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merikalb

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Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

merikalb

mer(i)hûnsunAWB m. i-St., Gl. 1,402,48/49
(in 2 Hss., 10. Jh. und 2. Hälfte des 10. Jh.s,
beide bair.). 49 (in 2 Hss., 10. Jh. und 2. Hälfte
des 10. Jh.s, beide bair.). 50 (12. Jh., bair.). 51
(Hs. 1. Hälfte des 12. Jh.s, Zeit des Gl.eintrags
unbekannt, bair.): ‚Hurensohn; filius mulieris .i.
meretricis‘, eigtl. ‚Mährensohn‘ (mhd. merhen-
sun st.m. ‚Hurensohn‘, frühnhd. merenson
‚dss.‘; aisl. merarson m. ‚dss.‘; vgl. ae. myran
sunuequae filius‘). Zusammenrückung mit
einem Gen.Sg.f. im VG (vgl. Gröger 1911: § 17
II 3b). Die negative Konnotation des Simplex
mer(i)ha (s.d.) ist bereits im Mhd. bezeugt
(anders DRW 9, 26: seit Mitte des 16. Jh.s). S.
mer(i)ha, sun. – merihuntAWB m. a-St., in Ni und
Gl. seit dem 12. Jh. (alle SH): ‚Seehund; canis
marinus, canis maritimis‘ (mhd. merhunt st.m.
canis maris‘, frühnhd. merhund m. ‚Seehund‘,
ält. nhd. meerhund m. ‚dss.‘). Das Deter-
minativkomp. mit subst. VG und HG ist eine
Lehnübersetzung von lat. canis marinus ‚See-
hund‘. S. meri, hunt. – meriigilAWB m. a-St., nur Gl.
2,74,33 (11. Jh., bair.): ‚Seeigel; echinus‘ (ält.
nhd. meerigel m. ‚Seeigel‘). Determinativ-
komp. mit subst. VG und HG. S. meri, igil. –
merikalbAWB n. *-iz/az-St., seit dem späten 9. Jh. in
Gl.: ‚Seehund, phoca; Delphin, delfin [= del-
phinus]‘ (mhd. merkalp st.n.foca, siren, vi-
tulus‘, frühnhd. merkalb n. ‚Seehund‘; mndd.
mērkalf n. ‚Seehund, foca; Fabelwesen, Sirene,
siren‘). Determinativkomp. mit subst. VG und
HG. S. meri, kalb. – merikazzaAWB f. n-St., seit dem
11./12. Jh. in Gl.: ‚Meerkatze; spinga, symia [=
simia]‘ (Ceropithecus) (mhd., frühnhd. merkat-
ze f. ‚dss.‘, nhd. Meerkatze ‚langgeschwänzte
afrikanische Affenart mit rundlichem Kopf‘,
nhd. mdartl. auch in anderer Bed.: rhein.
‚Hirschkäfer, Eichelhäher, Schreckgestalt für
Kinder‘ [Müller, Rhein. Wb. 5, 1026 f.], pfälz.
‚fiktives Tier, das man von einfältigen Men-
schen fangen lässt, um sie zu foppen‘ [Christ-
mann, Pfälz. Wb. 4, 1264 f.], südhess. ‚weibli-
che Person, die sich offen und aufrichtig gibt,
in Wahrheit aber hinterhältig und heimtückisch
ist‘ [Maurer-Mulch, Südhess. Wb. 4, 601], sie-
benbürg.-sächs. ‚Fischotter‘ [Schullerus, Sie-
benbürg.-sächs. Wb. 7, 142]; mndd. mērkatte f.
‚geschwänzte Affenart, Monsterwesen‘; mndl.
meercatte f. ‚Meerkatze‘). Vermutliche Benen-
nungsmotive für das exotische Tier sind sein
Import über das Meer nach Europa und die
katzenähnlichen Merkmale wie runder Kopf,
langer Schwanz oder die Geschicklichkeit beim
Klettern. E. Seebold (Kluge²⁵ s. v. Meerkatze)
hält im Unterschied zu W. Mitzka (in Kluge²¹
470) die Herkunft des Wortes aus einem Vor-
bild wie ai. markáṭa- m. ‚Affe‘ für erwägens-
wert (so schon Keller [1913] 1980: 7). Doch ist
das ai. Wort samt seines Ursprungs völlig
unklar (vgl. Mayrhofer, EWAia 2, 322 f.), für
einen Entlehnungsweg des Wortes von Indien
nach Europa finden sich keinerlei Anhalts-
punkte. Zudem stammt die Affenart nicht aus
Südasien, sondern aus Afrika. Vgl. Palander
1899: 21f. S. meri, kazza. – merikuoAWB f. i-St.,
Gl. 4,341,23 (Hs. 10. Jh., Zeit des Gl.eintrags
unbekannt): ‚Seehund, Robbe; phoca‘ (mhd.
merkuo st.f.foca‘, frühnhd. merku f. ‚Seekuh
[Walrossart]‘, ält. nhd. meerkuh f. ‚dss.‘; as.
merikō f. i-St. ‚Seekuh; phoca‘ in Gl. 2,716,40
= WaD 109, 18 [10. Jh.]). Determinativkomp.
mit subst. VG und HG. S. meri, kuo. – merilîhAWB
adj., in Gl. seit dem 9. oder 10. Jh.: ‚zum Meer
gehörig; aequoreus, euripus, maeotidus‘ (zur
