lässe,
f. ,
mhd. lâʒe,
das lassen. 11)
das aderlassen: die lässe, das aderlassen,
detractio sanguinis vel missio, phlebotomia. Maaler 261
a; ein lässe thuon, aderlassen,
emittere sanguinem, exolvere venas. ebenda; (
zu einem fieberkranken) kam diser arzet des orts auch nach, fieng an, sein process furzunemmen mit digestivis, einer purgation und darauf ain lesse zu der leber.
Zimm. chron. 3, 327, 29; (
der arzt hatte) mit der lesse erst das gepluet gar erzurnt. 328, 3; die erste ursach betreffende, beschicht solche lässe die überflüssigkeit aller feuchten hinwegzunchmen oder allein die vile des geblüts. Ryff
chirurgie 5
b; so die lässe beschehen, soltu ihm verbieten, dasz er nit darauf schlafe. 8
b; die balbierer pflegen ein stücklein von diesem schwamm auf die ader zu legen nach der lässe. Tabernaemont. 1522; sonderlich so jhr nach dem trank ein lässin zur lungen thund. Paracelsus
opp. 1, 689 C; es ist die lässe den vögeln sehr bequem.
falconaria 1617
s. 111; kompt da ain arm man, und spricht: maister, ist guot lan? und spricht: ist aber die lässi guot?
des teufels netz 10183.
wortspielend: das ist die letst läsz im jahr (
nämlich wenn man einen ins grab hinabläszt, vorher ist die rede vom aderlassen). Fischart
groszm. 123.
das wort ist noch jetzt bairisch und schweizerisch. vgl. aderlässe,
fuszlässe. 22)
die zeit des aderlassens: der vier lesse eine (
ist der 1.
mai).
deutsches calendarium aus dem 14.
jh. bei Haupt 6, 356; wiewol die gemainen laserregeln (
regeln der aderlässer) am maisten dahin deuten, das man sich die läse ordenlich und mesig halte.
Zimm. chron. 4, 271, 28; der baur schruw mit heller stimm: es ist niemant in dem hausz; das gesind ist auf dem veld und ich ligen hinder einem umbhang, bin ein lässer (
der zu ader gelassen hat). spricht der kaufmann (
der des bauern gatter aufgethan haben will): wie lang bist ein lässer geweszt? antwort der baur: morn ist der neündt tag. also thuot der kaufmann mit übelzeiten den gatter selb auf und spricht zum bauren: sehin, da auf dem gatter ligt ein taler, und thuo der lässy gnuog! Wickram
rollw. 23, 15. 33) lässe,
im kartenspiel: die letzte lässe,
der letzte stich, in folge dessen der gegner den gewinst des ganzen spieles lassen musz: die letzte läsz wird das genennt, wenn einer gleich all karten gwinnt, und aber doch die letzt verleust, der ganz gwin jhm damit erfrewst. Birck
doppelspiler 122; behalt ein guot blat auf die letzsten lässe. Agr.
spr. 303
a; geduld allein, erhelt im leben mich, in diesem spiel allein ich dessen sich, die letzte läsz gewint allzeit den stich. Mittler
nr. 712, 8; lässe
für ein ganzes einzelnes kartenspiel: mein sach ist nichts; ich hab des ersten stichs ein gutes spill verlorn, und kartet ich heut oder morn, so gewinn ich doch kein lesz.
Zimm. chron. 4, 328, 13.