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grauslich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grauslich adj.

Bd. 8, Sp. 2223
grauslich, gräuslich, adj. , seit dem mhd. bezeugte ableitung zu graus, m. (s. d.). mhd. grûslich und (zu grûse, st. f.; sw. m.) grûselich, grûsenlich; häufig umlautend griuslich, griuse(n)lich; entsprechend diphthongiert gräuslich neben grauslich usw. das sich seit dem 16. jh. aus dem literarischen gebrauch zurückziehende und um 1700 ungebräuchlich werdende wort begegnet seit dem ende des 18. jhs. wieder recht häufig, durchweg in der form grauslich; umgelautetes gräuslich (-lig) Graf unter 2 b bleibt vereinzelt. gelegentliche jüngere formen auf -lig sind an bedeutungsähnliches gruselig (s. d.) angelehnt. vereinzelt grauselicht Stieler stammb. (1691) 697. — das im hd. beheimatete, dem nd. fremde wort ist heute den obd. mundarten durchweg geläufig, den md. (vgl. Hertel Thür. 109; Bauer-Collitz Waldeck 41b) seltener und vornehmlich in verstärkender bedeutung (vgl. 2 c). 11) von der auf die wirkung einer sache zielenden bedeutungsgrundlage 'schauder erregend' her als objektives merkmal personen und unpersönliche gegebenheiten als 'wild, schrecklich, abscheulich, hart' u. ä. kennzeichnend. mhd. und frühnhd. reichlich, dann bis zum anfang des 18. jhs. noch vereinzelt bezeugt; vgl. lexikalische entsprechungen wie horribilis (md. 15. jh.) Diefenbach gloss. 280b; seuerus (md. 15. jh.) ebda 531b; atrox (15. jh.) ebda 58a; ferox (md. 15. jh.) ebda 231a; crudelis Schöpper synon. (1550) b 7a; nauseosus, fastidiosus Stieler stammb. (1691) 697; auch timidus, pavidus ebda in der andersartigen beziehung auf einen furchtsamen zustand. 1@aa) wild, grimmig, ungestüm; überwiegend in frühen zeugnissen und überhaupt selten: und soltens (die drachen) grûsenlîcher sîn dan die tiuvel in der helle, ich muoz ir geselle nu wesen an dem strîte Heinrich v. d. Türlin diu crône 13418 Scholl; dô sprach vil grûslîche der rise Schrûtân: wâ ist er nu sô lange, der mich sol bestân? d. ged. v. rosengarten A 214 Holz; do er (ein verurteilter) vernam, das man in solt hencken, stalt er sich also seltzam und greuszlich, das sich die herren verwunderten Wickram w. 3, 39 Bolte. 1@bb) schauder, schrecken, abscheu erregend; in dieser bedeutung vorherrschend. 1@b@aα) schrecklich, entsetzlich; je nach dem beziehungswort auch drohend, gefährlich u. ä. von personen, tieren, körperteilen: mohter mit sinir hant gesigin an dem grúsenlichim man (Goliath), und Saul wolte iemir hOehin in Rudolf v. Ems weltchron. 24122 Ehrismann; (die hornissen) prumment grausenleich mit irn stimmen Konrad v. Megenberg buch d. natur 300, 27 Pfeiffer; und machte das gräuslich her Karmosaris flüchtig aus dem landt Füetrer bayer. chron. 54 Spiller; do haben sy sich geeilet mit grosser schnelle den nechsten auff Rom zu zeziehen, in dem auch das gantz heer mit inen gefurt, auff das sy dester greuszlicher vnd erschrocklicher geacht wurden H. Gholtz leb. bilder (1557) E 1b; auch hatte er greuszliche augen, vnd war ein vberausz groszer mann buch d. liebe (1587) 11c. von erscheinungen irgendwelcher art, zuständen, handlungen, äuszerungen usw., auch von gegenständen und örtlichkeiten: sîn (Christi) gerihte daz wirt starc, ... owê wie griuslich er uns kumt Otto v. Freising Laubacher Barlaam 2753 Perdisch; uf dem lant gebóme doz allenthalp ubir al das tal ein alse grúsenlicher schal das al die heidin irchamen Rudolf v. Ems weltchron. 27860 Ehrismann; di sunne wirt vorwandilt in ein vinsternisse und der mand in ein blut, e den da kumt der tag des herren groz und gruslich (horribilis) (zu Joel 2, 31) Claus Cranc prophetenübers. 