kichern ,
fein lachen, besonders mit gedämpfter hoher stimme in sich hinein lachen. 11)
Bedeutung und gebrauch: homo cachinnat, kichert. Trochus
Lpz. 1517 Q 3
b; nur nicht zu früh gelacht, mein schönes kind! ... das kichern soll dir bald genug vergehn. Wieland 26, 204; ein fernher zugeworfner kuss, begleitet mit einem leichtfertigen kichern. 5, 98,
im neuen Amadis 16, 13,
aber noch nicht in der ersten ausgabe (1771 2, 180); die damen kicherten ein zirpendes hihihi in das donnernde hahaha der mannspersonen. 13, 43; die nönnchen aber kicherten drein. Klamer Schmidt; dann hüpfte sie (
Philine) wie thöricht in der stube herum, setzte sich an die erde und wollte vor (
übermütig triumphierendem) kichern und lachen ersticken. Göthe 19, 80;
Hermann erzählt von den kaufmannstöchtern, die seinen modischen aufzug lustig finden: als ich eintrat, kicherten sie; doch zog ichs auf mich nicht. 40, 254; werdet ihr bald auslachen, Amalia und du Luise? meint ihr, es sei holdselig, so ausgelassen zu kichern? Voss
Luise (1825) 3, 1, 459,
nicht in den ersten ausgaben; die kammerjungfer suchte und kicherte dabei immerfort heimlich in sich selbst hinein. Eichendorff
taugenichts (1842) 29; das war ein schwören und schwören aufs neu, ein kichern, ein kosen, ein küssen. Heine
buch der lieder 150; und zwischendrein schrillen die möven, wie kaltes ironisches kichern. 346; ein französisch stumpfes näschen, schalkheit kichert in den mienen.
Romanzero 264.
ablautend kichern und kachern
sp. 14.
vgl. gekicher n., schwäb. kicher
n. verhaltenes gelächter Schmid 312. 22)
Formen und verwandtschaft. 2@aa)
es heiszt auch kicheln, effuse ridere, cachinno concuti Stieler 961,
von hellem weiber- und kindergelächter Frisch 1, 513
b;
es ist noch landsch., z. b. östr. Höfer 1, 300. kicheln
und kichern
neben einander wie schütteln
und schüttern, klingeln
und klingern
u. a. 2@bb)
ferner gichern Hennig
preusz. wb. 325 (kichern 121);
und gicheln Frisch,
östr. Höfer 1, 300,
alem., aber auch nd. und nl., giecheln
ostfries., vgl. gacheln. 2@cc)
mit noch andrer endung kärnt. kichazen,
schon ahd., s. e. 2@dd)
weiter kickern: kickern die damen im hellen ton. Benzel-Sternau; gekickert und geflüstert. Gotter. Rädlein 533
b gibt das als '
höhnisch lachen',
es ist aber meist ganz gleich kichern,
mitteld. wie oberd.: thür., sächs. (
auch kackern),
schles. (gickern Steinbach 1, 594
meint wol dass.),
in Posen, aber auch bair. Schm. 2, 281.
nl. kekeren Kil. (keikeren Binnaert),
westf. kiekstern Kuhns
zeitschr. 2, 96 (
vgl. keistern).
Wieder auch mit l
nrh. kickeln
Teuthon., westerw. gickeln,
schweiz. gigelen
und gigeren (
beide g
mehr als k
klingend, s. sp. 2
unten),
schon mhd. gickeln
Renner 16109.
und wie alt diese formen sein werden, verrät ihr dasein in Schottland: kicker
und kigher
verhalten lachen (keckle
aber to laugh violently),
ganz unser kickern
und kichern
in seiner doppelform; so sind beide formen wahrscheinlich schon gemeinbesitz der deutschen sprachen gewesen, ehe die Angelsachsen über die see zogen. engl. heiszt kichern giggle,
dem schweiz. gigelen
entsprechend; keckle
heiszt heftig lachen, cackle
aber auch kichern, wie schweiz. gaggle (
sp. 49). 2@ee) kichern
verhält sich zu kachern
u. ä., wie der klang des verhaltnen, mädchenhaften, hohen lachens zum lauten, offenen, tiefen, jenes malt das hihihi,
dieses das hahaha;
und schon ahd. ist zum glück einmal kihazan
verzeichnet neben kahazan Graff 4, 363.
aber auch die Griechen schon nannten ebenso jenes κιχλίζω,
dieses καχάζω,
und beides mag in die urheimat in Asien zurückreichen, beides ist zu natürlich. bei uns stellt sich als einfachste gestalt kachen
dar (
sp. 14),
das schon altindisch ist, kakh Bopp
gl. 62
a,
daneben auch schon mit andrer lautstufe ghaggh 113
a.
als beispiele, wie weit diese laute zur bezeichnung des lachens greifen, diene finnisch kikotan
cachinno, ehstn. kikkitama,
sprachen die sonst auszer der indog. verwandtschaft stehen. 33)
Bei uns zeigt der stamm aber noch weitere merkwürdige entwickelung. 3@aa)
das kichern heiszt mnl. auch 'scikeren,
cacinnari'
hor. belg. 7, 17
a,
bei Kil. schickeren,
ganz wie das kachen
mnl. scachen (
sp. 14),
nd. schachern Schmidt
west. id. 72 (
vgl. erzgeb. tschackern
sp. 14),
unser kittern
kichern nl. schetteren (
s. mehr unter kittern);
zu diesem S
vgl. sp. 406. 3@bb)
das erwähnte kittern (
schweiz. kitzern)
kann dem stamm aber auch nicht fremd sein, und wenn da wurzelhafter auslautwandel vorliegt (
s. sp. 6),
so gehören auch formen mit labialem auslaut her. denn in Aachen heiszt kichern giffeln,
nd. gibbeln Fromm. 3, 552,
ostfries. giebeln,
und mit a
von lautem lachen nd. gaffeln (Schambach),
schon schottisch gaff (
ostfr. gabbeln, gaffeln, guffeln
ins fäustchen lachen),
und das wieder mit mehrfacher ausgestaltung (
s. gacheln). 3@cc)
die anlautende gutturalis erscheint aber auch als H: hecheln
cachinnari Dief. 87
a,
mrh. westerw. hicheln
hell lachen (
auch wiehern),
nd. hucheln Schmidt
west. id. 72, hachern (
s. sp. 14);
und an kittern
sich anlehnend bair. hetteln,
nd. hiddiken (Schmidt
a. a. o.),
sodasz alle drei möglichen kehllaute vertreten sind, K, G
und H,
wie bei keichen (
s. sp. 438
g),
das selbst sich als wurzelverwandt darstellt, s. sp. 437
unten und 438
unter f. 3@dd)
ähnlich ist übrigens auch nl. gniffeln
verhalten in die faust lachen (
vgl. nrh. giffeln
unter b),
ostfr. gniffeln,
holst. gnîfeln;
und nd. gniddern, gnidderken
kichern, auch gnickern (
ditm. gniggern
wiehern).
wie nah liegt gnickern
dem gickern
oben. vgl. schott. kink
kichern sp. 437
unten. schweiz. heiszt es auch guxeln Stalder 2, 522,
nd. gluddern,
fränk. pfitzern.