Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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keinesweges, adv. nullo modo, nequaquam, zusammengewachsen aus den adverbial gebrauchten genitiven keines weges, nullibi, dann zu einem starken 'nicht' geworden. gesprochen wird meist keineswegs; der ton fällt bald auf keines, bald auf weges (jenes bei starkem widerspruch), wie das bei solchen zusammensetzungen geschieht. entsprechend mnd. neinewege, doch pluralisch gebildet, wie engl. noways (daneben noway); so ist pluralisch mhd. alle wege ubique, omnino, semper, als accus., vollständiger in alle wege (s. 1, 241. 242), doch eben das auch als genit. aller wegen, und diesem entspricht keineswegs, nur singularisch 11) Älter scheint die bildung mit präpositionen. 1@aa) in keinen weg (das sicher schon mhd. gesagt ward), seltner dativisch in keinem wege (vielleicht auch keinen weg), eig. nach keiner seite hin, in keiner richtung, nirgends, dann mit entweichen des ortsbegriffes (wie bei niender, niergen selbst) gar nicht, in keiner beziehung, auf keine weise: in kein weg, nullatenus, nequaquam Dasypodius 362d. 155c, in kein wäg nit, minime omnium, nullo pacto, neutiquam Maaler 242a; in kein weg engept im nicht (nichts). H. Folz b. Haupt 8, 520; hörest du, freund, und das (wenn auch) ich für war wiste das du ein blasbalg wärest, wie du da hangest, dannocht wolt ich in keinem weg zu dir hinab kumen. Steinhöwel (1487) 68b; aller festiklichest ist es zuo glouben und in keinen (gedr. keinē) weg zuo zweiflen, das allein ein got ist. Keisersberg dreieck. spiegel Bb 2a; das wir uns rüsten zuo dem dot und leren (lernen), das wir müssen, künnen und mögen in kein weg entrinnen. Brant narr. 85, 16; aus der ursach ich deiner leer ... in keinen weg nit volgen will. Teuerd. 10, 138; in khein weg wolt er si fliehen. 93, 42. 109, 73; der bischof von Worms wolt in keinen weg für den keiser kommen. Aventinus chr. 429b; in keinen weg leiden oder halten. Luther 3, 31; das ist mir gar in keinen weg zu leiden. 3, 331; und als Raguel mit vielen worten Tobiam bat und ers in keinen weg willigen wolt. Tob. 10, 11; und euch in keinem weg erschrecken lasset von den widersachern. Philipp. 1, 28; die herzogin wust aber wol wer es war, thet aber in keinem weg desgleichen. Galmy 123; an geist, gelehrsamkeit und lebendigkeit fehlte es dieser schule damals in keinem wege. E. M. Arndt erinn. 55. vgl. auch Luthers in keinerlei wege unter keinerlei 1. 1@bb) auf keinen weg: nullo modo, uf kein weg. voc. opt. Lpz. 1501 S 2b. auf keinerlei wege Stieler 2454. so schweiz. auf dkei weg (dkei aus dekein), keineswegs Stalder 2, 439. 22) keins wegs kennt aber auch schon das 15. jh. und es mag noch älter sein, vgl. spät mhd. enkainswegs bei Weigand syn. wb. 2, 472: wann (da) nu uns als romischem kunig solich frevelich gewaltige und mutwillig handlung zu gedulden keins wegs (in keiner weise) gezimpt. mandat des reichskammergerichts im namen k. Maximilians v. j. 1497 (vgl. kaiser 5), P. Wigand denkwürdigk. aus dem archiv des reichsk. s. 18; keins wägs (nit), nullo modo, nullam in partem Maaler 242a; dehains wegs Schertlin (sp. 459 unten); Tewrdank der held sprach, ich wider (weigere) mich des alles keines wegs nit. Teuerd. 