kläuel,
n. m. knäuel; es ist die ursprüngliche gestalt von knäuel (
s. d.),
und hat auch mit l
schon vielerlei nebenformen. kläuel
ist eine verkleinerung, das urspr. kläue, kleu
s. unter 2. 11) Kläuel
mit den nächsten nebenformen. 1@aa) kläuel (kleuel)
ist die rein nhd. form, entsprechend dem mhd. chliwel
glomus sumerl. 26, 78, Graff 4, 567,
oder kliuwel,
vermutlich auch schon n. und m. (
das ahd. s. unter g): solchs alles auf einen kläuel winden. Luther
br. 5, 540; ich wolte
[] dir für ein solches fädchen gern wiedrum zwei kläuel dediciren.
interim 127 (
obsc., s. unter 2,
a). kleuel
noch in Ostpreuszen Hennig
preusz. wb. (1785) 329. 1@bb)
dasselbe ist älteres kleul (klewl):
adglomerare, klewl machen. Diefenb.
wb. v. 1470
sp. 11; klewl
voc. 1482 q 7
b; und sprachst, du hetst ain kleul gewunten.
fastn. sp. 611, 22; garnrocken, haspel, strenk und kleul (: pleul,
bleuel). Folz
von allem hausrat (Göz
H. Sachs 4, 157); euch ist wol wissende, das der eintrag unseres lebens gewebet wird nach beliben des höchsten anfängers und uhrhebers unseres lebens, und das eine ide art des lebendigen ein absonderliches kleul hat, deren eines gröszer als das andere. Butschky
hochd. kanzl. 881,
er hat die knäuel des webers im sinne, s. unter 3,
b. 1@cc)
der mhd. form näher klewel, chlewel
glomus Dief. 266
a,
in vollster form kleuwel
das., voc. opt. Lpz. 1501 M 3
b,
daher mit schlechter aussprache kleiwel: sie (
die kirche) kehrt und wendt der alten vätter lehr .. zwingt und wind sie so kurz zusammen wie ein kleiwel garns. Fischart
bien. 1588 34
b (
in einer ausgabe o. j. klewel). 1@dd)
mitteld. ohne umlaut klauel Rädlein 548
a (
wie knauel)
oder klawel: gleich wie in einer summen und auf einen klawel. Luther
tischr. 136
a.
es entspricht dem älter md. klûel: als ein klûel man si drête (
die märtyrin) ûf den koln her und dar.
pass. K. 182, 93.
auch im 16.
jh. noch klwel Trochus R 3
a (w
wol noch gleich uu, û,
s. u.keusel),
selbst oberrh. ohne umlaut in der Straszb. gemma kluwel,
wie mrh. im 15.
jh. Dief. 266
a, Mones
anz. 7, 160. 1@ee)
mit dem merkwürdigen g
für w (
s. unter klaue
sp. 1026)
klugel, klügel. so geben zu 'knoil
glomus'
im voc. inc. teut. pätere ausgaben l 3
a als zusatz clugel (Dief. 266
a).
noch im 16.
jh. schwäb., oberrh. klügel
pila, globus Frischlin
nom. 457, Dasypod.
s. v. glomero (
in einigen ausg. klugel,
mit klungel (
ermengt).
dazu klugelstock
garnwinde, gurgillium Mones
anz. 7, 300.
vom seidencocon: demnach der seidenklugel zart, lind und weich ist. Sebiz
feldbau 452.
die form lebte aber schon in mhd. zeit nach clûgelen
für knäueln, ballen in den Trierer psalmen s. 198, zesamene geclugelet ist in der erden
als übers. von conglutinatus est
etc., und auch nd. erscheint diesz g,
s. 3,
b. 1@ff)
mit vollerer deminutivendung kleule Renner 3954
Bamb. ausg., vom igel, der als ein kleule sich zesamen smuket.
so kleule,
und zwar als masc., noch in einem Breslauer dict. v. 1620 Frommann 4, 174.
mit älterem vocal alem. klüwli faden (
kläuelfaden) Paracelsus
op. 2, 257
c,
mhd. kliuweli Mones
anz. 8, 396, cliuweli (11.
