Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Philister m.
Philister m.
Philister m. ‘kleinbürgerlich-engstirniger Mensch, Spießbürger’. In der Bibel sind Philister Plur. (Luther; zuvor auch Philistier, Philistiner nach kirchenlat. Philistaeī, Philistīnī, Vulgata) die Angehörigen eines nichtsemitischen Volkes an der Küste Palästinas, eines Nachbarvolkes der Israeliten, nach dem Alten Testament die Feinde des von Gott auserwählten Volkes der Juden. Zugrunde liegt hebr. (Plur.) Pelištīm, eigentlich ‘Einwanderer’. In den Streitschriften des späteren 16. Jh. und des 17. Jhs. werden die Gegner von Gottes Wort Philister genannt. In der Sprache der Studenten, besonders der sich als Gottes auserwählte Schar empfindenden Theologiestudenten, wird die Bezeichnung auf deren Feinde, die ‘Stadtsoldaten’ und ‘Polizisten’ (in Jena 1687, in anderen Universitätsstädten im 18. Jh. bezeugt), dann auf den ‘Nichtakademiker’ und den ‘im Berufsleben stehenden Alten Herrn’ übertragen. Von daher dringt das Wort in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in die Literatursprache (Goethe) und steht für den ‘kleinbürgerlichen, beschränkten Geist, den Bürger mit enger, bedächtiger, ängstlicher Lebensauffassung, den Spießer’. – philiströs Adj. ‘philisterhaft, kleinbürgerlich-engstirnig, beschränkt, spießig’ (19. Jh.), französierende Bildung.