98, 239; das er sich kheines weges nicht mochte enthalten vor dem vall. 105, 24; uwer wesen kan gott keinswegs gfallen. trag. Joh. (1549) C v; (es ist zu fürchten, dasz der Türke sich) unserm geliebten vatterland seines gefallens nehern möge, in dem (wo dann) man sich .. sichern friedstands keins wegs zu getrösten (haben würde). abschied des reichstags zu Augsburg 1566 12b; das das vermünzt reinisch goldt ausz dem reich teutscher nation an andere frembde, auch in die Niderlandt, bisz sie sich auf unser münzordnung vergleichen oder die annemen, keines wegs verfürt werden soll. 38b; und den handtwerks meistern, knechten und gesellen kein wegs gestattet werden soll sich demselbigen zu widersetzen. 39b, das scheint doch keinen wegs (s. u. keinenfalls); darauf sagt der weis man 'keinswegs, lieber freund, sonder kehr es umb (so wirds richtig)'. Fischart ehz. 493 Sch., sonst bei ihm auch noch getrennt keins wegs; ich aber thet in weiter bätten (bitten), er solte keins wägs von mir trätten (fortgehn). Grobs ausreden, Haupt 3, 259; die auf dem glücksrade schweben, sollen die unteren keines weges mit verächtlichen augen ansehen. Butschky Patmos 341; desselben beschenkung weis ich mit gleichgiltiger (gleich werthvoller) dienstleistung keines weges zu erwidern. kanzl. 163; es will der liebe frid noch keines weges kommen. Rompler 119; die satzung ist ja nur für albere gemacht, es geht die witzigen (klugen) ja keines weges an. Hoffmannswaldau getr. sch. (1700) 84; dasz er nach Bonvillen süszer pfeifen keines weges getanzet hätte. pol. stockf. 113; dieses dienet keines weges denen zur entschuldigung .. Chr. Wolf ged. von der menschen thun und lassen (1720) § 257 u. ö., gleich darauf auch keinesweges; keineswegs, o mutter, verarg ich dir darum zu eifern. Voss Od. 18, 227; aufrichtig, möchte schon wieder fort, in diesen mauern, diesen hallen will es mir keineswegs gefallen. Göthe 12, 94; man läszt nichts am leben (in der eroberten stadt), männer keineswegs (in kéinem falle) .. 24, 215; dasz einer der unsrigen der sich zu kühn zwischen die hecken gewagt hatte, umzingelt und da er sich keineswegs ergeben wollte, erschossen wurde. 30, 78; diese (wagenburg) verdiente aber keineswegs den namen einer burg. 30, 79; nachbar, versetzte darauf der junge Hermann mit nachdruck, keinesweges denk ich wie ihr, und tadle die rede. 40, 248; es ist noch ein brief von Bürgern aus jener zeit vorhanden, woraus zu ersehen ist dasz von sittlich ästhetischem unter diesen gesellen keineswegs (gar nicht etwa) die rede war. 48, 91; Elisabeth. wie, mylords? wer war es denn der eine tiefgebeugte mir angekündigt? eine stolze find ich, vom unglück keineswegs geschmeidigt. Schiller 427a, d. h. wie ich es doch erwarten muszte, wie man mich hat glauben machen; unterworfen hätt ich mich dem richterspruch der zweiundvierzig, sagt ihr? ich habe keineswegs mich unterworfen. 412a; geschmückt zu einem feste, keineswegs zum krieg bereit, du siehst es, zogen wir in frieden unsern weg. 505a, d. h. nicht etwa wie du vielleicht denken könntest; dasz die beschränkung die unendlichkeit keineswegs ausschliesze, dasz mithin durch die nothwendige physische abhängigkeit des menschen seine moralische freiheit keineswegs aufgehoben werde. 1177b, wie man doch denken sollte, wie viele glauben. diese beziehung auf die gedanken des andern nämlich ist in keineswegs (wie in seinem gegensatz allerdings) neuerlich herschend geworden, es tritt einem ausgesprochenen oder gedachten widerspruch, einer vorausgesetzten meinungsverschiedenheit berichtigend oder widersprechend entgegen; das keineswegs bei Göthe 24, 215 (wol auch 30, 78) ist noch im alten ton gehalten und klingt dem 19. jh. entschieden ungewohnt und fremd, den neueren sinn bietet aber vielleicht schon Fischarts angeführte stelle. 