jh.) Graff 4, 567. 1@gg)
mit vollster endung mhd. chliwelîn
sum. 33, 48, chlûelîn 9, 5,
ahd. cluwelîn
globulus. daher klewlein glomicellus voc. 1482 q 7
b: die zwo frawen wurden uneins umb ein klewlin garns. Pauli
schimpf u. e. 26
b.
mit b
für w: zwai cleüblin mit garn Keller
altd. ged. 8, 32 (kleulin 9, 2,
obsc. wie u. a). 1@hh)
endlich kleuel
mit neuer demin. endung in siebenb. kloalchen Haltrich
plan 31
b,
es wird sich auch hd. finden. 22)
Auch das einfache wort ist da, neu und alt. 2@aa)
henneb. das kläue
knäuel (
volksm. derb für kopf) Reinwald 1, 79,
älter nhd. und mhd. kleu (
ahd. cliu
s. c): cleu
n. Megenberg 297, 10. 12. 299, 33; si pat mich heimlich umb ein dreier, doch dacht ich mir, sie meint die dreu (
drei dinge), do an einer nadel hangen zwei kleu.
fastn. sp. 219, 24 (
obsc.). klew
glomus Dief. 266
a,
voc. th. 1482 q 7
b,
hier darauf klewlfas, dorinne man das klew .. umbwendet,
glomeraculum. 2@bb)
merkwürdig in Livland die
klau oder klaube Hupel 115,
aus älter md. klûwe
f.? auch hier sind offenbar alle drei geschlechter vertreten (
s. unter c und klaue I, 2
a. e.).
vielleicht ist dasselbe nd. kluwe
in Pommern, sachen von einer art die auf einem klumpen beisammen sind Dähnert 238
b (
leider ohne angabe des geschl.),
doch s. unter 5,
b. 2@cc)
ahd. cliu
spera (
s. 4,
a) Haupt 5, 352
b,
voller chliwi Graff 4, 566,
deutlich als n. daʒ chliwe (
orbem)
Boeth. consol. c. 174,
wie unter a; gewöhnlich aber, wie unter b, als fem. chliwa, chliuwa,
einmal cluwia (
s. 4,
a),
und das masc. wird auch schon dagewesen sein, da es nhd. sogar im demin. erhalten ist. Dem ahd. entsprechend auch ags. clive, cleove
f., daher engl. clew, clue,
mit nhd. kleu
übereinkommend. 2@dd)
dazu auch eine nebenform mit anderm vocal, deutlich in älter nl. klauwe, klouwe
glomus Kil., clouwe Binnaert (
vgl. clueken
glomicellus hor. belg. 7, 9
a);
wahrscheinlich auch in ags. [] clove (cleáve?),
gestützt durch das altengl. dem. clowchin
im prompt. parv. (Halliw. 257
b),
und selbst in ahd. oder altrhein. clŏwelin
globellum Graff 4, 567,
wie in den nd. formen u. 3,
c. 33)
Aber noch eine dritte hauptform tritt auf mit andrer bildung, md., nd., ags. 3@aa)
altmd. klûwen n. bei dem Hessen Herbort 1106. 1040,
noch jetzt hessisch das klauen Vilmar
zeitschr. d. v. f. h. gesch. 4, 78;
auch ostpreusz. klauen
und (
nd.) kluwen Hennig 124.
auch mit umlaut (
wie in kleu, kläuel)
kleuen :
glomus, klewen garns, clewen Dief. 266
a aus wol mrh. vocc., clewn
Bresl. voc. v. 1422; gott aller menschen that und sünd ein zeit lang auf ein klewen wind. Eyering 2, 580.
merkwürdig noch in dem Prager dict. trilingue 1700 2, 284
b kleüwen
neben kneüel.
noch nrh. in Aachen das klöie (
für kläuen,
wie bovve
für boben).
auch zusammengedrängt mit û (ue):
conglomerare, garn uf ein
cluen winden. Dief. 142
b,
nrh. Mones
anz. 3, 49
b. 3@bb)
herschend ist diese form nd. nl.; mnd. clûwen
n., im Redentiner spiele klagt sich ein weber an (
vgl. dazu 1,
b zuletzt und unter knäuel): ik levede sêre an untrûwen wente ik nam jo (
immer) dat vêrde clûwen (
hs. cluen). Mone
schausp. d. m. 2, 88);
conglobare, cluwen wennen (
winden). Dief. 142
b,
auch kluen 266
a.
