nothdürftig,
adj. und adv. ,
mhd. nôtdürftic,
md. nôtdorftig,
mnd. nôttroftich
und nôtdrustich,
nl. nooddruftig.
vergl. dürftig, bedürftig. 11)
einer sache oder person dringend benöthigt, bedürftig. 1@aa)
mit genetiv: mhd. sô solt ouch du besorgen mich an allem dem, des dîn geheiʒ nôtdürftic mich ellenden weiʒ.
Reinfr. von Braunschweig 14738;
nhd. besonders im 16.
jahrh.: das du so vil müe, arbeit und zubereitens nottürftig bist. Steinhöwel (1489) 108
b; ob er des ganzen arms oder des elenbogen oder des geleichs (
gliedes) beider hend nottürftig sei. Braunschweig
chir. (1498) 16
a; desz, so man in den zirkeln .. nothdurftig sein wird.
reichsabschied von 1512, iii, § 4; sonderlich so der keuffer .. solchs kauffs nicht notdürftig ist. Luther 1, 194
b; herwiderumb ist der thor keins dings notdürftig. Frank
chron. 131
a; du schwörest, der mensch wer nieszwurz nottürftig, das er das hirn feget.
moriae encomion 58
a; und seind sie unser nottürftig.
Aimon K; warmit kanst du eim herren dien? wann eins knechts ich nottürftig bin. H. Sachs 13, 267, 24; wir aber wöllen mit guter anzahl reuter auff dem groszen markt halten, die, so es nottürftig sein wird, zu entschütten.
Amadis 6, 258; so war ich der göttlichen hilff nottürftig bin. 512; guter hülffe ist er allezeit nottürftig.
buch d. liebe 28
b; denn sie eines solchen ritters wol nottürftig wer. 270
a; welcher burger solches zeugs notturftig.
österr. weisth. 6, 213, 18 (16.
jh.); wo zwo wiesen .. aines zaun notturftig sein. 239, 17; ist es gleich mancher nicht werth, so ist es doch nothdürftig der gutthat.
comment. zum Simplic. 1, 720. 1@bb)
statt des genetivs des, wes
steht auch der accusativ das, was
wie bei bedürfen,
vergl. bedürftig
mit accus. th. 1, 1240: ein glid, das der mensch nottürftig sei oder nit. Braunschweig
chir. (1498) 14
a; so luog zuo stundt, das berait sei alle beraitschaft, die du notturftig bist. (1539) 99; so will ich die weil einkauffen, was ich dann ietz notdurftig bin.
Teuerdank 52, 9; er belohnt ihn auch gar ehrlich, das denn der thorwärter gar nottürftig war.
buch d. l. 20
d; was die herrschaft selb nit notturftig ist.
österr. weisth. 6, 146, 21 (16.
jh.). 1@cc) nothdürftig an: so du auch etwas nottürftig bist an gewand oder gelt, wil ich dir genugsam verschaffen.
Galmy 196. 1@dd)
mit nachsatz oder infinitiv: die achseln sint gemacht von starken painen darumb, daʒ der mensch nôtdürftig ist, daʒ er an der stat stark sei. Megenberg 19, 12; wer ich nothdürftig je zu zeiten, mich mit einem psalm zu trösten. Luther 3, 415
a; ihr aber ... seid besonders wol notdürftig, dasz ihr hart an dem evangelio der gnaden hanget.
briefe 2, 393. 22)
unentbehrlich nöthig, nothwendig, necessarius Dief. 377
b. 2@aa)
mhd. mir ist eines dinges
oder ein dinc nôtdürftic
statt des älteren mir ist nôt (
s.noth
C, I): eins guoten halsbergeswær mir sicherlîch harte nôtdurftic.
Wolfdietr. Dvii 180, 4
u. anm.; die augenprâwe sint den augen nôtdurftig. Megenberg 10, 21;
nhd. soviel euch wassers nottürftig ist. Kirchhof
wendunm. 226
b; was ainem jeden in sein hausz notturftig ist, des soll ime .. zu kaufen erlaubt sein.
österr. weisth. 6, 482, 21 (16.
jh.); wir bitten umbs laub und umb das grasz, und umb alles was uns nothdürftig was. Corner,
Kehrein kirchenl. 1, 536, 10; nothdürftig zu: lehr uns was nottürftig ist zur seligkeit. Leisentrit
bei Kehrein 1, 274, 3.
[] 2@bb)
ohne dativ, prädicativ und attributiv, von sachen oder personen: mhd. eʒ ist gar nôtdurftic, daʒ.
der veter buch 18, 15; der nôtdürftige (
var. nôtdürftigste) teil.
