Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
gulte
14745, 14. Jh., obd.):
‚Turteltaube; turtur‘.
Die 22 Parallelhss. (davon fünf aus dem
gleichen Zeitraum, drei aus dem 15. Jh., die
übrigen 11.–13. Jh.) glossieren lat. turtur mit
turtiltûba (→ turtulatûba). Das Ahd. Wb. 4,
474 erwägt eine verschriebene Kurzform für
mhd. gürteltûba sw. f.
‚Turteltaube‘(Lexer
1, 1126; 3, Nachtr. 224). Fehlschreibungen
von -l- für -r- kommen tatsächlich vereinzelt
vor (vgl. z. B. gultel [St. Florian, XI 588,
13. Jh., mit frk. und obd. Merkmalen] für
gurtil
‚Band, Gürtel‘), so daß vielleicht von
einer Form *gurte auszugehen ist. In diesem
Fall könnte es sich um eine Ableitung mit
dem individualisierenden n-Suffix *-ōn- vom
st. m. gurt
‚Gürtel‘handeln und *gurte eigtl.
‚die gegürtelte (Taube)‘bedeuten; vgl.
mdartl. els. kränzletube (Martin-Lienhart,
Wb. d. els. Mdaa. 2, 644). Demnach wären
die schwärzlichen Querbinden auf hellem
Untergrund am Hals das Benennungsmotiv
des Vogels.