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haarbeutel

nhd. bis sprichw. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
13
Verweise raus
8

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

haarbeutel m.

Bd. 10, Sp. 24
haarbeutel, m. beutel in den die hinterhaare des kopfes gesteckt wurden; erst nach dem jahre 1720 als theil der männertoilette aufgekommen. der erste deutsche lexicograph der ihn kennt, ist Frisch (1, 388), welcher ihn (2, 140) auch haarsack, sacculus in cervice quo conduntur capilli longiores nennt: der galante Franzose half auch dér noth ab (nämlich die flatternden hinterhaare unterzubringen), aber sein auskunftsmittel wurde alsobald wieder eine zierde der eleganz: er steckte die überflüssigen haare in ein zierliches, flaches, seidenes säckchen, versah es mit schöner schleife und erfand so den haarbeutel. Falke trachten- und modenwelt (1858) 2, 235; es waren die bedienten mit laternen, welche die auf der schnellen flucht verlornen hüte, perücken, haarbeutel, degen, schuhe, shawls, zusammen suchten. E. T. A. Hoffmann 8, 28; trug eine sehr saubere weisze perücke mit einem breiten haarbeutel. 8, 108. der haarbeutel kommt zu anfange dieses jahrhunderts wieder aus der mode und lebt nur noch in der redensart einen haarbeutel haben, sich einen haarbeutel trinken, einen kleinen rausch haben, auf welche redensart auch das bekannte Hebelsche rätsel hindeutet: rathet lieber leser, was hab' ich im sinn? einer hats am kopf, ein andrer hats darin. der Lammfell-husar wird sich einen haarbeutel trinken zum heiligen abend. Holtei Chr. Lammfell 164; niederdeutsch aus Westfalen hai heäd en hrbl. Fromm, 5, 72, ebenso bei Schütze, Dähnert. nach Adelung sowol wie nach Körte (s. 185) soll diese redensart im siebenjährigen kriege entstanden sein und sich an einen major der alliirten anlehnen, der nach einem rausche statt des ordonnanzmäszigen zopfes den leichten haarbeutel trug; ohne diesem direct widersprechen zu können, musz doch darauf aufmerksam gemacht werden, wie leicht solche anecdoten über dem ursprunge nach nicht verstandene redensarten erfunden werden. wenigstens steht einen haarbeutel haben parallel dem sonstigen unter trinkern üblichen er hat einen zopf, ist leicht trunken; er hat einen am ohr, er hat einen haken, welche wendungen alle ein beschwertsein des kopfes verschämt bezeichnen.
2124 Zeichen · 17 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Haarbeutel

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Haarbeutel , des -s, plur. ut nom. sing. ein Beutel, worin die Mannspersonen das hintere Haupthaar tragen; in einige…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Haarbeutel

    Goethe-Wörterbuch

    Haarbeutel Taftbeutel für hinteres Haupthaar od Zopf (einer Perücke) alles übrige [ Haar G-s ] vom Scheitel an in den Zo…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Haarbeutel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Haarbeutel , unter Ludwig XIV. Mode, bestand aus einem wattirten Beutel von schwarzem Taffet und sollte ursprünglich den…

  4. modern
    Dialekt
    Haarbeutel

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Haarbeutel Band 2, Spalte 2,427

  5. Sprichwörter
    Haarbeutel

    Wander (Sprichwörter)

    Haarbeutel 1. Er hat (sich) einen Haarbeutel (gekauft). – Körte, 2508 n . Ist berauscht (s. Ansehen 29 u. Boden 38). Ver…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit haarbeutel

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von haarbeutel 2 Komponenten

haar+beutel

haarbeutel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

haarbeutel‑ als Erstglied (2 von 2)

Haarbeutelperucke

Campe

haarbeutel·perucke

Die Haarbeutelperucke , Mz. die — n , eine Perucke, deren lange Hinterhaare in einen Beutel gesteckt sind, auch bloß Beutelperucke ; zum Unt…

Haarbeutelperücke

GWB

haarbeutel·peruecke

Haarbeutelperücke (Männer-)Perücke mit Haarbeutel (sd), als Teil altmodischer Aufmachung Eine Haarbeutel-Perrücke entstellte nicht sein [ Ju…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „haarbeutel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/haarbeutel/dwb?formid=H00025
MLA
Cotta, Marcel. „haarbeutel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/haarbeutel/dwb?formid=H00025. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „haarbeutel". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/haarbeutel/dwb?formid=H00025.
BibTeX
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