeit des Auftretens, der Erwartbarkeit; im Sprw.:) des nachtes dê wol slâpen plecht dê dâr ên gût gewēten heft (Nic. Gryse Laienbibel 1, X 1), (mit unpersönl. Subj.:) bledderen in dem munde ... dê den jungen kinderen vāken plēgen tô wērdende (Garde der Suntheit 1492 b 7r); (zur Kennzeichnung der Regelmäßigkeit oder Gewohnheit:) alse hê plach tô dônde wie er es gewöhnlich tat, düsses hadde sê geplēgen van kinthê(i)t (Elisabeth 73), sê wuste wor hê plach tô gân (RV 45, V. 1125), hê plach gērne vȫgel tô vangen (Geismar Chr. 42), dû lüchst wal als dû vāken plechst (Osnabr. O. 63, V. 16), dê plach vēl hîr bî uns tô sînde hielt sich häufig bei uns auf (J. Brandis 179), dû plechst doch gērne tô danzen unde tô springen (Lüb. Tot. 76, V. 1329), (mit unpersönl. Subj.:) dit plecht dēgelĩk geschên (Leyen Doctr. ed. Ljunggren 149 u. ö.); (zur Kennzeichnung der Gewöhnlichkeit, Überkommenheit:) êne stēde ... in unsen kerken dâr de vrouwen p.-et tô stânde (Fahne Dortmund 2, 2, 106), wan ên grôt strît geslāgen is sô plecht me dâr lêde unde senge up tô dichtende (Mante Geb. 80), alse men van ōldinges heft geplōgen wie man es von jeher getan hat (Schl.-H.-L. Reg. u. Uk. 6, 609), alle de mölnere dâr ûse börgere tô mālende p.-et (Ub. Hildesh. 1, 459); (zur Kennzeichnung der Üblichkeit, Legitimität einer Handlung:) dêre dê me tô ētende plecht (Prompt. med. ed. Seidensticker 239); (zur Kennzeichnung der übergreifenden, allgemein anerkannten Gültigkeit einer Aussage oder eines Sachverhalts:) mit ênem rēgele den me plecht vȫr êne dȫr tô stēken (Geismar Chr. 83), dâr men de gü̂dere mēde plecht tô beswârende (Neuw. Kop. 185), sô lange alse me ên junc hôn/eygere plecht tô sêdende; (metasprachlich zur Ankündigung einer feststehenden Aussage, einer wiederholten festen Meinung:) tô seggen(de) p., (bes. zur Ankündigung eines Sprws., einer Rda.:) alse men plecht tô seggende (Nic. Gryse Laienbibel 3, Q 3r), dãhēr heft D. Luther plēgen tô seggende (ebd. 1, F 2r). 4. (zur Verstärkung einer Verbalaussage:) tatsächlich, bestimmt etw. tun, wôwol ik dâr nicht plach tô wēsen obwohl ich sicher dort nicht anwesend war (Kruse 31).
17322 Zeichen · 730 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    plegen

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +3 Parallelbelege

    plegen, st. (selten sw.) v. 1. mit Gen. (selten Acc.) pflegen, mit einem oder etwas zu thun haben, sich dauernd womit be…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit plegen

7 Bildungen · 2 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

plegen‑ als Erstglied (2 von 2)

plegende

KöblerMnd

plegende , (Part. Präs.=)Adj. Vw.: s. plēgent*

plēgendwanc

MNWB

plegen·dwanc

° plēgendwanc , m. : Abgabe-, Zinspflicht, âne allen dênst edder p. (Nd. Reimchr. ed. Mante 46, V. 1112).

plegen als Zweitglied (3 von 3)

bortplegen

DWB

bort·plegen

bortplegen , limbo ornare, bordieren: alle kleider darnach verbrämet, gesaumet, berandet, beleistet, gebortpleget. Garg. 122 a , scheint ein…

vorplegen

LW

vor·plegen

vorplegen, st. v. m. Gen.: zu thun pflegen, sich mit etwas gewohnheitsmässig beschäftigen; m. Dat. d. P. u. Gen. (Acc.) d. S.: verpflegen, v…

Ableitungen von plegen (2 von 2)

verplegen

KöblerMnd

verplegen , st. V. Vw.: s. vörplēgen*