318 Ziesemer; eyn gruszlichs wetter Hugo v. Montfort 40, 91 Wackernell; in einem greusenlichen feurenden tiefen tobel (tal) Keisersberg trostspiegel (o. j.) 203b; das grüslich schwert wyder in syn scheyden zuo zwingen Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 2 ndr.; von dem greüselichen vnnd vnfreundlichen vngelück V. Schumann nachtbüchl. 43 Bolte; damit enthub dem pfuhl er (der höllendrache) völliglich sein gantze grösz: indesz die flammen lufft gewinnend, sich darunter gräuslich kräusten E. G. v. Berge Milton d. verlustigte paradeis (1682) 11 1@b@bβ) abscheu erregend, häszlich, scheuszlich; erst seit dem 15. jh.: wann ich pin grauselich gestalt von vier und zwainzig jaren alt Oswald v. Wolkenstein 20, 34 Schatz; unrainikaitten, die da scharpfen grúsenlichen schmack uszblAvsend Österreicher Columella 1, 39 lit. ver.; etliche jar darvor hat sich ein greisenliche that zu Hailgenberg begeben (ein mord) Zimmer chron. 21, 343 Barack; widerwAertig und grAeuslich schmecken Hohberg georg. cur. (1682) 1, 159; er sahe grAeuszlich in der ketten aus, weil er so lange keine verpflegung gehabt J. W. Petersen leben (1717) 145. 1@b@gγ) gern in der verbindung grauslich zu sehen, zu hören: es (die marter) was getan gar vnparmhertzklich ze sehen was es auch grausleich d. marter d. hl. Margareta 364 in: zfda. 1, 172; weil aber solches absonderlich in der nacht sehr widerlich und gräuslich anzuhören war Caminerus polit. feuermäuerkehrer (1682) 35. 1@cc) hart, roh, unerbittlich, beschwerlich: mer hat er (Christus) die sunder gemeyne alhie zu ym geruffen und gehapt in acht; dort (beim jüngsten gericht) weist er sie grauslich von ym, das sie zu gnad nymer werden genomen Hans Folz meisterlieder nr. 5, 53 Mayer; wie mag aber einer ellender sein, dann so er ist under dem gewalt eines solichen grausenlichen tirannen? Brentz prediger Salomo (1528) 21a; so wirt vnsz nüt zuo schwAer sin, nüt zuo bitter, nüt zuo grusenlich, nüt vnmüglich, sunder alle ding müglich reform. flugschr. 1, 245 Clemen; wir lesen auch von der greüsenlichen marter die Alexander Ferrus gebt Zoleckhofer Petri Messiae vilvaltige beschreibung (1564) 74; bemelter Schmeller ... ist bei seinen lebzeiten ein solcher greusenlicher, herber man gegen seinen underthonen zu Ringingen gewesen Zimmer. chron. 22, 161 Barack. 1@dd) qualitätsärmer und verstärkend, meist adverbial: (eine predigt) stroffet alle muotwillige lustsuocher ... grusenliche sere bi ewiger verdampnisse Tauler pred. 391, 6 Vetter; graf Wilhalm von Eberstain hat eins morgens, als es noch dunkel gewesen, ein greusenlichen fahl daselbs mit eim pferdt gethon, uf etlich clafter hoch hinab Zimmer. chron. 24, 118 Barack; unter meinem fenster, zu welchem einer wol hAette ausspringen kOennen, so es nicht die fessel, und die absonderliche und grauszliche brige hOehe verhindert hAetten Zendorius teutsche winternächte (1682) 14. 22) seit dem ende des 18. jhs. tritt grauslich neu auf, möglicherweise im anschlusz an graus, adj. (s. d.). es drückt eine annäherung an dessen jüngere bedeutung 2 aus, etwa im sinne eines nicht immer vollgewichtigen 'schaurig' zur kennzeichnung von gegebenheiten, die geeignet sind, furcht oder abscheu zu erregen, wobei oft eine distanzhaltung des sprechers deutlich wird. 2@aa) furcht und schauder erregend: wir weiber haben oft appetit auf grausliche bissen, manche hat den schönsten mann sich errennt, und wählt sich 'n amanten mit dem man d' kinder schrecken könnt Meisl theatr. quodlibet (1820) 2, 61; erzähler ... grauslicher räuber-geschichten Holtei erz. schr. (1861) 26, 7; hier wurden, wenn es aufwärts ging, an die schweren frachtwagen acht und zehn pferde vorgelegt, und wenn sie abwärts fuhren, war es ein grausliches ansehen Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 170; wenn ich hier rein komme, erschrecke ich vor den beiden larven an der wand ... sie müssen die lachende maske ansehn, frau Albrecht. die is ja noch grauslicher Kluge Kortüm (1938) 36; dasz heute der ... schlimmste tag der