kundmann,
m. verstärktes kunde
m., gewiss schon mhd., wie altn. kunnmaðr,
pl. kunnmenn,
bekannter, guter freund Möbius 244.
im plur. kundleute (
s. 1. 5)
und kundmänner (2,
b).
auch kundsmann
kommt vor, wie kundsleute,
s. 1. 2,
c, über die berechtigung der form 5,
d. 11)
guter bekannter, freund. Hedion,
s. unter knathmann;
pl. kundleute: Job sprach, mein brüder hat er weit gemacht von mir, und meine kuntleut sint weit von mir abgezogen. Keisersb.
schiff d. pen. 83 (Scherz 847).
Dazu vielleicht folg.: ich hab wol gehört, das es
kundsleut sollen gethon haben.
Zimmer. chron. 4, 216,
von einem wieder ausgegrabenen schatze, leute aus der nächsten bekanntschaft dessen der ihn vergraben? oder hieszen schatzgräber so? 22)
gleich kunde 2. 2@aa) kundmann,
der einem gemeiniglich abkauft. Rädlein 571
a: desto besser! die sache (
mit der heirat) ist also richtig, und ich habe künftig einen kundmann mehr. Lessing 2, 394 (
die alte jungfer 1, 5); Clarinde war über den verlust eines so reichen kundmannes sehr betrübet.
begebenheiten derer herren officiers auf werbungen 1, 54,
im sinne wie unter c. nd. kundmann
z. b. Danneil 120
b. 2@bb)
wie Adelung, Krünitz 55, 63
angeben, bedeute mann
darin '
person überhaupt',
daher auch sie ist mein kundmann, '
nicht kundfrau
oder kundjungfer';
es ist aber nur wie bei der kunde
auch, und diesem nachgesprochen. Im pl. auch kundmänner: die bettler beziehen diese messen der dörfer (
kirchweihen) als kundmänner. J. Paul
biogr. belust. 1, 150. 2@cc)
auch kundsmann (
s. unter 1): ein bloszer kundsmann blieb bei dem gewöhnlichen preise (
für die hetäre), die freigebigkeit eines eigentlichen liebhabers hingegen
u. s. w. Wieland
Lucian 3, 364; so einen kundsmann .. weisest du verächtlich ab! 370. 33)
auch wie kunde 3: lieber, sagt der gut mann zu ihm, was gilt doch ein solcher vogel? diser sach wol, was er für einen kuntman vorhanden hett, und sagt, man gibt ein umb ein pfenning. Wickram
rollw. 143, 1
Kurz. noch nd. z. b.: du bist mi'n schönen kundmann,
du bist mir der rechte! Danneil 120
b. 44)
einer der kunde gibt, wegweiser, späher: u. ä.: zu eim kundtmann bist mir zugeben. H. Sachs 3, 2, 148
b; nun kundmann, so kom nun herfür, da mustu etwas sagen mir. Ayrer 341
b (1709, 32),
im personenverzeichnis Phila und Ubalt, zwen paurn und
kundleüt 354
d (1778),
der erste erhält 339
d die weisung vom könig: und Phila, du must mit ihm hin und zu dem riesen weisen ihn. 1702, 8. 55)
zeuge vor gericht, der kundschaft
gibt. 5@aa)
hd. nur im pl. kundleute belegt, aber kuntman
bestand sicher auch: und soll iegliche parteie laiten zu kundleuten (
d. h. als k. vorführen) nit ob nun mannen und och nit unter siben mannen, und soll die kundschaft gan und gelait werden nach kuntschaftrecht. Haltaus 1143,
vom jahre 1432; nach der kundlüt sage. Mone
zeitschr. 8, 171.
auch kundschaftleute Schm. 2, 311. 5@bb)
im sing. mrh. kondesmann,
wie hd. kundsmann
unter c, in einem Wetzlarer schöffenbriefe v. j. 1515 (
mrh. konde
s. sp. 2620,
vgl. Fischarts kontschaft
kundschaft): daruf die gemelten hern dry kondesmann, nemlich Peter Vierecken, Lenhart Schulzen und Jost Emrichen vor kondesmann am recht (
bei gericht) aingezeigt, die alle dry nach forme der recht und wie sich zu Wetzflar am rychsgericht gepoert, vorgefordert und geeidt sin. P. Wigand
denkw. aus dem archiv des reichskammergerichts 54. 5@cc)
ihre thätigkeit heiszt ebenda kondesagen
und kondesage
fem.: und Peter Viereck und Lenhart Schulz haben uf iren gethanen eid .. deponert und
gekondesagt, wie nachfolget.
das. 54; haben die gemelten hern etlich
kondesage widder Wygeln ingefoert (
es ist das laiten
unter a), daruf ein urteil .. uszgesproken. also (
darauf) ist gedachter Wygel .. erschinen, einen papyren zittel in siner hant gehaipt, damit offentlich von der kondesage und ergangen urteil an .. kais. maj. kammergericht appellert. 55,
das fem. kann, wie kundschaft, kundsame,
auch die kundsleute selber meinen. diesz kondesage
ist wie der kundlüt sage
unter a, und dávon erst jenes kondesagen, gekondesagt
gebildet, wie z. b. von kaufschlag
ahd. choufslagôn,
nhd. kaufschlagen (
s. d.). 5@dd)
das -es
in kundesmann, kundsleute
wird übrigens berechtigt sein, denn es gab neben die kunde
oder künde,
zeugnis, bezeugung (
sp. 2622)
auch ein neutr. künde
oder kunde: der kriec muoʒ in daʒ künde (: fünde) gezogen werden schiere, hinnân (
von hier weg) ich appelliere und ziuheʒ für die Minne
u. s. w. Heinzelein v. Konstanz
s. 111, 350,
man lese den verfolg nach, der minnestreit (kriec
rechtsstreit, s. sp. 2217)
ist durchaus in gerichtlichen ausdrücken behandelt, zu denen auch in daʒ künde ziehen
gehört, wie in die klage ziehen
mhd. wb. 3, 923
b, uf kuntschaft ziehen Scherz 844,
fordern oder bewirken dasz eine sache durch kundschaft,
durch kundesagen
entschieden wurde. s. auch bei Lexer 1, 1771 daʒ chunde (künde)
zeugnis, urkunde. schon goth. kunþi
n. erkenntnis, wissenschaft. 5@ee)
ebenso gieng neben die urkunde
mhd. daʒ urkünde
oder urkunde,
schon ahd. fem. und neutr., eig. genaue (ur-)
bezeugung, bekundung, und auch schon zi urchundiu ziohan
contestari Graff 4, 427,
wie vorhin in daʒ künde ziehen,
nur dasz dort der erste sinn des nachher reich entwickelten rechtlichen ziehens
noch klar ist: den zeugen vor den richter ziehen (
beim ohre),
s. RA. 857.
wie genau überhaupt urkunde
und kunde
rechtlich hand in hand giengen jahrhunderte lang, zeigt dasz auch der zeuge selber sowol kunde,
ahd. chundio (
sp. 2620)
als urkünde
m., ahd. urchundio
hiesz (
mhd. wb. 1, 815
a,
Rol. 230, 31,
Karl 7763).
zum ganzen s. unter kunden 3,
c.