haberstroh,
n. stramen avenaceum: ihr antlitz ist geschminkt mit wasser aus dem brunnen, ihr hut ist haberstro, ihr kittel ist parat von seiden die sie selbst zuvor gesponnen hat. Opitz 1, 156; und keüwend alle wörter do als unsre kue das haberstro. Murner
schelmenz. cap. 11; heckerling und haberstroh das ist gut kelberfutter, wer das megdlein haben will, der halt es mit der mutter.
Amantes amentes D 8;
in ähnlicher fassung bei Frischbier
volksr. 843. Haberstroh
dient als bild einer geringen, wertlosen sache in manchen redensarten. mit haberstroh lohnen
schlecht lohnen: hab kain ungemach, ob dir deine kinder nicht dankin nach deinr zuoversicht, won du deinen vordern so gelonet hast mit haberstro.
ring 20
d, 11,
das geht auf die wahrnehmung zurück, dasz der ackergaul, der den haber bauen hilft, nur sein schlechtes stroh zu fressen bekommt: dem herren raumauf und den barrenhengsten ist die weid gewachsen, die ackermerren mögens wol mit dörren rucken bawen, und haberstro fressen.
Garg. 81
a; das gelt auszgeben wie haberstro.
wegkürzer 100
b,
wie man sonst sagt geld verzetteln wie heu, davon fliegen lassen wie spreu; für alte schuld soll man haberstro nemen. Neander
sprichw. 14; vor ene ungewisse schuld moot man haverkaff annemen,
brem. wb. 2, 607,
weil eine alte schuld schwer bezahlt wird. ähnlich auch mhd.: man muoʒ an bœsem gelte haberstrô für guot nemen. Br. Berthold 386, 4; in bauern gehört haberstroh; der weise man saget: cibus, onus et virga asino, in einen bawren gehöret haberstro. Luther 3, 137
b; in bawren gehört haberstro: die gelerten sollen wein trinken. Peters 3, Rrr 8
a; in bawern gehört haberstro, similes habent labra lactucas. Agric.
spr. (1560) 14
b; im bauren gehöret heu und haberstroh. Schottel 1120
b; dem bauern gehört haberstroh, .. diesteln sind des esels salat. Pistorius
thes. par. 2,
no. 59; ich hab noch ein tochter, die ist blind, ist rotzig gar und hat den grind, die gib ich einem bauren do, es hort in dbauren haberstro. Murner
narrenbeschw. 708
Scheible; der gröbsten esel sind si do, nüt hört in si denn haberstro.
geuchmatt (
Scheible 8, 1102).
Andere fassungen theilen das haberstroh
thieren zu: 'herr, wann schon ich in dieser stunde an deine ehrenstell tretten solte, so wolte ich sie doch nicht annehmen'. mein herr lachte und sagte: das glaube ich, dann dem ochsen gehöret haberstroh.
Simpl. 1, 151
Kurz; das gmeine sprichwort laut also, den gänsen gehört haberstro.
ganskönig H 6
b.
der gans ist hier am wolsten: wenn es wol geht so ist im do gleich wie der gans im haberstro. H 6
a. drei gäns im haberstro si assen und waren fro.
Garg. 91
a,
ein bis heute erhaltener reim: fünf gänse im haberstroh, die aszen, die fraszen, die waren alle froh. Frischbier
volksreim no. 774.
Die kuh weisz ein kostbares gewürz gegen ihr haberstroh nicht zu würdigen: was soll der kuh muscaten? sie isset wol haberstro. Luther
bei Eiselein 401, Pistorius
thes. par. 2,
no. 59; der muskat wird die kuh nicht fro, ir schmeckt vil basz grob haberstro. B. Waldis 1, 1, 40; was sol der kuh die muscatnüs, weil ir das haberstro schmeckt süsz? 4, 23, 86. leeres haberstroh dreschen,
wie sonst leeres stroh dreschen, ein unnützes ding treiben: und drischt ein leres haberstro. Murner
luth. narr 2056.
in Schwaben sagt man auch: du bist dumm wie haberstroh. Birlinger
augsb. wb. 214
b.