choleraepidemie in Kalkutta ist. tausende sind erkrankt und hunderte schon gestorben. auf der strasze habe ich schon ein- oder zweimal gelegenheit gehabt, die grauslichen symptome zu beobachten Lasky in: der monat 118 (1958) 68a. archaisierend und gewichtiger: kam eine kugel aus einem mörsel geflogen von einer feindlichen schanz, die ... schlug mitten in unser schifflein — ein grauslicher angstschrei! — auseinander risz das menschenvolle bretterwerk Raabe s. w. I 2, 389 Klemm. ähnlich 'zum fürchten neigend': was schnackst du, dasz es mir in meinem einsamen zimmer bei schlechtem wetter ganz grauslich werde Storm br. an seine braut (1915) 144. 2@bb) einen leichten schauder des abscheus erregend. häszlich, schmutzig u. ä.: (das fräulein ist) so abscheulig, schmutzig, und grauslig! — pfui teufel (1781) Mozart br. 2, 112 Schiedermair; du grauslicher schmutzhammel, du Rosegger schr. (1895) I 11, 54; den buben aber befahl er mit grimmiger miene, sofort ihre abscheulichen, zerrissenen, schmutzigen, grauslichen zipfelmützen auf einen haufen zusammenzutragen Carossa d. tag d. j. arztes (1955) 117. entsetzlich: (Siegfried:) man hat michs versichert, der nämliche waldbruder habe auf Mathildens geheisz Dragones im kerker mit gift hingerichtet. (Christoph:) das wäre verflucht, grauslich! maler Müller w. (1811) 3, 362; hatte ein moderner dichter, der solchen grauslichen stoff in edelster, nahezu christlicher weise nachbildete (die 'Iphigenie'), das recht, einen muttermörder (Orest) selbst durch die reinste liebe entsühnen zu lassen? (1887) Louise v. François an C. F. Meyer (1920) 211. schändlich: wenn sie nur das eine nicht hätte, das ist recht abscheulich, recht grauslich — vor andern leuten wegen meinem unglück zu reden Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 251; und so gräuslig wie er und der Silvan den ganzen tag über die geistlichen herren daherreden O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 270. gräszlich, von personen: unbesonnen, leichtsinnig, unanständig, barbarisch hab ich da gehandelt! ich bin doch wirklich ein grauslicher kerl Nestroy ges. w. (1890) 1, 54; der meister ist recht grauslich! immer einen verdacht haben auf mich ebda 3, 38. 2@cc) verstärkend, besonders von b her: sie waren grauslich obstinat Bäuerle kom. theater (1820) 2, 42; wer hat sie denn so grauslich zugerichtet? Holtei erz. schr. (1861) 37, 195; mit der zeit hob aber ringsum der neid grauslich zu hetzen an Leppa herzenssachen (1923) 120.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grauslichadj, adv

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    ✱ Grauslich , adj . u. adv . ein wenig graus oder grausig. »Die Feuer durchflammten das Dunkel roth und grauslich .« Kos…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    grauslich

    Goethe-Wörterbuch

    grauslich furcht-, schreckenerregend, unheimlich [ Peneios: ] Weckt mich doch ein g. Wittern, | Heimlich allbewegend Zit…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grauslich

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Ableitung von grauslich

graus + -lich

grauslich leitet sich vom Lemma graus ab mit Suffix -lich.

grauslich‑ als Erstglied (1 von 1)

grauslichkeit

DWB

grauslich·keit

grauslichkeit , gräuslichkeit , f. , älter auch gräuslich(h)eit. abstraktbildung zu grauslich ( s. d. ). 1) schrecklichkeit, heftigkeit, sch…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „grauslich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grauslich/dwb?formid=G26945
MLA
Cotta, Marcel. „grauslich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grauslich/dwb?formid=G26945. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grauslich". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grauslich/dwb?formid=G26945.
BibTeX
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