so noch braunschw. klûben (
mit b
für w),
osnabr. klüwwen
und klüen Strodtmann 107,
westf. kluen,
gött. ditm. klûn,
ebenso mnl. cluwen,
nnl. kluwen.
das alter der merkwürdigen bildung verbürgt ags. cliven
n. (cleoven),
auch schon cleón, clŷn Haupt 9, 417
a. 418
a. 468
a (clŷnian
implicare Mones
anz. 8, 246),
diesz ags. clŷn
entspricht denn genau dem md. kleun
vorhin. nd. übrigens auch mit dem g
wie 1,
e mekl. klugen Fromm. 2, 223,
westf. klüggen Kuhns
zeitschr. 2, 91,
vgl. Woeste
das. 197. 3@cc)
diesz wieder auch mit der vocalabweichung wie 2,
d in clowen Dief. 266
a,
glomicellus en klene klowen 265
c, klawen
clunis, conglutinatio filorum hor. belg. 7, 28
b,
noch brem. klouwen,
hamb. klauen,
zusammengezogen ostfries. götting. klôn,
nl. kloen
neben klouwen. 44)
Für bedeutung und ursprung ist zu bemerken, 4@aa)
dasz das wort nicht allein knäuel bedeutet, sondern auch klumpen (
wie gr. τολύπη,
franz. peloton);
s. besonders das clugelen 1,
e zuletzt, pomm. kluwe 2,
b, ags. von feuerklumpen Haupt 9, 418
a (
weintraube 468
a).
das kann freilich übertragen sein. Das ahd. wort wird aber öfter als zu glomus,
zu globus
gesetzt, auch zu orbis, halbcluwia
zu hemisperia,
also kugel. der knäuel stellt durch das aufwickeln die kugelgestalt von selbst besonders rein dar und galt daher als '
kugelchen' (
denn das demin. ist entschieden vorherschend),
wird auch geradezu kugel
genannt, wie lat. pila
kugel, ball und knäuel ist. ist nun die kugel vom knäuel benannt? oder umgekehrt? 4@bb)
die antwort wird die sprachvergleichung zu geben haben, denn lat. glomus
knäuel enthält wol dieselbe wurzel (
vgl. altkymr. hloimol
glomerarium Zeusz 1094),
liegt aber ebenso dem globus
kugel sehr nahe. die frage greift aber wol nach Indien zurück mit skr. glâus,
das eig. kugel zu bedeuten scheint (Böhtl.
u. Roth 2, 869)
und zu ahd. chliwi
globus noch näher stimmt. sl. klbo
knäuel bleibt aus dem spiel, s. sp. 942
unten. 55)
Es sind aber auch bei uns noch fragen übrig. 5@aa)
recht nahe liegt klûmen
pl., gehechelte flachsbündel, im sächs. Erzgebirge (Spiesz
Annab. progr. 1862
s. 64),
vgl. in Aachen klumel, klomel
f. gleich klöngel
träges frauenzimmer (Müller
u. Weitz 113),
eig. aber knäuel (
s.klüngel)?
kann das m
aus w
entstanden sein? vgl. knummel
gleich knäuel. 5@bb)
merkwürdig im stammauslaut ahd. 'claufe
clonis' (
s. u. 3,
c) Mones
anz. 7, 592 (
ist in cluura
spera Graff 4, 566 r
verlesen für v?).
das kann gestützt werden durch das pomm. kluwe
unter 2,
b, da w
dort gleich altem v
ist, vgl. in Cöslin klîben
pl. klösze ('
klümpe'),
und mit unsrer bed. hier altdän. klefse
knäuel (
jütl. klaus) Molbech
dansk gloss. 439,
vgl. schw. klavse (klause)
m. Rietz 328
a.
Verhielte sich das zu kläuel
auch im ursprunge wie klauber
klaue zu klaue?
das sinnverwandte klosz
weist auf ein starkes klieʒen
spalten, und auch ein klumpen, eine kugel wird durch spalten gewonnen; hinter klaue
steckt aber vielleicht, wie hinter klieben,
ein diesem verwandtes stammverbum mit einfacherem auslaut, das sich fürs lat. gr. in gluma
hülse, γίγγλυμος fuge andeuten könnte.