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Niëllo

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Niëllo

Bd. 14, Sp. 671
Niëllo (ital., v. lat. nigellus, schwärzlich), Verzierung auf Silber, seltener auf Gold, in neuerer Zeit auch auf Kupfer, Bronze, Zinn oder einer weißen Legierung, besteht in eingravierten oder durch Stahlplatten eingepreßten, mit einer schwarzen Metallmischung aus Kupfer, Blei und Schwefel oder mit Lackmasse ausgefüllten Zeichnungen. Nach Plinius sollen die Ägypter diese Metallmischung aus Silber und Schwefel zu gleichen Teilen und 1/3 Kupfer dargestellt haben. Im Mittelalter und in der Renaissancezeit setzte man der Masse auch Blei hinzu. Man schmelzt die Mischung, pulvert sie nach dem Erstarren, bedeckt damit das zu niellierende Metall, das mit schwacher Boraxlösung angefeuchtet wurde, und erhitzt es, bis das Pulver geschmolzen ist. Von dem erkalteten Metall wird die schwarze Masse abgeschabt, so daß nur die vertieften Stellen noch davon erfüllt bleiben. Endlich wird das Ganze abgeschliffen und poliert. Zur Herstellung von galvanoplastischem N. überzieht man die Metallgegenstände mit Ätzgrund, graviert in letztern Zeichnungen und vertieft diese durch Ätzen. Dann füllt man die Züge galvanoplastisch mit Kupfer, wäscht den Ätzgrund ab und schleift und poliert die Oberfläche. Die Goldschmiede nahmen von den Gravierungen Abdrücke in Schwefel oder auf Papier, um den Fortschritt des Ätzens zu kontrollieren, und auf diese Weise sollen die in verschiedenen Kupferstichsammlungen aufbewahrten Niellen, die man fälschlich mit der Vorgeschichte der Kupferstecherkunst (s. d.) in Verbindung gebracht hat, entstanden sein; doch sind diese Niellen meist verdächtig, und es handelt sich wohl nur um spätere Abdrücke von Kupferplatten, deren Gravierungen sich von schwarzem Grund abheben. Das N. wurde im Mittelalter zur Verzierung von allerlei Gegenständen angewandt, und im 15. Jahrh. blühte die Kunst besonders in Italien, wo Finiguerra (s. d.) ein hervorragender Meister war. Vom 16. Jahrh. an verschwand das N. allmählich aus der europäischen Goldschmiedekunst, während es im Kaukasus zur Verzierung silberbeschlagener Waffen sich erhielt. Gegenwärtig hat die Nielloarbeit ihren Hauptsitz im Innern von Rußland und in Indien. Am bekanntesten sind die in Tula in Rußland verfertigten silbernen Tabaksdosen, Schmuckwaren etc. (Tulametall, Tulaware), vorzüglicher aber sind die Fabrikate von Wologda und Ustjug Weliki. Eine besondere Anwendung findet das N. zur schwarzen Ausfüllung der Ziffern und Teilstriche des Minutenkreises auf metallenen Uhrzifferblättern sowie zur Emaillierung goldener Uhrgehäuse. Seit Mitte des 19. Jahrh. fertigte Wien viel Tulawaren, und Lustig erfand ein Verfahren, nach dem mit dem N. Einlagen von mehrfarbigem Gold verbunden wurden (Goldmosaik). S. auch Tafel »Ornamente IV«, Fig. 10. Vgl. die Schriften von Benvenuto Cellini (s. d.) und Duchesne, Essai sur les nielles, gravures des orfèvres florentins du XV. siècle (Par. 1826). – Niëlleur (spr. -lör), Niellierer, Verfertiger von Nielloarbeiten.
2950 Zeichen · 45 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Niello

    Goethe-Wörterbuch

    Niello neutr, vereinzelt mask; pl ‘Niellen’ 1 Schwarzschmelz, dunkle Legierung aus Silber, Kupfer, Blei, Schwefel u Bora…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Niëllo

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Niëllo (ital., v. lat. nigellus , schwärzlich), Verzierung auf Silber, seltener auf Gold, in neuerer Zeit auch auf Kupfe…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit niello

3 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

niello‑ als Erstglied (3 von 3)

Nielloarbeiten

Herder

niello·arbeiten

Nielloarbeiten , Verzierungen, in Gold oder Silber eingegraben und mit einer schwarzen Masse wieder ausgefüllt; im 14. und 15. Jahrh. in Ita…

Nielloprozeß

GWB

niello·prozess

Nielloprozeß -c- zu ‘Niello’ 2 kann ich..sagen, daß mir der N. zu complicirt scheint. Cellini nimmt dazu nur das reinste Silber und Schwefel…

Niellorezept

GWB

niello·rezept

Niellorezept -c- für: Angabe der Zusammensetzung (u zugl Anleitung zur Herstellung) einer Niello-Legierung, -Schmelzmasse B22,370,13 Meyer 2…

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Cotta, M. (2026). „niello". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/niello/meyers
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Cotta, Marcel. „niello". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/niello/meyers. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „niello". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/niello/meyers.
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