grundböse,
adj. ,
durch intensivierendes grund- (
vgl. compos.-typ. 1 a)
gesteigertes böse,
vgl.erz-
sive grundbös Stieler 208; sehr bös, ertzbös, grundbös
pessimo, malissimo Kramer
teutsch-ital. 1, 137
a;
vereinzelt schon mhd.: gruntbœser wart (
worte) vil
Seifrid Helbling 7, 811;
seit dem kraftausdrucksfrohen 16.
jh. recht geläufig, vor allem in den bedeutungen von böse 4
und 8,
seltener 6 (
vgl. th. 2, 250
ff.);
vgl. grundbös
ab origine malus Wachter
gloss. germ. 620. 11)
im sinne von böse 4 '
wild, bösartig'
der anlage nach, früh aber wenig häufig: welhes augen an der rœten dem feur geleichent, daz ist ain gruntpœsez mensch und gar widerprüechig oder ungevölgig K. v. Megenberg
buch d. natur 44, 5; grymig, gruntpos
malignus Diefenbach 344
b (
v. anfang d. 15.
jh.s);
substantiviert mit der bedeutung '
böser geist, teufel': dasz er in auch durch sein güt vor dem hessigen feind behüt das ist dasz er in wöll erlösen von dem unfal aller grundbösen H. Sachs 18, 115
K.-G. vergleichbar: von verdamten aber kan man nicht ubels genug reden ..., dieweil sie ja
gr. Moscherosch
gesichte (1650) 334. 22)
zumeist mehr wie böse 8 a =
improbus, moralisch bewerthet als gegensatz zum guten, bei personen oder handlungen: und war ein grundböse mensch von börnen, von morden, von roben S. Grunau
preusz. chron. 1, 226; diese lasterhaften ... waren dennoch keine
gr. menschen Lavater
physiogn. fragm. 3, 95; das sich so
gr. buben als from stellen C. Spangenberg
wider d. böse sieben (1562) c 1
a; eyn gruntbosser schalk Wigand Gerstenberg
chron. 67
Diemar; früh wird zur stehenden formel das
gr. weib,
das weniger das moralisch minderwerthige als das zänkische, böswillige ausdrückt: der selb het ain gruntposez weib die deglich peinigt seinen leib H. Sachs
fab. u. schw. 2, 121
ndr.; vgl. 14, 130. 264
K.-G.; sein grundböses weib (
nöthigte) ihn zu dieser ... wirthschaft
allg. dtsche bibl. 104, 156;
gern auf das wirkende organ übertragen: cor humanum ist nicht zu erforschen, wie grundbose es ist Luther 34, 2, 554
W.; jenes ausschweifungen (
müssen) kein grundböses herz verrathen Lessing 10, 199
M.; sein ... geständnisz, dasz sein naturell
gr. ... sey Liscow
samml. (1739) 176;
öfter auch bei collectivbegriffen wie welt, zeit: die warheit ... (
wird) von der grundbösen welt so gar erschrecklich angefeindet Rist
friedejauchz. teutschl. (1653) 7; bei dieser grundbösen zeit (
kann) ... das erinnern und vermahnen nicht schaden W. Ouw
miszbr. d. kleider (1663) 4; in diesen letzten grundbösen zeiten, da das christenthum eine fabel ... geworden Scriver
seelensch. (1737) 1, 79
b;
vgl. ir (
der welt) unart und grundtböse stück H. Sachs 9, 331
K., der auch schon die gr. welt
hat 3, 296;
auch entsprechend böse 8 c
als '
schlimm, schlecht, übel': so gar
gr. und greulich musz alles gestanden haben G. Arnold
kirch. u. ketzerhist. (1699) 2, 182; die elende und
gr. sache der gottlosen Gottsched
neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. 7, 486; böse,
gr. botschaft Raupach
dram. w. ernst. gatt. 6, 81. 33)
beschränkter sind andere bedeutungen verwendet; wie böse 2: '
bösartig, schlimm',
geradezu '
unheilbar': dasz sie ... in secten gerathen, die st. Peter verderbliche secten nennet ..., die so
gr. sind, dasz sie nimermehr mügen zurecht gebracht und geheilet werden
zeitgenössische übersetzung eines lat. schreibens Luthers in der Wittenb. ausg. v. 1557,
bei de Wette br., sendschr. u. bed. 2, 227; (=
ad eas sectas, quas Petrus perditionis vocat, relabamini, quae sunt insanabiles Luther 10, 2, 173
W.)
; wie böse 6 '
minderwerthig, schlecht im zustande'
öfter im 18.
jh. neben strasze, weg:
gr. straszen (
v. j. 1708) Fischer
schwäb. 3, 875; der weg ... war ... gegen Pistoja zu
gr. J. Chph. Nemeitz
nachlese (1726) 342,
vgl. Jagemann (1799) 549. —