Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
minio
des 12. Jh.s); 3,503,30 (11./12. Jh.). 691,27
(letztes Viertel des 13. Jh.s): ‚Zinnober, Men-
nige; fenix/phoenix, minium‘. Das Wort ist aus
lat. minium ‚dss.‘ entlehnt (s. u.). Die ahd. Form
steht dabei wohl für /mini̯o/, /mini̯ə/ und setzt
damit vulg.lat./frührom. *mini̯u(m) voraus. Die
Entlehnung hat nach der Wirkung der west-
germ. Kons.gemination stattgefunden, also
wohl frühestens im 6. Jh. n. Chr. – Mhd. minig,
menig(e) st.m. ‚Zinnober, Mennige‘, frühnhd.
mennig m., mennige f. ‚Mennige, Bleirot‘, da-
neben noch frühnhd. minie f. ‚Mennige, Bleirot,
Erz, metallhaltiges Material‘, nhd. Mennige f.
‚Bleirot, rotes Bleioxyd‘ deutet dagegen auf ei-
ne entlehnte Form vulg.lat./frührom. *minii̯u(m),
teilweise mit Lautersatz rom. *-i- : mhd. *-e-.
Dabei entstand mhd. -g- aus nachtonig intervo-
kalisch unsilbisch gewordenem -i-. Es fanden
somit wohl zwei verschiedene Übernahmen
von vulg.lat./frührom. *min(i)i̯u(m) statt, wobei
die ältere, *mini̯u(m), ins Ahd. nicht fortgesetzt
wurde: Sonst hätte sich mhd. *minje, *ming(e)
ergeben. Vielleicht sind diese Formen aber in
mhd. und frühnhd. mingen, menge, meny, me-
nye, mynge, mynye, miny fortgesetzt (neben
menige, menginge, menning, minig, minin,
meining), falls nicht Synkope des mittleren -i-
eingetreten ist.
Im Weiteren kam es zu Angleichungen an
Subst., Adj. auf ahd. -îg (s. d.), mhd. -ig, so
dass der Wortauslaut -ig fest werden konnte.