Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hinvür Adv.
1.1 ‘nach vorn, voran’
1.2 ‘nach vorn hin’ , die Richtung einer Erstreckung bezeichnend
1.3 ‘vor ... hin’ , in der Verbindung ~ komen ‘(vor einen Richter u.ä.) kommen, (vor ihm) erscheinen’
1.4 ‘hinaus’
1.5 ‘(an jmdm.) vorbei’ , in Verbindung mit komen
2 zeitl. ‘hinfort, von jetzt an, künftig’
1 räuml. 1.1 ‘nach vorn, voran’ garzûne, koche unde ir knaben / heten sich hin für [an die Spitze des Zuges] erhaben Parz 18,24; louf ich hin umbe [La. gen ich hin fúr ] , ich bin doch iemer hinder ir: / si wil mich niht an gesehen Walth 56,1; PrBerthKl 3,85; er hete sich nâch dem slage [um den Schlag auszuführen] / hin vür geneiget unde ergeben Iw 1109; swen denne [beim Kampf] sîn herze twinget / wider hinder sich und niht hin vür Wh 320,21; hin für was den jungen gâch, / die alten zugen hinden nâch Helmbr 723. – übertr., auf die Reihenfolge von Handlungen bezogen: swelich auch er vnder den vorgenanten sachen vor od nach wil verrihten, od hin fuͤr od herhinder setzen, dez hat er gantzen gwalt UrkCorp (WMU) 1693,28 1.2 ‘nach vorn hin’, die Richtung einer Erstreckung bezeichnend: [sie] envunden doch dâ nieman / wanz halbe ors innerhalp der tür / von mitteme satele hin vür Iw 1270 1.3 ‘vor ... hin’, in der Verbindung ~ komen ‘(vor einen Richter u.ä.) kommen, (vor ihm) erscheinen’ unde klaget ein man umbe gülte, dem sol man für gebieten [...]. unde kumet er niht hin für, dar umbe sol in der rihter niht æhten SpdtL 184,14; ist das ein gast chumt und piut seinem gelter [Schuldner] fur und chumt er durch daz furgepot nicht hin fur [...] RbRupr 230; ein armer ist schier erstecket: / swie reht er hât, kumt er hin vür / âne gâbe, man stœzet in vür die tür Renner 675 1.4 ‘hinaus’ dô lief er gegen der tür, / als er vil gerne hin vür / zuo ir wolde gâhen / und ir die hende vâhen Iw 1480; daz von des bosen vleisches mur [ müre stF.] / der geist mac nicht gekern hin vur HeslApk 3314; dône vant er loch noch tür / dâ er kæme hin vür Iw 6742; Wh 129,29; WernhMl 13637; also stiez er in hin fuͦr / und sloz er zu sine tur StrKD 62,41. – schiere enslôz sie die ture / ind sach in den hof hin fure En 10844; dô sach sî hin vür / durch eine schrunden an der tür Iw 4019; duo slôz der künic ûf die tür / und sprach zu den rittern hin vür StrAmis 690. – die Richtung vom Objekt auf das Subjekt bezeichnend (vgl. Wiessner, Richtungsconstr. 1,510): daz [das Geräusch des Wetzens] erhôrte / [...] der arme Heinrich hin vür [La. da fvr ] / dâ er stuont vor der tür AHeinr 1223 1.5 ‘(an jmdm.) vorbei’, in Verbindung mit komen: dô nû der künic hin vür quam, / Tristan ein grüenez rîsel nam / und warf ez in den wec aldar, / daz sîn Tantrîsel würde gewar / und ez vunde ligen dâ HvFreibTr 4379 2 zeitl. ‘hinfort, von jetzt an, künftig’ ez geschiht von kurzewîle hin für nimmer mêr / künige noch sînen mâgen, daz uns ist geschehen NibB 1092,2; ichn mach hinnen vort [La. hine vur ] niet / vehten noch strîten / noch gewâfent rîten En 4022; also, daz wir hin vuͤr dehein ansprach noch dehein reht haben suln an dem dorfe Reipoltzdorf UrkCorp (WMU) 1636,22. N313,37; daz di rede hin vur stet beliͤbe vnd vnzebrochen ebd. 1155,41 u.ö.; daz ich hinfür der minnen fiur verwar Frl 7:40,6; Ottok 39439. 39671
MWB 2 1583,33; Bearbeiter: Tao