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Laboratorĭum

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Laboratorĭum

Bd. 12, Sp. 7
Laboratorĭum (lat.), das zur Ausführung chemischer Arbeiten bestimmte und mit den nötigen Vorrichtungen versehene Lokal. In der alchimistischen Zeit, in welcher der Adept seine Arbeiten mit tiefstem Geheimnis zu umhüllen suchte, war das L. ein abgeschlossener Raum mit großer Feuerstätte, ausgestattet mit wunderlich gestalteten Gläsern und Apparaten, von denen man sich besondere Leistungen versprach. Mit der Begründung der wissenschaftlichen Chemie wurde das L. nüchterner und geeigneter zur Aufnahme physikalischer Instrumente, wie Wagen, Barometer, Thermometer, Luftpumpen etc., zur Ausführung exakterer Arbeiten, die zu ihrem Gelingen größte Akkuratesse und Sauberkeit voraussetzten. Durch Einführung des Leuchtgases an Stelle der Holzkohlen und des Spiritus, durch die Vorrichtungen zur leichten Ableitung von Gasen und Dämpfen und durch vielseitige Benutzung einer Wasserleitung gewann das L. den Charakter, den es gegenwärtig besitzt. Neben den Privatlaboratorien, in denen die Chemiker ihre wissenschaftlichen Arbeiten ausführen, benutzt man gegenwärtig Unterrichtslaboratorien, gewöhnlich verbunden mit Hörsälen für Experimentalchemie, die hinreichende Gelegenheit zur bequemen und sichern Anstellung von Experimenten ohne Belästigung der Zuhörer durch Gase und Dämpfe bieten müssen. In den Unterrichtslaboratorien hat man Arbeitssäle für qualitative und quantitative Analyse sowie für synthetische Arbeiten, besondere Räume für Arbeiten mit Schwefelwasserstoff (Stinkzimmer), Glühoperationen, Destillationen, Elementaranalysen, mikroskopische, spektroskopische, photometrische, elektrolytische Untersuchungen, kalorimetrische, pyrochemische, photochemische Arbeiten etc., nach Norden gelegene Zimmer für Gasanalysen, Zimmer für die Wage, für Aufbewahrung physikalischer Instrumente, Bibliothek- und Lesezimmer etc. In andern Räumen befinden sich die Anlagen für Heizung und Lüftung, eine Akkumulatorenbatterie, ein elektrischer Ofen, Vakuumpumpe, Zentrifuge, eine Lindesche Maschine, ein Brutraum etc. Jeder Praktikant besitzt einen eignen Tisch (s. Abbildung), ausgestattet mit Gas- und Wasserleitung, Wasserluftpumpe und Reagenzien. Arbeiten, bei denen sich übelriechende oder schädliche Gase entwickeln, werden in gut ventilierten, durch Glasscheiben abgeschlossenen Wandschränken vorgenommen. Die Räume zur Ausführung wissenschaftlicher Untersuchungen sind mit allen Hilfsmitteln versehen, um die Arbeit zu erleichtern und alle mechanischen zeitraubenden Operationen auf ein Minimum zu reduzieren. Besondere Einrichtungen fordern die agrikulturchemischen, pharmazeutischen, chemisch-technischen und die Laboratorien, die der Kontrolle des Handels mit Lebensmitteln gewidmet sind, ferner die Laboratorien der Gerichtschemiker, die Handelslaboratorien, in denen Untersuchungen für Handel und Gewerbe ausgeführt werden, die Laboratorien der landwirtschaftlichen Versuchsstationen, der physiologischen Chemiker, der Fabriken und Hüttenwerke. Der Raum, der in den Apotheken L. genannt wird, ist weniger der chemischen Untersuchung als der Darstellung pharmazeutischer Präparate gewidmet und enthält gewöhnlich einen Dampfkessel zum Erhitzen von Abdampfgefäßen mit Dampf, zum Betrieb eines Destillationsapparates, zum Heizen eines Trockenschrankes etc., ferner Windöfen, Wagen etc. Von modernen Laboratorien wurden beschrieben: das chemische L. der Universität Heidelberg von Lang (Karlsr. 1858), Greifswald: Müller (Berl. 1864), Berlin: Cremer (das. 1868), Fischer u. Guth (das. 1901), Leipzig: Kolbe (Leipz. 1872), Wien: Ferstel (Wien 1874), München: Bäeyer u. Geul (Münch. 1880), Zürich (Polytechnikum): Bluntschli u. Lunge (Zürich 1889), Göttingen: Breymann u. Kirstein (Hannov. 1890) u. a. – Militärisch ist L. eine Anstalt zur Herstellung von Munitionsgegenständen aller Art. Für gewisse schwierigere Arbeiten bestehen in manchen Staaten Zentrallaboratorien mit ausgedehntem Maschinenbetrieb. Kriegslaboratorien, neuerdings Munitionsarbeitsräume genannt, gegen die feindliche Feuerwirkung geschützt angelegt, treten in belagerten Festungen in Tätigkeit. Die Laboratorien stehen unter Verwaltung von Feuerwerksoffizieren. Vgl. Artilleriedepot.
4161 Zeichen · 42 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Laboratorium

    Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

    laborieren Vb. ‘an etw. arbeiten, sich mit etw. abmühen, an etw. leiden’, im 15. Jh. aus gleichbed. lat. labōrāre entleh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Laboratorium

    Goethe-Wörterbuch

    Laboratorium Gen u Dat Sg oft lat flektiert, abgekürzt ‘Labor’ 1 (feuerfester) Arbeitsraum für physikalisch-chemische Ve…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Laboratorĭum

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Laboratorĭum (lat.), das zur Ausführung chemischer Arbeiten bestimmte und mit den nötigen Vorrichtungen versehene Lokal.…

  4. modern
    Dialekt
    Laboratoriumn.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Laboratorium n. : wie schd., Labeʳdorium (labəʳˈdōrium) [ LA-Venn ]. Südhess. IV 73 ; Rhein. V 9 .

  5. Sprichwörter
    Laboratorium

    Wander (Sprichwörter)

    Laboratorium Das Laboratorium der Meteore. – Bohemia, 1877, Nr. 11. Name für das Schwarze Meer.

  6. Spezial
    Laboratorium

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    La|bo|ra|to|ri|um n. (-s, ...rien) laboratore (-ri) m. , labor (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit laboratorium

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Zerlegung von laboratorium 2 Komponenten

lab+oratorium

laboratorium setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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