liberei,
f. bedientenkleidung mit abzeichen; das franz. livrée, ital. livrea, span. librea, nach mittellat. liberata, liberatio, was der herr dem bedienten liefert, vgl. Diez
etym. wörterb. 1, 252.
das wort ist seit dem 15.
jahrh. häufig, es meint zunächst ein abzeichen an der kleidung, welches die zugehörigkeit zu einem fürstlichen oder herschaftlichen hause darthun soll, welches aber ein fürst oder herr auch selbst trägt: herzog Jörg hett einen kostlichen zerhauten, engen, kurzen rock der bemelten seiner varib an, darauf sein liebrey von perlin und edelin gestain gestickt was. Schm. 1, 1413
Fromm.; welches er ferner solchen leuten verleiht, die er seines schutzes oder seiner gesellschaft würdigt: es soll auch kein burger dieser statt einicherlei gesellschaft oder liberey weder von fürsten, herren oder andern erwerben.
Nürnberger pol.-ordn. 108;
und welches er seine hausdiener tragen läszt: desselben tags kam einer von Fridperg zu dem rotten tor, der trueg herzog Hansen von Münichen librei und büchs, und sprach, er wer herzog Hansen pot.
d. städtechron. 5, 271, 27;
ein nachklang dieser bedeutung ist, wenn liberei
im Schwarzwalde für einen hutschmuck (
blume oder band)
gilt: (
ich hätte bald) der viel ehr- und tugendsamen jungfrauen vergessen, die uns diesen kranz haben formirt, und mit schöner lieberei geziert; ich dank für alle diese liebereien gut, die werden uns hübsch stehen aufm hut.
zimmerspruch bei Auerbach
dorfgesch. 1 (1843)
s. 326. liberei
meint ferner die farbe, die ein herr als abzeichen für die kleidung seiner hausdienerschaft wählt: liverey,
insignium principalium, ducalium, regiorum etc. color in vestitu. prompt. von 1618
bei Schm. 1, 1414; lieberey,
color vestis, er giebt rothe liberey,
vestimenta rubra pro servis habet. Steinbach 1, 1052;
und endlich diese kleidung selbst: nehmt nur mit dem kleinen schmucke vorlieb, bisz wir die liberey kriegen. Chr. Weise
körbelmacher 132; der bediente .. gosz richtig das halbe glas über die liberei hinab. Hebel 3, 27; ist aber jemand reich, nach dem wird alles fragen. ja, hätt er in Paris gleich lieberey getragen, und wüste selber nicht, wie recht sein name sei, ein schmeichler steht ihm bald mit hundert ahnen bei. Caniz 143 (
nach Boileaus: et l'eût on vû porter la mandille à Paris; la mandille
war eine besondere lakaienkleidung); die schönsten rosse, libereien, falken, und was nur selten herrlich ist zu nennen, das nennt er sein. Tieck 3, 218;
häufig in bildlichem gebrauche, wobei an die bedeutung von liberei
als farbe der dienerkleidung angeknüpft ist: dieser (
Tabernaemontanus) nennet die krankheiten des tods furirer, und die grawe haar, sein paner und liberey (oder hoffarbe). Zinkgref
apophthegm. 1, 274; (
die hyacinthe) ist gleichsam ein anderer Vertumnus, in so vielerley gestalten und farben und libereyen verwandelt sie sich. Hohberg 1, 656
a; (
die kipper und wipper) kleiden sich all in einer lieberei bei ihr groszen dieberei, abr nach ihrn stande nicht. Opel
u. Cohn 424, 5; da musz das angesicht in solche liberey (
in blässe). Hoffmannswaldau
in d. auserles. ged. 6, 29; fort, lasz dir beim Vulcan die siegs-trompete bessern, und ihre lieberey in frischen purpur wässern. Günther 507,
die liberei
der trompete ist hier das an derselben hängende bunte wappentuch, welches blutig werden soll; ach, wohlgestalltes kind! dein hals-tuch tröstet mich, weil es die lieberey der grünen hoffnung träget. 562; nachdem betrachtet ich (
an den violen), zu meiner lehre, der hellen farben glanz und schein, und eben hierbei fiel mir ein, wie alle drei des geizes und der ehre beliebte lieberey und farben sein. dem purpur ist der ehrgeiz hold; der geiz liebt weisz und gelb, als silber, geld und gold. Brockes 1, 18.
die form liberei
ist seit dem vorigen jahrhunderte zu gunsten des franz. livrée
und des in gehobener sprache noch üblichen livrei (
s. d.)
erloschen.