mummerei,
f. vermummung, verkleidung. 11)
es ist ursprünglich, wie das verbum mummen
auch, ein fastnachtswort, bald übertragen auf die maskerade an sonstigen fröhlichen und festlichen gelegenheiten: niederl. mommerije,
pompa larvata, larvae Kilian,
wol erst in dem üppigen 15.
jh. in flor gekommen, und wenn man von der oft vorkommenden form mommerei
schlieszen darf, von den Niederlanden her, im 16.
jh. und nachher aber auch in Deutschland überall eingebürgert: derhalben es auch ganz und gar anders nicht ist, denn eine solche mummerei und lauter fastnachtspiel, darinnen allein auf die äuszerliche larven gesehen wird. Luther
tischr. 1, 61
Förstem.; was nun daselbs (
in Brüssel) sich wunderbarlichs und der gedechtnus wurdigs der zeit begeben, mit dem grosen banket des reichen grafen von Nassaws, .. auch dem cöstlichen turnier und momereien, das lasz ich bleiben.
Zimm. chron. 3, 243, 34; ich höre glaublichen sagen, das in einem banket zu Preuszen bei wenig jaren cöstliche momereien seien gehalten worden; nach solchen ist ain cöstliche momerei kommen, die cöstlichkait und zierde halben die vorgenden alle übertrofen. 267, 4; über disz scheint es zwar, als wären die mummereyen (
am weihnachtsfeste) den kindern zu gefallen angestellt. Chr. Weise
erzn. 184
Braune; ich hatte anfangs noch eine mummerei bestellt, aber meine gaukler sind ausgeblieben. Tieck 11, 20; der kaiser (
Maximilian I) selbst hat diese mummerei erfunden. es gehören wohl hundert figuren dazu. Göthe 42, 382; ich bin ein mildt, frölich lebherz mit singen, springen und hofirn, mit mummerei und pankatirn. H. Sachs
fastn. sp. 1, 90, 272; es hat vil mittel mancherlei, gastirn, gastung und mummerei, das man leichtlich mag fangen an, das man selbst zu jhr (
einer spröden frau) kommen kan. J. Ayrer 392
d (1971, 28
Keller);
die mummereien
erregen im 16.
jahrh. ärgernis: es ist noch ain gemain ding an vil orten mit den momereien, so doch uf dem boden nichs nachtailigers mag den gueten sitten erdacht werden .. alle bueberei wurt in den momereien uszgericht; was man sonst nit kan zu wegen richten oder uf die pan bringen, das understeet man in den mommereien.
Zimm. chr. 3, 266, 30;
sie beschränkt sich nicht auf éinen festraum, da die vermummten umher gehen und unfug treiben: man sagt, er hab in seiner jugent .. auf ain zeit ain mumerei angericht; als sich aber gefuegt, das sie an ain ort kommen, da er und seine herren und hofgesundt villeucht nit bekannt gewesen, ain thur verschlossen gefunden, hat er personnlichen die aufgetretten. 1, 552, 5;
aber auch wol zu unfug aufgefordert werden: auf ain zeit, als graf Ludwig bei ir (
seiner alternden gemahlin) zu Straszburg gewest, hat er etlich seiner freundt und verwandten, zu ihm bei nechtlicher weil zu komen, beschaiden, in, wie zu zeiten under vertrawten freunden beschicht, mit ainer mumerei bei seinem gemahel im bet aufzuheben ... in der nacht, als die herrn kommen und mit ainer musica und vil wintlichtern graf Ludwigen ufheben wellen, ist ain grosz gelechter under inen worden. 2, 151, 2. 22) mummerei,
auch der maskenanzug, die maske: derowegen so lieszen i.
f. gnaden ein mummerei machen, von taffent, die männer auf italienisch, die jungfrauen auf spannisch. Schweinichen 1, 216; in der mummerei nach Goldberg fuhren. 109;
es heiszt in der mummerei gehen, laufen: (
wir) wollen also narren und diese fastnacht in solcher mümerei mit laufen. Luther 3, 359
b; wie man einem zu gefallen zur fastnacht in der mummerei leuft. 5, 373
a; es ist in der fasznacht, da man pflegt in der mummerei zu laufen. Mathes.
Sar. 13
a; meint, es weren etwann sinnverruckte fasznachtbutzen, die inn der mommerei giengen.
Garg. 151
a; i.
f. gnaden waren diese zeit über lustig .. sonderlich in mummerei gehen. Schweinichen 1, 108; wie vasznacht herzu ruckt, das sonderlichen zu Speir gebreuchlichen, in den momereien zu geen, also beredt herr Wilhelm Werner den gueten alten doctor, demnach die ganz gesellschaft sich vermumpt, so wellten sie zwen allain der gesellschaft nachgeen.
Zimm. chron. 3, 265, 22; dasz man in der heiligen nacht (
zu weihnacht), da ein iedweder sich erinnern soll, was vor einen schönen und tröstlichen anfang unser heil und unsere erlösung genommen, alles hingegen in üppigen und leichtfertigen mummereien herum läuft. Chr. Weise
erzn. 182
Braune; Lupa bleibet jmmer lustig, geht in steter mummerei: jeder meint dasz jhr gesichte, eine rechte larve sei. Logau 2, 94, 87; sich in mummerei begeben: in der fasznacht, als die reichen burger zu Cöln grosze banketen halten, ... do beredt grave Christof von Gleichen baid gebrueder, das sie sich mit ime und ainem reichen burger zu Cöln ... in ain mommerei begaben, das waren grune hosen und kurze röckle, auch grune huet, alles uf waidmenisch gemacht, wolten vogler sein.
