Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
mûlwerf
in Gl.: ‚Maulwurf; affalaga, asphalaga, talpa‘
<〈Var.: mûl-; -huuerf, -uerf, -uuerpf, -uuerp,
-uuer, -uelph, -wef, -uuer, -uer; munfer, muurf>〉.
– Im Mhd. üblicheres moltwerf(e) st./sw.m.
setzt ahd. moltwerf, moltwerfo fort (s. dd.),
daneben bestehen aber auch mhd. mû(l)werf,
mûrwerf, mûlwelf, -welpfe etc. ‚Maulwurf, eine
Art Eidechse, Salamander‘, frühnhd. maulwurf
(mault-, molt-, mult-, mu-; -fel, -worf, -wurm)
m. ‚Maulwurf‘, nhd. Maulwurf ‚unter der Er-
de lebender pelzbedeckter Insektenfresser, der
mit seinen schaufelartigen Vorderbeinen Erd-
haufen aufwirft, Spion innerhalb eines gegne-
rischen Geheimdienstes, einer konkurrierenden
Firma u. Ä.‘.
Das Subst. ist ein Komp. aus ahd. nicht als
Simplex belegtem *mû ‚Haufen‘ (zur Etym.
s. u.) und einem zu ahd. werfan ‚werfen‘ (s. d.)
gehörigen HG. Der Maulwurf ist also der ‚Hau-
fenwerfer‘. Dadurch dass das VG *mû früh un-
durchsichtig wurde und durch Kontamination
mit dem parallel gebildeten Komp. ahd. molt-
werf(o) ‚Maulwurf‘, wörtlich ‚Erdwerfer‘ (s.
d.), kam es bereits ab ahd. Zeit zu den un-
terschiedlichsten Misch- und Kompromissfor-
men mit zusätzlichem -l- im VG, assimila-
tionsbedingtem -r- im VG oder durch Assi-
milation des -r- im HG an das (sekundäre) -l-
im VG entstandenes -l- im HG. Zum Nhd. hin
setzte sich in der Standardsprache und in den
Dial. meist eine an ahd. mûla ‚Maul‘ (s. d.)
angeglichene Form durch, der Maulwurf wurde
(‚volksetym.‘) als ‚der, der mit dem Maul
(Erdhaufen) aufwirft‘ reinterpretiert. Letztlich
gehen im VG wohl sogar drei Lexeme durch-
einander: ahd. mû-, ahd. molta und ahd. *mul
(vgl. ae. myl, mndd. mül ‚Staub‘).