misztrauen,
n. der substantivisch gesetzte infinitiv des vorigen, mhd. missetrûwen: das misztrauen,
diffidentia, suspicacio Stieler 341; das misztrauen sei ganz wider die art der aufrichtigen redlichen Teutschen; und wann sie nit besser trauten als die ausländer, so würden sie nicht so oft von ihnen betrogen worden sein.
Simpl. 4, 412
Kurz; misztrauen .. ist von jeher die begleitung des unglücks gewesen. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 548; natürlich, ritter! argwohn folgt auf misztraun! Lessing 2, 357; das misztraun ist die schwarze sucht der seele. H. v. Kleist
fam. Schroffenstein 1, 2; etliche erzehleten noch von jhrem unglücklichen misztrawen. Philander 1 (1642), 374; und doch wollte ich wetten, mit allem deinem misztrauen wurdest du ... wieder betrogen. Wieland 27, 274; im reiche aber schwand das alte misztrauen nach und nach. Treitschke
deutsche gesch. im 19.
jh. 1, 68; ein anzahl fürsten zu der zeit ... aus eim misztrauen zeugten mich (
die union). Opel
u. Cohn 132, 25 (
von 1621); verbarg ich meiner eltern namen und mein haus, o könig, wars verlegenheit, nicht misztraun. Göthe 9, 14; ich liebte dich, du warest mein, ich dein, ich kannte keinen hinterhalt, kein mistraun. Tieck
Octavian. s. 101;
es heiszt misztrauen erregen, erwecken, erfahren: eine ... heimliche einmischung in unsere verhältnisse hatte gerade im gegentheil, wie sie misztrauen erregen wollte, vertrauen erregt. Göthe 30, 248; noch eines man auch wol betracht, welches ein grosz misztrauen macht. Opel
u. Cohn 367, 52 (
von 1620); glaubet nichts davon, o könig, sprach Bellido, was der alte, euch misztrauen zu erregen, dorther von der mauer ruft. Herder
z. litt. 5, 130 (
Cid 32); misztrauen athmet man in dieser luft. Göthe 9, 271; ich habe selbst in meinen jungen jahren schon zwiespalt, hasz und angst und manches leid, misztraun, verfolgung, bittern krieg erfahren. Tieck
Octavian. 210; misztrauen gegen einen
oder etwas: mus daher ein kluger weltmann gegen einem ieden ein vertreuliches mistrauen tragen, das ist .. fidendo diffidere. Butschky
Patm. 825; wenn ein misztrauen gegen sich selbst sie angetrieben hätte, mehr sorgfalt und fleisz auf die ausarbeitung zu wenden. Cramer
bei Gellert 10, 50; wenn er sieht, dasz in diesem augenblick misztrauen gegen ihn unsre herzen zusammenzieht. Göthe 14, 125; gegen viele hegt er ein misztraun, die, ich weisz es sicher, nicht seine feinde sind. 9, 113; misztrauen in einen
oder etwas: ich setze nicht das geringste misztrauen, weder in ihre aufrichtigkeit, noch in ihre gelehrsamkeit. Gellert 3, 25; was habe ich für ursache, ein misztrauen in seine aufrichtigkeit zu setzen? 5, 43; (
er scheint) sehr verdrieszlich, dasz ein mensch, an den er zwanzig Louisd'or auf sein wort verloren, misztrauen in ihn setzt. Lessing 4, 419; aus misztrauen in sein gedächtnis. 5, 356; die nothwendigkeit eines behutsamen misztrauens in die stärke guter grundsätze. Wieland 2, 221; misztrauen über einen: schrecken und furcht, misztrauen über den mann, der ihm erst jetzt ein solches unerwartetes geheimnis mittheilte, wechselten in dem herzen des sultans. Klinger 7, 198; misztrauen an einem: ich zwar in meines leidens stand hab an dir kein misztrawen. Weckherlin 47; zu einem, auf einen
oder etwas: ich trage ein klein misztrauen zu ihm,
subdiffido illi. Steinbach 2, 840; auf einen ein misztrauen setzen,
alicui diffidere. ebenda; wenn nur ... nicht so viel misztrauen auf sein zeitalter zum grunde läge! Lessing 10, 208.