Zimm. chron. 3, 237, 11. 33) mummerei
ferner die so maskierten personen selbst, im collectiven sing.: der schellenband der hat er (
der fastnachtkrämer) vil umb beide knie zuo binden, die mummerei bossiert damit (
treibt damit possen), wo die am tanz her klingen. Uhland
volksl. 637; nach dem ein lieszen sy auch mumereye, verputzet das man sy nit kent.
meisterl. fol. 23,
s. 222;
der sing. zu andern pluralen gestellt: der pürger. auch kumen etlich mumerei.
der pawer. mein herr, sagt, was auch dieses sei?
der pürger. das sint jung mender und jung gseln, die sich verpuzen und versteln, die dreiben darnach fasnachtspil. H. Sachs
fastn. sp. 2, 35, 265. 44) mummerei,
auch in neuerer zeit wie maskerade und verkleidung zu einer solchen: männer und weiber (
auf dem Markusplatze in Venedig zum carneval) .. gaukelten auf dem bunten welttheater, im kleinen, ihre mummereien fort. Heinse
Ardingh. 1, 83; zur zeit der allgemeinen mummerei (
in Rom). Göthe 29, 251; er .. beschrieb verschiedene familienfeste zur feier seines geburtstages und des grafen, anmuthig und umständlich, worauf denn auch eine wiederholte dringende einladung dorthin erfolgte. dergleichen mummereien innerhalb eines einfachen familienzustandes waren mir immer widerwärtig. 31, 49;
manchmal noch ganz in dem festlichen sinne des 16.
jahrh.: er flieht die einsamkeit, die unfruchtbare nacht, wenn sie die mummerei nicht tagen ähnlich macht. Zachariä 1, 21; das nachtgepräng erleuchteter paläste, der masken scherz, wo mummerei und list verliebte paart, gepaarten günstig ist. Hagedorn 1, 57; sie duldete den geber, nicht die gaben, und stellt ihm nur den steten aufwand frei, den öftern ball, die öftre mummerei, das ritterspiel, das rauschende gepränge. 2, 173; schmausereien, schauspiel, ball und mummereien stellt er ihrentwegen
an. Gotter 1, 48; die tänzerinnen schreckend kommt er zur mummerei. Uhland
ged. 401. 55) mummerei,
in freierem sinne: das man wol mag sagen, der welt lauft, und sonderlich seiner heiligen wesen, sei gottes mummerei, darunter er sich verbirgt, und in der welt so wünderlich regirt und rumort. Luther 2, 394
a;
wie scherz, jux: macht dir des henkers zeugs her zum kranklachen. was er heute aber wieder für 'ne mummerei treiben wird, bins curios zu sehen. Fr. Müller 1, 285;
öfter aber nicht ohne verächtliche beziehung, mit dem beisinne des heuchlerischen, der verstellung: darumb, auf das die guten leute für herzog Georgen, als jrem rechten landsfürsten, und von gott geordenter oberkeit nicht erschrecken noch abfallen solten, habe ich wöllen die larven anzeigen, die herzog George aufgesetzt hat, und darunter des teufels gebot, als ein fürstlich gebot fürhelt, damit sie die mummerei kenneten. Luther 6, 7
b; nichts als die entwickelung dieser heiligen mummerei konnte mir die augen öffnen. Wieland 2, 21; durch diese frömmelnden mummereien schläferte er (
Philipp) sein gewissen ein. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 104; betrogen durch die unverschämte mummerei der geisterscene. Göthe 14, 205; da ... die geistlichen mummereien nur einen abgeschmackten aberglauben noch mehr befestigten. 19, 118; das spiel der welt besteht aus mummereien: ein hofmann schleicht in priesterlicher tracht; als nonne winkt die nymphe schmeicheleien; ein wuchrer stutzt in eines sultans pracht. Hagedorn 1, 127; sie (
die weisheit) sieht, trotz feiner mummerei, dasz alles, alles eitel sei, allein die tugend nicht. Uz 1, 226; nein, ich spiele länger die mummerei nicht mit. er musz es doch einmal erfahren. Lessing 2, 234; o still von dieser mummerei! sie sehn, wie schnell die bürde abgeworfen wird. Schiller
Piccolomini 3, 4;
oder milder, mit dem nebensinne des thörichten, kindischen: der bube (im panzer eines erwachsenen). gestrenger herr!
Götz. wo stickst du? hast du geschlafen? was zum henker treibst du für mummerei? Göthe 8, 9; was soll die mummerei am hellen tage? 11, 86; es ziemt nicht, dasz prinzessinnen allein und verkleidet in dorfhäusern einkehren ... ihr aber eilt, diese mummerei los zu werden, befahl der fürst. Freytag
handschr. 2, 99;
Val. verkleide dich.
Erw. wozu die mummerei? Göthe 10, 323.