Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kestigen swV.
2 ‘jmdn. (meist körperlich) bestrafen, züchtigen’
3 ‘jmdn. quälen, peinigen, jmdm. Gewalt antun’
1 ‘sich, den eigenen Körper (aus religiösen Gründen) harten Übungen, Entbehrungen und Verstümmelungen unterziehen’ daz oͮch der brode lîp, der die sunti da tuͦt, mit vâsten gechestigit werde Spec 44,22; er [ der gaischliche mentsche ] sol och sinen lip mit discipline, mit vastenn, mit wachenne, mit venienn [kniefälligen Gebeten] , mit bettenne und mit andren guͦten dingen kestigen und nit ze zart haben, daz er nit werde ze gaile [ausschweifend] PrGeorg 333,25 u.ö.; hie bi kastiget sie iren lip, / [...] / mit strichen unde mit slegen vil Elis 1673; EvAug 45,7; Serv 2212; Albert 400; [es sind] etlîche kûsch [ eunuchi ] di sich selbir habin castiget [ qui se ipsos castraverunt ] durch daz rîche der himele EvBeh Mt 19,12. – auch ‘sich mühen, plagen, quälen’ so der man und daz wip die wochen chestiget sinen lip / so schulen si an dem suntage genade unde reste haben GenM 8,29; ohne Akk.: wande die [ausgehungerten Belagerten] man dâ sach ligen, / die begunden kestigen / mit maniger hande kummer Ottok 74286 2 ‘jmdn. (meist körperlich) bestrafen, züchtigen’ want gewalt der vatir hât / zu kastîgen den son vil wol NvJer 27573; diu goͤteliche straphe mit der got die suͥnder hie straphet unde kestigot PrSchw 1,17; HvBurg 693. – in Rechtstexten: wa ers nüt mit dem guote ab gelegen mag, das man in an dem libe darumb kestigen sol DRW 7,510 (LuzernRatsbüchlein; a. 1332); [der im Turm einsitzende gotshus dienstman ] sol da liegen, unz er gnade vindet, unde so er genuog gekestiget wirt, so sol ouch der herre gnade han RbBasel 12,9; StRBern 3:72,48. – auch ‘im Zaum halten, bändigen, zur Vernunft bringen’ der nante yne [...] ‘eya, herze one zaum’, wann yn nyman gekestigen kunde an demselben tag da yn der konig macht zu ritter Lanc 53,4; er qwam wiedder zur kónigin und saget ir das er sinen sun nicht gekestigen kunde, er wolt úmmer vehten wiedder den ritter ebd. 632,18. – abgeschwächt ‘tadeln, Vorwürfe machen’ ein priester was under yn, der myn herren Gawan sere kestiget [...] er sprach das im zu recht kein ere da von komen solt das er wapen trüg des samßtages als man none geludet hett Lanc 593,17 3 ‘jmdn. quälen, peinigen, jmdm. Gewalt antun’ der kúng an sinnen tumm / das edel volk von Israhel / kestigot an lib und an sel / und dett inn an vil maͤnig pin KvHelmsd 2518. 2712. – gott der hat mengerley crúzze, mit den er sin frúnd kestget Seuse 108,22; Eckh 5: 48,3; HeslApk 7193. – an etw. ‘hinsichtlich einer Sache Leid zufügen’ swer hat ein vbel wip, / dem ist gecchestiget der lip / an frivde ze allen ceiten; / der muz mit læide streiten Warnung 1154. – subst.: buze dine schult! / halt sin kestigen, syne zucht Hiob 9109. – ‘foltern’ geschee, das man einen kestigete und verjehe [gestehe] der ettliche dinge, darumb man sin libe und sin gut solte angriffen, das gut sol angriffen ein meister und ein rat und nit ein schultheiss noch ein vogt UrkStraßb 4,2:106,19. 14 (a. 1322). – wohl abgeschwächt ‘auf die Nerven gehen’ ‘waz wirret dir, thohter mîn?’ / ‘mich kestigt der sun dîn’ Mai 221,28
MWB 3,1 227,9; Bearbeiterin: Baumgarte