33) Aber auch eine pluralische bildung ward geschaffen, sie hat neben keineswegs nicht aufkommen können: dasz du meinest dich nicht wirdig sein mich lieb zu haben, solt du in keine wege gedenken. buch der liebe 236c. im genitiv: mit dieser welt ists keiner wege richtig. Göthe 3, 245. das ist gewiss alt, es entspricht genau dem allwege, allerwegen 1, 232, und ist auch mnd. neinewege, engl. noways; vgl.halbwegs, das in der thür. sächs. form halwege wol auch die pluralische form zeigt. so heiszt es auch geh deines wegs und deiner wege. nach allerwegen läszt sich denn auch mit gen. pl. keinerwegen erwarten. 44) Keineswegs hatte anfangs eine anzahl ähnlicher bildungen neben sich, die vor ihm allmälich aus dem gebrauch gewichen sind. 4@aa) dem keines wegs ganz gleich stehend ist ein früh verschollenes keines sinns: nu kan ich doch keins sins gedenken (sagt ein weib), wie ich mit (öffentlicher) red mich mug gelenken. fastn. sp. 387, 9; so doch unser muter die heilige kirch disen namen und titul keins sinns leiden noch dulden kan. Fischart bienenk. 1588 184b; dasz man das kreuz keins sinns anbette als ein creatur. 191b; nullatenus keins sins in der Straszburger gemma (in der Cölner gheinssins Dief. 384c), und auch 'ullatenus eins sins' (vgl. c), diesz schon ahd. eines sindes, auf einer seite (Graff 6, 232), gewiss auch jenes. im nl. ist daraus das gebräuchliche 'keineswegs' geworden, geenszins, geenzins. Das geht zurück auf ahd. sinnan gehen, reisen, sind (sin) weg. ein mhd. in mengen sin Mart. 131, 14 (leseb. 766, 7) auf vielerlei weise (eig. nach vielen seiten hin) ist gebildet ganz wie ahd. in allen sint, mhd. in manegen wec, in manege wîse. 4@bb) ähnlich waren kein wise, keinwis, keinewis nullatenus Dief. 384c, keinerhande wise das., keiner gestalt Maaler 242a, in keinen dingen (2, 1167, schon mhd.), keiner dinge (vielleicht auch keines dings wie alles dinges 2, 1154), mit keinen dingen, mit keinen sachen, s. auch keinerleiweise, keinermasze. der rechts- und canzleistil brauchte solcher starker 'nicht' viel. 4@cc) bemerkenswert ist endlich, wie auch der bejahende gegensatz zu keineswegs im werden war, er ist aber landschaftlich geblieben (s. dazu eins sins unter a): schweiz. einswägs, schnell, alsbald Maaler 100c (also auf die zeit gewendet), und auch accusativisch schwäb. und bei Hebel eineweg, irgendwie, dennoch, gleichwol, ohnehin (Schmid 521), engl. any way: wenn i schon so übel ausseh, bin eineweg nit krank. E. Meier schwäb. volksl. s. 3.
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15.–20. Jh.
NeuhochdeutschKeineswêges
Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege
Keineswêges , adv. auf keine Art, schlechterdings nicht. Er konnte dieser Traurigkeit keinesweges widerstehen. Bey diese…
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Cotta, M. (2026). „keinesweges". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/keinesweges/dwb?formid=K03299
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Cotta, Marcel. „keinesweges". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/keinesweges/dwb?formid=K03299. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „keinesweges". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/keinesweges/dwb?formid=K03299.
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