Wossidia
Klenner auch Kalenner, Klennje (Reut. 1, 78), Klinner (HaHagenow@RedefinRed; RoRostock@KlockenhagenKlock), Pl. -s
m. Kalender: fasti 'Kalender' Chytr. 179;
K'lenner Mi 42
a; 'alle ... Kalenders' Monschr. 3, 650. Der 'neue' Gregorianische Kalender wurde in Mecklenburg am 1. März 1700 eingeführt, indem man diesen Tag unmittelbar auf den 18. Februar folgen ließ Gem. Aufs. 1783, S. 1
f.; Bär. Ges. 1, 3, 365; der allgemeine Reichskalender als verbesserter Gregorianischer am 7. Juni 1776 Nützl. Beitr. 1802,
Sp. 91
f. Gedruckte Kalenderbüchlein gab es in Mecklenburg nach Mantz. Ruh. 12, 69 und Gel. Beitr. 1765, S. 79 bereits im 17. Jahrh.; seit 1773 erscheint im Adlerschen Verlage zu Ro der 'Herzoglich- MecklenburgSchwerinische Calender' in Sedez-Format, in einem Anhang die in Schw, Gü und Ro abgehenden und ankommenden Posten und die Jahrmärkte verzeichnend; von 1776 ab 'mit Sr. Herzogl. Durchl. von Mecklenb. Schwerin gnädigstem Special-Privilegio'; im 19. Jahrh. in Oktav-Format; seit 1891 als 'Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher und Mecklenburg-Strelitzscher Kalender' auf dem Titelblatt, als 'Vagel-Grip-Kalender' auf dem Umschlag (
s. Abb.), zahlreiche Bilder und vielerlei literarische Beiträge enthaltend;
vgl. Reut. 3, 305; der seit 1864 im Hinstorffschen Verlage in Ro 'mit des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, Königl. Hoheit, allergnädigstem Privilegio' erscheinende 'Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinsche Kalender' findet gleichfalls weiteste Verbreitung, bes. im NO des Landes; er ist reich bebildert und bringt
u. a. literarische Beiträge in Prosa und Versen; so 1867 die gereimte Schnurre Voß un Haas maken 'ne Reis' dörch Meckelnborg, die in den nachfolgenden Ausgaben fortgesetzt wird, weswegen der Kalender nun im Volksmund den Namen Voß-un-Has'Kalenner erhält;
s. Abb.: im Hintergrund der alte Rostocker Bahnhof, die Nicolai- und die Petrikirche. 'Mit Lesen beschäftigt sich der Bauer ... wenig; die Bibel, das Gesangbuch und vor allem der Kalender ist die Lektüre, auf die er sich beschränkt' Arch. Landesk. 17, 447;
vgl. auch Jb. 2, 130; daher sagte ein Ehemann zu seiner Frau, als diese Wo. allerlei Geschichten und Reime mitgeteilt hatte: bäter Lust wir gor nich, as wenn du in 'n Klenner keemst, denn' köfft ick mi ok Gü Güstrow@GülzowGülz; da früher nach der Fibel Katechismus und Bibel die einzigen Schullesebücher waren, aber natürlich nicht der Kalender, so heißt es vom Dummkopf und ganz Ungebildeten: dei is mit 'n Klenner nah dei Schaul gahn MaMalchin@RemplinRempl; ... drei Johr mit 'n Klenner in singlecolTitelbild des Vagel-Grip-Kalenders
dei Schaul gahn GüGüstrow@GülzowGülz; dee is mit 'n Klenner insägent Wa; dee süht 'n Klenner för 'n Katekismus an ebda; was im Kalender gedruckt steht, gilt für wohlbegründet und unanfechtbar; so wird
z. B. über die Petermännchensage geäußert: dat stünn' doch in 'n Klenner, dat möt doch Grund finnen Wi Wismar@NeuklosterNKlost; der Kalender unterrichtet seine Leser über den Stand der Gestirne und die Mondphasen, so daß man bei Müll.-Friese liest: wenn de Stratenlaternen nich brennten, wil Mahnschin in 'n Kalenner stunn 118; vor allem aber über das mutmaßliche Wetter: Etwas gelinder Steiht in 'n Klinner, ein Wort, das man auch in übertr. Sinne gebraucht, etwa als Mahnung, eine Preisforderung herabzusetzen HaHagenow@RedefinRed; nu is anner Wäder in 'n Klenner kamen Ro; scherzend sagt man: wenn dei Klenner koll Wäder höllt, möt hei int Rühr leggt warden GüGüstrow@GülzowGülz; am wichtigsten sind dem Landmann von den Wetteransagen die über drohenden Regen; daher heißt es: wo is dei Buer dumm, lett sin Fauder natt warden un hett 'n Klenner in 'n Hus' Schw Gad; Gotts Wärer, wat 'n Stück Arbeit, hebbt 'n Klenner in 'n Hus' un lat't den Kleewer natt warden Ratz. Mitt. 4, 3, 9; da natt Wäder übertr. eine mißliche oder gefährliche Lage bedeutet, heißt es bei Bri.: mennig een süht man dummerhaftig ut ... un is doch een Kierl up 'n Platz, wenn natt Wäder in 'n Klenner steiht 3, 29; nu is 't ful in 'n Klenner sagen die Arbeiter, wenn der Herr oder Aufseher kommt HaHagenow@RedefinRed; nu is Schit in 'n Klenner nun sieht 's schlimm aus, auch vom Kartenspiel, mit dem es schlecht steht allgem.; dat sleiht doublecolErstes Voß-un-Has'-Bild von 1867 in 'n Klenner! Ausruf der Überraschung Gü Güstrow@BützowBütz; dei (der Langschläfer) vergett jo woll den Kalenner Nds. 8, 77
a; daß der Glaube an den Kalender aber keineswegs blind und unerschütterlich war, zeigen Worte wie De Klenner höllt Bläder, Leew Gott gifft 't Wäder Wi und noch stärker de Calender lügt, he hett lagen Gel. Beitr. 1765, S. 79; anderseits gilt der Kalender als 'das non plus ultra geistiger Arbeiten; daher Kalender machen: im tiefen Nachdenken brüten, sich schweren, unnötigen Sorgen ergeben' Jb. 2, 130; dies im Scherz als ausweichende Antwort auf die Frage wat wist du don? Klenners un 'n ni Gesangbok maken StaStargard@WulkenzinWulk; vom Abreißkalender spricht das Wort: morgen is Nijohr, säd' dei Jung', dunn hadd' hei den ganzen Klenner afräten RoRostock@RibnitzRibn. — Kü. 2, 98; Me. 3, 19.