Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
murzilingûn
3 (in 6 Hss., 10.–12. Jh.): ‚ganz und gar, los-
gelöst, abgeschnitten; absolute‘. Das Adv. ist
ein versteinerter Dat.Pl. zu einer Ableitung auf
-iling (s. d.) zu einem nicht belegten ahd.
*murz. – Das Grundwort des abgeleiteten Adv.
ist fortgesetzt in mhd. murzes adv. gen.sg.
‚gänzlich, bis aufs letzte Stück‘ zu murz st.m.
‚Stummel, kurzes, abgeschnittenes Stück‘, früh-
nhd. murz ‚glatt weg‘, nhd. dial. tirol. murz- in
murzlār ‚ganz leer‘ etc., bair. (frk.) murz-
ab, murzauseinander ‚ganz und gar, entzwei‘,
rhein. murz adv. ‚sofort, schnell, bald, kürz-
lich‘, schweiz. murz adv. ‚gänzlich‘, z’murz
verrīben u. ä. ‚zu Staub, ganz und gar zer-
reiben‘, als Ableitungen schweiz. vermürzen
‚mullen, locker werden‘, schwäb. murz adv.
‚ganz‘, vorarlb. murtsch adv. ‚ganz, voll-
ständig‘, hess. murzeln ‚kurz und ungeschickt
mit einem stumpfen Gerät abschneiden‘, west-
f. murzkàld ‚sehr kalt‘, schles. murds adv.
‚sehr‘, Murz ‚Speckschwarte‘ (< *‚abgeschnit-
tenes Stück‘), murzig adv. ‚vollends‘. In Dial.
mit Übergang -u- > -o- kommt es bisweilen zur
Vermengung mit der verstärkenden Pkl. bzw.
dem KVG nhd. ugs. mords ‚sehr, viel, groß‘
(z. B. Mordslüge ‚unglaubliche Lüge‘) < gen.
sg. Mord(e)s (s. mord). Zugehörig ist auch ndd.
murt ‚das klein Zerriebene‘, murten ‚zerrei-
ben, zerstoßen‘.