Barlaam 148, 3; der nôtdürftigste rât. 200, 34; nôtdürftige stege machen. R. v. Ems
Wilh. v. Orl. 15514;
nhd. prädicativ: das auf die stett (
allsogleich) notturftig ist. B. Zink 64, 20; aber ein ding ist notdurftig.
bibel von 1483 502
b (eines aber ist not
Luc. 10, 42); der schumacher ist also notdürftig mit seinem werk in der heiligen christenheit als der pabst. Keisersberg
seelenp. 191
a;
attributiv: wol man semlich notdurftig dinge in den husern .. verkauffen und veil han. Schreiber
urkundenb. 2, 177 (
vom j. 1402); nicht gib mir den bettel und reichtumb, gib mir allein notdürftig ding.
bibel von 1483 305
b (armut und reichthum gib mir nicht, las mich aber mein bescheiden teil speise da hin nemen.
spr. Sal. 30, 8); notturftige kleidung. Schwarzenberg
Cicero de offic. 62
b; der reichlich alles fleisch erneret, und ihm nottürftig speis bescheret. Ulenberg,
Kehrein kirchenl. 2, 261, 24; die notdurftigen articl verlesen.
österr. weisth. 1, 153, 18 (
vom j. 1585); hab ich so viel unnötige sachen gekauft, dasz ich jetzunder an den nottürftigen ermangle. Schuppius 760; die natur hat uns zu allen nohtdürftigen dingen den willen mit gegeben, nicht, das wir demselben nachfolgen, sondern dasz uns diejenigen dinge, ohne welche wir sonst nicht leben können, desto anmuttiger würden, wann unser wille mit dazu kehme. Butschky
Patm. 55 (33); dasz es jedes orts an nothdürftigem saltze ... nicht ermangelen solle. Grefe
der Lüneburger saline salzdebit 34 (
vom j. 1685); eben so wollte er auch bei instrumentalmusiken die orchester so viel als möglich versteckt haben, weil man durch die mechanischen bemühungen und durch die nothdürftigen, immer seltsamen gebärden der instrumentenspieler so sehr zerstreut und verwirrt werde. Göthe 20, 203. 2@cc)
substantivisch das nothdürftige: die ausschmückung des nothdürftigen verräth schon den anfang der civilisation. Schiller 10, 43. 2@dd)
adv. nothwendiger, nöthiger weise: daraus musz notturftig folgen, das. Melanchthon
apol. augsb. conf. 231; da sollten die sachen nothdürftig (
wie es nöthig ist) gehöret und verglichen .. werden. Schweinichen 1, 147. 33)
nicht übermäszig, aber hinreichend und genügend. 3@aa)
adjectiv: die dienstboten sollen mit nothdürftiger und zimlicher speise und tranck vor lieb nehmen. Schuppius 350; nicht überflüssigen sondern nothdurftigen unterhalt schaffen. 579. 3@bb)
adverb: soll nottürftig (
gehörig, verdienter maszen) gestrafft werden.
österr. weisth. 1, 273, 12 (18.
jh.). 44)
nur zur noth befriedigend, kaum hinreichend und genügend, kümmerlich. 4@aa)
adjectiv: sie hat vom kleinen reste des mehlkorbs und des ölkrugs das letzte nothdürftige mahl bereitet. Lenz 3, 23; Wieland lebt in Osmanstadt mit dem nothdürftigen selbstbetruge. Göthe 43, 16 (
vergl. 26, 170
H. aus den tag- und jahresheften von 1798: Wieland hatte nicht bedacht ..., dasz er unsrer herzogin Amalia und sie ihm zum lebensumgang völlig unentbehrlich geworden. aus jener entfernung entstand denn ein ganz wunderbares hin- und wiedersenden von reitenden und wandernden boten, zugleich auch eine gewisse, kaum zu beschwichtigende unruhe); mit einer nothdürftigen verbeugung wandte sie sich weg. 17, 119; eine nothdürftige verstärkung. Schlosser
weltgesch. 3, 387. 4@bb)
adv. nothdürftig leben, erhalten, nothdürftig gekleidet sein
u. dergl.: wie ... die bürger sich nur nothdürftig dran (
an die ehemaligen burgen der adeligen) herumbauten. Göthe 43, 42; da er das buch richtig (
nicht umgekehrt) hielt und notdürftig las. J. Paul
leben Fibels 25; kaum weisz ich rath, dein eignes königliches haus nothdürftig nur, nicht fürstlich, zu erhalten. Schiller 13, 192 (
jungfr. von Orleans 1, 2). 55)
an unentbehrlichem mangel habend, in noth lebend, arm, dürftig, indigens Dief. 294
b, notdürftig sein,
egere 196
c: der edeln frawen, als die da notturftig was, der greffin verheiszen wol gefiele.
Bocc. 231, 1
K. (die arme edle frawe 230, 15); feind und beschediger der notturftigen. Schwarzenberg
Cicero de offic. 56
a; der thut den nothdurftigen gutes, der da selbst fürchtet, er möchte dermahleins in noth gerathen.
[] pers. baumg. 2, 1; lege itzo, da du was hast, bei vor den nothdürftigen tag. 2, 4; sich der nothdürftigen annehmen. Schuppius 151; der dienst eines leuchtthurm-wächters aber ist der allerbeschwerlichste, zu dem sich nur nothdürftige menschen verstehen. Börne 1, 74.