Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
lûttar
Gl., MF, MH, T, OT, B, GB, O, WB, WK,
NBo, NMC, Nps Npg, Npw, LeidW, WH,
Prs A, Prs B, GGB II:
‚rein, unvermischt,, in
makellos, glänzend, lauter, vornehm, ehr-
würdig, bloß; clarus, limpidus, liquens, li-
quidus, lucidus, merus, mundus, nitidus, ob-
rizum, praeclarus, probatus, purgatus, pu-
S1549lûttar 1550
rus, serenus, simplex, sincerus, vitreus‘
der Verbindung in lûttara inti in einfalta wîs
‚schlechthin und einfach; pure‘〈Var.: hl-;
-iu-; -t-, -td-, -tz-, -zz-; -tr-, -er-, -ir-, -ur-;
-er〉. In der Position vor r tritt bei t die ahd.
Lautverschiebung nicht ein. Das durch die
westgerm. Konsonantengemination entstan-
dene tt wird nach langem Vokal oft zu t
vereinfacht (Braune-Reiffenstein 2004: § 92;
Simmler 1974: 305 ff.). Diese einfache Kon-
sonanz überwiegt in späterer Zeit und setzt
sich im Mhd. durch (Braune-Reiffenstein
2004: § 96. Anm. 4). Der Wortanlaut hl- ist
abgesehen von Gl. 1,373,9 (um 1000 und
11. Jh.) ausschließlich im 8. und 9. Jh. be-
legt. Die Varianten 〈-tz-〉 und 〈-zz-〉 be-
ruhen wahrscheinlich auf hyperkorrekter
Schreibung, wobei letztere auch durch ana-
logischen Einfluss von folgendem wazzeron
entstanden sein könnte (Sanders 1974: 280
und Anm. 915). – Mhd. lûter, liuter adj.
‚hell, rein, klar, lauter, aufrichtig, unver-, früh-
mischt, ausschließlich, lediglich, bloß‘
nhd., nhd. lauter adj.
‚rein, unvermischt, un-. Seit dem 16. Jh.
getrübt, aufrichtig, ehrlich‘
wird der erstarrte Nom.Sg. in der Bed.
‚le-verwendet (Dt. Wb. 12,
diglich, bloß, nur‘
383; Pfeifer, Et. Wb.2 775). Das Adj. ist in
FlussN und davon abgeleiteten ON belegt
und bezeichnet die Eigenschaft des Wassers,
klar und ungetrübt zu sein: z.B. Lauterbach,
Lutter, Lutterbeck, Lauterburg, Lüder (Solm-
sen 1922: 47 f.; Bach 1952 ff.: 2, 1, § 298, 1).