Gl. im Clm. 6308 vgl. Glaser 1996: 568–570).
Desubstantivische Bildung. S. meri, -lîh. – merilinsîme
rilinsîAWB
f. īn-St., merilinsinAWB f. -St, seit dem
11./12. Jh. in Gl.: ‚(Kleine) Wasserlinse; alga,
conchis, facus, legumen maris, lupinicum
(Lemna minor L.; vgl. Marzell [1943–79] 2000:
2, 1224 f.) (mhd. merlinse f.algamer‘, früh-
nhd. merlinse f. ‚Teichlinse, Entenflott‘, ält.
nhd. meerlinse f. ‚Wasserlinse, Entengrütze‘,
nhd. mdartl. bad. meerlinse f. ‚Elritze [Fisch-
bez.]‘ [Ochs, Bad. Wb. 3, 596 f.], schwäb. mer-
linse f. ‚Wasserkräuter, Meergras‘ [Fischer,
Schwäb. Wb. 4, 1621; 6, 2 Nachtr. 2557], rhein.
meerlinsen f. ‚Wasserlinse‘ [Müller, Rhein. Wb.
5, 1027
], pfälz. meerlinse f. ‚Wasserlinse‘,
übertragen ‚Rindertuberkulose [nach den lin-
senförmigen Tuberkelknötchen]‘ [Christmann,
Pfälz. Wb. 4, 1265
], südhess., thür., osächs.,
schles. meerlinse f. ‚Wasserlinse‘, im FlurN
thür., osächs. Meerlinsenteich [vgl. auch die
Ableitung thür. meerlinsen sw.v. ‚beim Buttern
kleine Klumpen bilden‘] [Maurer-Mulch, Süd-
hess. Wb. 4, 601 f.; Spangenberg, Thür. Wb. 4,
574; Frings-Große, Wb. d. obersächs. Mdaa.
3, 187; Mitzka, Schles. Wb. 2, 862], mittel-
elb. mērlinse f. ‚Kleine Wasserlinse‘ [Kett-
mann, Mittelelb. Wb. 2, 862]; mndd. mērlinse f.
‚[Kleine] Wasserlinse, Entenflott‘). Das VG
des Determinativkomp. ist hier im Sinne von
‚stehendes Gewässer‘ (vgl. ae. mere ‚Meer,
See, Teich‘) verwendet, da die ‚Wasserlinse‘
nur in Binnengewässern heimisch ist (vgl.
Marzell, a. a. O. 2, 1225). S. meri, linsîn. – merimen(n)ime
rimen(n)iAWB
n. ja-St., meriminAWB n. a-St., merimin(n)ameri-
min(n)aAWB
f. ō(n)-St., seit Ende des 8./Anfang des
9. Jh.s in Gl. und im Ph: ‚Sirene, Meereswesen;
celeuma, lamia, Scylla, Siren, Sirena‘ (mhd.
merminne st./sw.f. ‚Meerfrau; Sirena‘, frühnhd.
merminne f. ‚Meerfrau [als beängstigende fikti-
ve Gestalt]‘; as. meriminnia f. jō[n]-St. ‚Meer-
jungfrau, Sirene; Sirena‘ in Gl. 1,376,18 =
WaD 75, 21 [11. Jh.]‚ mndd. mērminne f. ‚Si-
rene, Fabelwesen des Meeres‘; frühmndl. mer-
minne f. ‚Sirene, Hexe, Monster, das Kinder
verschlingen soll‘ [a. 1240], mndl. meerminne,
mereminne f. ‚Sirene‘; ae. meremen[n], mere-
men[n]en f. ‚Sirene‘). Die Lautform meriminna
ist, wie bereits Lexer 1, 2115 vermerkt, aus me-
rimenni in Anlehnung an minna ‚Liebe, Zu-
neigung‘ umgedeutet. S. meri, mennin(na). –
merimuskulaAWB f. ō(n)-St., nur in NBo: ‚Meeres-
muschel; concha maris‘ (mhd. mermuschel
sw.f., frühnhd. mermuschel f., nhd. Meermu-
schel, Meeresmuschel f.). Determinativkomp.
mit subst. VG und HG. S. meri, muskula. –
mer(i)ohsoAWB m. an-St., Gl. 3,32,17 (15. Jh.). 202,
28 (12. oder 14. Jh.): ‚Seehund, Robbe; phoca
[bos marinus]‘ (mhd. merohse sw.m., frühnhd.
merochse m. ‚Walrossart, Wildochse‘, übertr.
‚mürrisches Familienoberhaupt‘, ält. nhd. meer-
ochs m. ‚Walrossart‘, außerdem eine Fischbez.
und Bez. für die Rohrdommel). – Ahd. Wb. 6,
478 ff.
; Splett, Ahd. Wb. 1, 411. 420. 437. 447.
498. 547. 592. 613. 614. 625. 648. 684; Köb-
ler, Wb. d. ahd. Spr. 774 f.; Schützeichel⁷ 220;
Starck-Wells 409. XLIV; Schützeichel, Glossen-
wortschatz 6, 337 ff.
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Cotta, M. (2026). „merikalb". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/merikalb/ewa
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Cotta, Marcel. „merikalb". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/merikalb/ewa. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „merikalb". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/merikalb/ewa.
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