grasblume,
f. ,
vereinzelt grasesblume Herder 11, 47
S. 11)
als pflanzenname. 1@aa)
überwiegend als bezeichnung von pflanzen aus der familie der caryophyllaceae. der name ist durch die grasähnlichen blätter dieser nelkengewächse bedingt. 1@a@aα)
im obd. und im westlichen md. weit verbreitet für die gartennelke, dianthus caryophyllus L.: wir ... wOellen auch dulden
das eyn yeder die grasbluomen seins gefallens nenne flores chariopyllorum, musarum, nympharum, wie man wil Bock
kreütterb. (1539) 1, 171
a;
narcissus ... flos musarum uel nympharum, narcissus graszblum, neglinblum Alberus
dict. (1540) EE 4
a;
garyophyllea gras bluomen, nAegelein Golius
onomast. (1579) 393; negelenblumen, grasznegelen, vnnd graszblumen, heist bey den krAeutlern vnd simplicisten caryophyllus flos Wirsung
artzneyb. (1588)
reg.; grasblumen
cariophyllus hortensis Stieler
stammb. (1691) 203; grasbluhme
caryophyllum Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 138; gras-blume, werden an einigen orten die blumen-nägelein oder nelcken, genennet Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 980.
andere ältere lat. bezeichnungen, die durch grasblume
wiedergegeben werden, sind betonica bzw. vettonica (
u. ä.)
altilis oder coronaria; vgl. Junius
nomencl. (1567) 136
b; Ryff
confectb. (1584) 79
a; Megiser
thes. pol. (1603) 1, 171
c; Henisch
thes. (1616) 428; 1726.
ferner: die apotecker ... nennen graszbluomen herbam tunicam, so doch der selbig nam zuouor von jnen selbs dem erenbreisz geben ist Bock
kreütterb. (1539) 1, 171
a.
für die heutigen mundarten vgl. Höfer
Österr. 1, 322; Fischer
schwäb. 3, 797; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 157
b;
rhein. wb. 2, 1358; Kehrein
Nassau 171; Vilmar-Pfister
Hessen, nachtr. 358
a; Askenasy
Frankfurt 170; Reuting
Höchst 19.
zum ganzen vgl. Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 2, 103.
literarische zeugnisse: der graszbluomen fint man zam vnnd wild, gefült vnnd vngefült, von mancherley farben Bock
kreütterb. (1539) 1, 170
a;
zu demselbigen kam eines tags ein mägdlein, ... etliche kräntze, von den lieblichen schönen grasz- oder nägelblumen gemacht, tragende Kirchhof
wendunmuth 3, 264
lit. ver.; gleich im eingang des gartens, winckten jhnen die lieblichen grasz-blumen oder topff-nAegelein sehr lieblich zu Francisci
d. alleredelste rache (1668) 19; ich habe auch an solche triebe, wenn sie ein wenig erstarcket, einen kleinen scherben angehänget, wie man mit den trieben der jungen nelcken, oder anderwärts so genannten gras-blumen, zu thun pfleget Volkamer
nürnberg. Hesperides (1708) 58; die schönheit der nelken und grasblumen
allg. dt. bibl. (1765) 7, 1, 31. 1@a@bβ)
für andere nelkengewächse. so für die kartäusernelke, dianthus carthusianorum L. luxemb. ma. 152
b;
die federnelke, dianthus plumarius L. (
österr.) Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 2, 112;
die sternmiere, stellaria media Vill. rhein. wb. 2, 1358;
stellaria holostea L. Mensing
schlesw.-holst. 2, 470. 1@bb)
nach dem standort der pflanzen bezeichnet grasblume
namentlich im westen des dt. sprachgebietes und im nl. das maszliebchen oder gänseblümchen, bellis perennis L.; s. Pancovius
herb. (1673) 64;
rhein. wb. 2, 1358;
woordenboek d. ndl. taal 5, 587.
in alem. maa. zeigt nur das diminutiv diese bedeutung, s. grasblümlein 2. 1@cc)
beziehung auf andere pflanzen ist seltener. der name ist durch die form der grasähnlichen blätter, aber auch durch den standort der pflanzen im grase bedingt. 1@c@aα)
von pflanzen aus der familie der liliaceae. für anthericum liliago L.: grasblumen (
Pfalz) Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 1, 327;
vgl. häufigeres graslilie.
für gagea silvatica Loud.: grasblume (
Ostpr.), gele grasbloome (
schlesw.) Marzell
a. a. o. 2, 529. 1@c@bβ)
zur familie der plumbaginaceae gehört statice armeria L.: grasblume Mattuschka
flora Siles. 1 (1776) 276; wiesenkraut oder grasblume Schkuhr
botan. handb. (1791) 1, 251; Holl
wb. dt. pflanzenn. 134
b;
vgl. das dafür häufigere grasnelke. 1@c@gγ)
im salzburg. gilt grasblume
auch für das buschwindröschen, anemone nemorosa L. Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 1, 286. 1@dd)
in literarischen belegen ist die zuordnung zu einer bestimmten blumenart oft nicht gesichert. vielfach ist überhaupt nur eine im grase wachsende, geringwertige blume gemeint; vgl. Campe 2 (1808) 442
a: sie (
Aleimna) ist schön ...; sie übertrift die andern (
mädchen) alle, wie die rose gemeine grasblumen übertrift
theater d. Deutschen (1768) 14, 337; eine grasblum und eine wilde ros' — das geht wohl an — die stehen oft beisammen
M. Greif
ged. 5273.
in bildlichem gebrauch. für die demut: dagegen (
gegen anmaszung und selbstgerechtigkeit) richten sie (
die prediger) die gebeugte pflanze, die verborgene grasesblume auf, die weder ihre gestalt, noch ihren lieblichen duft kennet Herder 11, 47
S. zu gras I B 3,
im hinblick auf die vergänglichkeit der blume; im anschlusz an Jes. 40, 6
und 1.
Petr. 1, 24 (
flos foeni; ἄνθος χόρτου): alles fleysch ist gras und alle seyne herlickeyt ist gras blumen (1525) Luther 17, 2, 225
W.; du solt den menschen predigen: dasz alles fleisch heue sey, und seine herrlichkeit, wie eine verdorrende graszblume Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 719. 22)
soviel wie grasblüte (
s. d.): der hauptunterschied der grasblumen von den blumen der übrigen gewächsen Schreber
beschr. d. gräser (1769) 1, 13
anm.; sind nun in jeder grasblume die männlichen so wohl als weiblichen befruchtungswerkzeuge ... vorhanden, so wird eine solche blüthe ... eine zwitterblume genennt
Linné pflanzensystem (1777) 12, 22.
häufiger in dieser anwendung das dim. grasblümchen (
s. d.). —