Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
jugent stF.
1.1 ‘Jugend, junges Alter’
1.2 im Verhältnis zu anderen Altersstufen
1.3 ‘Zeit der Jugend, Jugendzeit’
1.4 übertr. auf junge Menschen (Gesamtheit oder best. Gruppe)
1.5 in Bezug auf die Rechtsfähigkeit bzw. die Bekleidung best. Ämter
2 beim Tier das Stadium des Jungtiers bezeichnend
1 beim Menschen 1.1 ‘Jugend, junges Alter’ niemen darf sich ze siner iugende niht uersehen; si sterbent alle geliche Spec 154,21; an dem salmen der nach dem zehinzigistin ist. stet daz des mannes iungent werde erniuwot also des aran JPhys 19,2; er [ Noupatrîs ] het ouch jugent und liehten schîn Wh 22,19; dîn lîb hât schœne und guote jugent, / dîn muot wîsheit und ganze tugent SM:Te 13: 3,4; HvNstAp 13014; Mechth 1: 1,12; RvEBarl 6955. – phras.: ûfgêndiu jugent und vollez guot, / diu zwei diu vüerent übermuot Tr 267; rehter fröiden, swer der waldet, / der hât immer niuwe jugent KLD:UvL 24: 3,2. – mit genauer Best. des Alters: diu jugit hebit sich nach deme zwelftin jare unde endit in deme vier unde zweintegistin jare RbGörlitz 43. – übertr. ‘junges Leben’ unz im der tôt nam sîne jugent Wh 48,23; scult ich iwer iugent han uerlorn Rol 6979 1.2 im Verhältnis zu anderen Altersstufen: – kindes ~ : so wil ich doch ir diener sîn, / diu mich da twinget her von kindes jugent SM:WvH 3: 1,8; du hâst von kindes jugende / getragen ie der êren cranz KvWWelt 140; wend ich nie man baz uollinkuͦmin / an allir slachte tuͦginde / gesach uon kindis iuginde / der ie sin swert begurte Athis F 144; Parz 781,10; RvEBarl 1501. – als (Übergangs-)Phase von der Kindheit zum (Erwachsenen-)Alter: ie baz unt baz / steic der herre [Karl d. Gr.] zetugente / uon kintheit ce iugente, / uon der iugent in daz alter Rol 26; únser kintheit die was toreht, únser jugent die wart angevohten; [...], min alter stat mir nu sere ze scheltende Mechth 7: 3,9; also teilit man dez menschen lebtage in vier. daz erste ist die kintheit, iugent, manheit unde daz alter MNat 9,23; PrOberalt 15,38. 16,2; Martina 264,17; im Ausdruck sterkere ~ i.S. des frühen Erwachsenenalters: adolescentia ist ein alter des mennisken inzuisken dere chindiske unde dere stercheren iungede. daz ist so dem chnappen der bart aller erist beginnit springen. unde dere magede die bruste wohsen beginnent PsWindb 118,9(Randgl.). – in gegensätzlichem Bezug auf das → alter (bes. in Wendungen, Sentenzen o.ä.; vgl. TPMA 6,372-385 s.v. jung): jugent hât vil werdekeit, / daz alter siuften unde leit Parz 5,13; swer in der jugent wirt ein sluch / und mit fraze an sin alter kumt, / wirt im da von ein grozer buch, / wie lützel daz der sele frumt! TannhHofz 249; swer an unzuht sîn jugent wendet, / der hât sîn alter gar geschendet WälGa 161; swer sich verlît in sîner jugent, / daz schadet dem alter sêre an tugent GFrau 469; Freid 52,22; ErnstD 1525; Renner 5625; wan swas site duͤ jugent gevât, / den site das alter kûm verlât Ammenh 7717. 1354; swer aber in dem alter wil mit gemache leben, / der muoz in sîner jugende nâch dem hûsrâte streben WolfdA 311,4; MF:Her 2:5,7; hânt alte liute jungen muot, / die jungen alten, deist niht guot; / singen, springen sol diu jugent, / die alten walten alter tugent Freid 52,6; Renner 21785 1.3 ‘Zeit der Jugend, Jugendzeit’ diu vrowe diu was tugenthaft, in ir jungede unberhaft AvaJo 2,5; wand ich dich mit herzen ie / in mîner jugent geminnet hân Wig 6854; si hât mir vröide in mîner jugent / mit ir wol schoener zuht gebrochen abe MF:Reinm 12: 2,3; NibB 7,4; HimmlJer 71 1.4 übertr. auf junge Menschen (Gesamtheit oder best. Gruppe): frou Minne, sît ir habt gewalt, / daz ir die jugent sus machet alt Parz 292,2; diu verteilte [verfluchte] jugende / begie ein groz untugende Dietr 4330; er lebete, swie man wolte / und als diu jugent solte Tr 3502. 2277; Frl 8:3,8. – als Anrede: trût geselle, süeziu jugent Tr 3128; dû jugent ân ende in blüender jugent LobGesMar 24,2; KvWEngelh 4321; Frl 7:14,17 1.5 in Bezug auf die Rechtsfähigkeit bzw. die Bekleidung best. Ämter: ob vnser eynes gerihte, daz gemanet wrde, niht volgte mit aller siner maht nach sines amtmannes gebot, ez were danne durch libes not, durch jugende oder durch alder UrkCorp (WMU) 2070,20. 2040,23; daz er vor jugent zv disen male nicht mag priester werden UrkWürzb 46,73 (a. 1323) 2 beim Tier das Stadium des Jungtiers bezeichnend: welchiz [Tier] aber eine trocken muter hat daz ist gut in der iugint. daz merke bi den chuzen SalArz 16,58. 17,2; die jungen esel sint in der jugent etswie vil schœn und lustig anzesehen BdN 119,35 u. ö.
MWB 3,1 89,56; Bearbeiter: Luxner