Wossidia
Königschuß älter -schott, selten Königsm. Königsschuß, das volkstümliche jährliche Schützenfest, zwischen Mai und Juli von den Schützengilden veranstaltet. Bald nach 1600 ist in den meisten Städten das Scheibenschießen mit dem Feuerrohr an die Stelle des Vogelschießens mit Armbrust und Bolzen getreten (letztes Papagoyenschießen in Ro 1624). Preis für den besten Schützen beim Scheibenschießen, den Schüttenkönig, schon in der Rostocker Schützenordnung von 1616 ein silberner Löffel; weitere, örtlich verschiedene Vergünstigungen: Zechfreiheit während des Festes, Königsacker, -brink, -wisch, ein Baum zur Holznutzung, Mastfreiheit für ein Schwein, Mattenfreiheit beim herzoglichen Müller, einjährige Steuerfreiheit (1693 RoRostock@SülzeSülze,
s. Monh. 9, 122), in RoRostock@RibnitzRibn ab 1715 durch Geldzahlung aus der herzoglichen Steuerkasse ersetzt Kühl 317; 319;
s. Königsgeld. Verpflichtung des Königs zur Bewirtung der Zunftgenossen,
s. Königsäten. Das Fest selbst dauert mehrere Tage (von zwei Bär. Ges. 4, 1, 631 bis fünf LuLudwigslust@GrabowGrab); diese werden von Schützenbrüdern und Stadtobrigkeit vorher festgelegt Bär. Ges. 4, 1, 632: den Dag nah Pingsten ward dei Königschuß tausnäden PaParchim@GoldbergGoldb. Am ersten, eigentlichen Königsschußtage wird 'umb erlangung der Ehre und Gewinn eines Königs' (Schützenrolle RoRostock@RibnitzRibn 1704) Kühl 315, am zweiten Tage ('Königs-Gewinn-Tag' Bär. Ges. 4, 1, 634) um gegenständliche Gewinne geschossen. Das Fest, dem mehrfach das Smeckelbier (
s. d.) vorangeht, wird am Vortage eingeleitet, nachmittags durch Trompetenblasen an jeder Ecke (anblasen Ha) und Trommeln vor jeder Tür (
intrummeln SchwSchwerin@JarmstorfJarmst), durch Ständchen für die Ältermänner und Offiziere der Schützenkorps, den alten König und den Bürgermeister, abends durch den Zapfenstreich: Königschuß-Heiligabend ward dei Königschuß anmeiht MaMalchin@NeukalenNKal; GüGüstrow@NeuendorfNeuend. Am ersten Königsschußtage Böllerschüsse (
s. Anschott 2, Böller
1), vom Kanonenscheiter abgefeuert, und Wecken durch die Musikkapelle; die Schützen sammeln sich in vullen Staht ( Babst Kö
n. 3) auf dem Markt und holen nacheinander die Fahnen, ihre Ältermänner, den alten König und den Bürgermeister mit Musikbegleitung ab; der alte König gewährt dabei noch einen Umtrunk: Hahlt den ollen König aff, wenn he ju traktiert, Nu so drinkt, wat he värsett, eet't dat, watt ju geewen Babst Kö
n. 4;
s. auch Bär. Ges. 4, 1, 634; nach der Parade auf dem Marktplatz marschiert der Zug durch die bunt geschmückten, blumenbestreuten Straßen (E. Krüg. 24) zum Schießhause, voran der Schibenkiker (Ha; PaGoldb) oder Schibenwiser ( Babst Kö
n. 5) und der Listenführer mit den Schießgewinnen an buntbemalter Stange, hinter den Musikanten und der Fahne der alte König mit seinen zwei Begleitern, dann die verschiedenen Korps der Schützenzunft. Auf dem Schießstande gibt zuerst der herzogliche Kommissarius (
d. i. der jeweils vom Herzog beauftragte Amtmann oder Bürgermeister) stellvertretend die dem Landesherrn zustehenden Vor-Schüsse ab, dann folgt der alte König mit seinem Freischuß, darauf die übrigen Schützenbrüder; ein Knop (
s. d.) wird durch Trommelschläge und Böllerschüsse angezeigt, der die Entscheidung bringende Meisterschuß dazu durch einen Tusch für den neuen König. Beim abendlichen Einmarsch nach der Königsproklamatschon (
s. d.) wird dem neuen König die Scheibe mit seinem Schußknopf vorangetragen; auf dem Markte schreitet er dann unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front ab; ein Festschmaus im inzwischen bekränzten Hause des Königs oder im Rathause beendet den Tag. Der zweite Tag mit dem Königsball am Abend verläuft im übrigen ähnlich dem ersten. Häufig Nachfeier, Nahklapp-Sünndag, mit Volksfest in der Budenstadt unter starker Beteiligung der Nachbardörfer und mit abschließendem Feuerwerk. Sprachlicher Niederschlag: wenn de Hagenower Königschuß fiern, is keen Buer up 'n Fell' un keen Börger in de Stadt Ro; dat to Holteck grahd Königsschott wier C. Reinh. Holtrev. 141; dat Königschuß (1889) RoRostock@RibnitzRibn; (1928) StaStargard@Alt StrelitzAStrel; wenn es donnert, sagt man in Wa: in Röbel is Königschuß, oder in GüGüstrow@AhrenshagenAhr: dei Krakowschen hebben Königschuß; im Anruf an den Regenbogen: lat mi morgen nah 'n Königschuß gahn! RoRostock@GrammowGramm; syn. Wendung: morgen is Schüttengill' (1934) StaStargard@WoldegkWold; den Dag vör 't Schüttengill C. Reinh. Holtrev. 1; übertr. in den Zss. Pasturen-,
Preisterkönigschuß kirchliche Synode und Missionsfest.